Bobenthal
Hochwasserschäden möglichst klein halten
Die Messstelle an der Wieslauter ist der einzige Pegel in der Osthälfte des Landkreises. Der nächste Lauter-Pegel liegt unterhalb, an der Salmbacher Passage bei der Bienwaldmühle im Kreis Germersheim. Alle anderen zum Rhein fließenden Gewässer besitzen im Kreisgebiet keinen Pegel. Der für die Queich befindet sich erst in Siebeldingen im Kreis Südliche Weinstraße.
Ein dichteres Pegel-Netz besitzen der Westen und der Norden des Landkreises. Hier gibt es welche an Bickenalb, Ringweiler Talbach und Althornbach, sie liegen alle bei Hornbach, an der Felsalbe je einer bei Walshausen und der Eichelsbacher Mühle, am Auerbach im Zweibrücker Stadtteil Oberauerbach, am Schwarzbach bei Contwig und Thaleischweiler, an der Wallhalbe bei der Würschhauser Mühle 2 und schließlich einer am Queidersbach bei Steinalben. Alle dienen der Messung des Wasserstandes und der Ermittlung des Wasserabflusses.
Der Bobenthaler Pegel zählt zum Stromgebiet des Rheins und liegt 37 Kilometer oberhalb der Lautermündung. Mit seinen zahlreichen Quellen und Bächen hat dieser Pegel ein Einzugsgebiet von 253 Quadratkilometern, es reicht etwa vom Luitpoldturm bis zur Glashütte und fast bis zum St. Germanshof. Der Pegelnullpunkt liegt auf einer Höhe von 173,37 Metern. Eingerichtet wurde er 1950, Messdaten gibt es seit 1. November 1955. Die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd mit ihrer Regionalstelle Wasserwirtschaft, Abfallwirtschaft, Bodenschutz in Neustadt betreibt den Pegel.
Schwimmer misst Wasserstand
In dem kleinen Pegelhäuschen am Westufer werden die Wasserstände der Lauter aufgezeichnet. Unter dem Pegelhaus befindet sich ein Schacht, der durch ein Rohr mit der Lauter verbunden ist. Der Schwimmer im Schacht kann so den wechselnden Wasserständen der Lauter folgen. Ein Schwimmseil überträgt die Bewegungen des Schwimmers auf ein Schreibgerät. Dieses zeichnet die Wasserstände auf einem Pegelbogen auf.
Um sicherzustellen, dass die Aufzeichnungen auch exakt sind, wird der Pegel regelmäßig kontrolliert. Hierzu fuhr früher Walfried Wiehn, angestellt beim Wasserwirtschaftsamt, zweimal pro Woche von seinem Heimatdorf Bundenthal zum Germanshof, notierte die Daten und wechselte den Pegelbogen aus. Als Wiehn 1985 in Rente ging, übernahm seine Tochter diese Tätigkeit. Das Ablesen vor Ort dient heute nur noch der Kontrolle. Längst sind auf dem Pegelhäuschen Solarzellen montiert, die den Strom für eine moderne Datenfernübertragung liefern. Die Daten werden alle 15 Minuten aktualisiert und können im Internet abgerufen werden.
Größtes Hochwasser vor 51 Jahre
Den langjährigen Aufzeichnungen der Station ist zu entnehmen, dass der normale Wasserstand 89 Zentimeter beträgt. 2,44 Kubikmeter Wasser fließen pro Sekunde ab. Das seit den Aufzeichnungen bisher größte Hochwasser an der Lauter wurde am 12. Mai 1970 gemessen, mit einem Pegelstand von 223 Zentimetern. 13 Kubikmeter Wasser bewegten sich da in der Sekunde Richtung Weißenburg. Das Hochwasser Anfang Februar hielt sich da noch in Grenzen. Der Pegel Bobenthal erreichte am 3. Februar um 20 Uhr mit 153 Zentimetern seinen Höchststand bei einer Abflussmenge von fast sieben Kubikmeter je Sekunde.
Nach den drei vergangenen Dürrejahren ist man geneigt, auch Niedrigstwasserstände in unseren Bächen zu vermuten. Ganz so extrem war es jedoch nicht (2018: 80,47 Zentimeter, 2019: 75,95, 2020: 77). Der niedrigste Wasserstand am Lauterpegel wurde mit 61 Zentimetern am 2. September 1991 gemessen, mit einem errechneten Wasserabfluss von 0,66 Kubikmeter pro Sekunde.
Hochwasservorsorge
Um Hochwasser in tiefer liegenden Gegenden wie etwa der Rheinebene entgegen zu wirken, hat das Land entlang der Lauter in den Talauen verschiedene Überschwemmungsgebiete festgesetzt. Auch in den Gemeinden trifft man Vorsorge. So hat die VG Dahner Felsenland im September 2018 ein örtliches Hochwasserschutz- und -vorsorgekonzept für ihre 15 Ortsgemeinden im Einzugsgebiet der Wieslauter und der Sauer in Auftrag gegeben. Mit dem Konzept möchte man gegen künftige Starkregenereignisse mit örtlichem Hochwasser gewappnet sein. 2018 war es in der VG zu zwei zehnjährigen und einem 100-jährigen Starkregenereignis gekommen. Keller und Garagen waren überflutet worden, an Feldwegen und in Taleinschnitten war es zu erheblichen Schäden gekommen.
Klaus Meichel von der Bauabteilung in Dahn berichtet, „bei dem Konzept wollen wir die Bürger der Gemeinden, die Feuerwehr und den Forst mit einbinden“. Meist gehe es in den Gemeinden um Starkwasser, das von außen, beispielsweise über Feldwege, einfließt. Derzeit erstelle man ein Lagebild. Im Gespräch mit den Bürgern sollen Schwachstellen aufgespürt werden. Wenn es die Corona-Lage zulässt, soll es Bürgerveranstaltungen geben. „Wir versuchen, Hochwasser in den Griff zu bekommen. Hochwasserschutz ist Solidarschutz. Wir haben genügend Flächen, um etwas dagegen zu tun“, so Meichel. Die Bürger sollen aber auch beraten werden: „Wie kann ich mich selbst schützen.“
Die Ergebnisse werden gesammelt, dann sind die Fachbehörden am Zug. Eine Bestandsaufnahme und Defizitanalyse wird erstellt, jede Ortsgemeinde erhält einen Plan und einen Maßnahmenkatalog, welche Arbeiten erforderlich sind. Mit dem Konzept wollen die Gemeinden Schäden durch Hochwasser soweit wie möglich mindern.