Rodalben
Hauswirtschafter: Mit diesen Problemen hat der Beruf zu kämpfen
Grüne Tischdecken, bunte Blumensträuße und ein sorgfältig arrangiertes Frühstücksbuffet: Vor dieser Kulisse geben Auszubildende an der BBS Rodalben einen Einblick in die Hauswirtschaft. Ein unglaublich vielfältiger Beruf, der abwechslungsreich und wichtig sei, von dem aber immer noch wenige Menschen wüssten, was er genau umfasse, berichten Seline (20), Betty (27), Anna (28) und Max (26).
Alle vier kamen eher zufällig in Kontakt mit dem Ausbildungsberuf, haben sich aber rasch davon begeistern lassen. „Die Hauswirtschaft ist ein Multitalent“, sagt Daniela Hermann, Klassenleiterin und Lehrerin für Fachpraxis an der BBS Rodalben sowie Meisterin der Hauswirtschaft mit sonderpädagogischer Zusatzqualifikation. Der Beruf umfasse mehrere Bereiche. Dazu gehören Service, Betreuung, Textilpflege, Ernährung und Versorgung sowie Hausreinigung, ergänzt Andrea Berlitz, Lehrerin an der BBS Rodalben, Teamleitung und Mitglied im Prüfungsausschuss Hauswirtschaft.
Viele Einsatzmöglichkeiten
Dementsprechend vielseitig seien die Einsatzmöglichkeiten: „Überall da, wo Speisen zubereitet werden“, sagt Hermann. Das können Hotels, Gastronomie, Krankenhäuser, Kindergärten, Seniorenheime, aber auch private Haushalte sein. Das Wissen um eine gesunde Ernährung sei an vielen Stellen gefragt. Die Ausbildung ist im Betrieb, aber auch überbetrieblich möglich.
Ihren Abschluss ganz frisch in der Tasche hat Anna (28). Die Mutter zweier Kinder hat ihre Ausbildung beim Internationalen Bund (IB) in Pirmasens in Teilzeit absolviert. Dagmar Böckler war ihre IB-Ausbilderin, sie ist zudem Mitglied im Prüfungsausschuss Hauswirtschaft. Sie hat beobachtet, dass die Tätigkeiten Putzen und Waschen bei den jungen Menschen nicht mehr so bliebt seien, dafür aber der Service, also das Austeilen der Mahlzeiten. Letztlich könne sich jeder gemäß seiner Interessen spezialisieren.
Verschiedene Fähigkeiten gefragt
Verantwortungsbewusstsein ist eine der wesentlichen Fähigkeiten, die Auszubildende der Hauswirtschaft mitbringen sollten, erklären Seline und Max. Dazu gehört ein großes Bewusstsein für Hygiene : „Wir wollen ja nicht, dass die Menschen, für die wir kochen, krank werden.“ Aber auch Organisationsfähigkeit zählt dazu, etwa, wenn eine Veranstaltung geplant werden muss. Beim Dekorieren könne die eigenen Kreativität eingebracht werden, sagt Max.
Hauswirtschaft sei so viel mehr als Kochen und Putzen. Leider fehle an vielen Stellen das Bewusstsein für diesen Beruf, hat Monika Raab beobachtet. Sie ist staatlich geprüfte Hauswirtschaftsleiterin und ausgebildete Köchin. Sie arbeitet im ökumenischen Gemeinschaftswerk Pfalz in Ramstein-Miesenbach, in dem Menschen mit Beeinträchtigung wohnen und ist die Ausbilderin von Seline.
Gemeinsames Kochen und Backen mit den Bewohnern, aber auch die Pflege ihrer Wäsche seien wichtige Aufgaben, die in den pflegerischen Bereich reichten. So würden die Menschen nicht nur versorgt, sondern auch betreut. Empathie und emotionales Gespür seien daher sehr wichtig.
Beruf werde häufig nicht wertgeschätzt
Leider werde der Beruf häufig nicht wertgeschätzt, im Zuge von Einsparungen würden seit Jahren in Betrieben ungelernte Kräfte eingestellt, die schlechter bezahlt würden. „Das ist qualitativ aber nicht das Gleiche“, betont Raab.
Der Beruf stehe vor etlichen Herausforderungen, erzählt Hermann. Der demografische Wandel sorge für immer mehr ältere Menschen, die auf Hilfe angewiesen seien. Gleichzeitig sinke die Zahl der Hauswirtschafter. Die Gründe fasst Max zusammen: Dienstleistungsberufe seien generell schlechter bezahlt, es gebe wenig Wertschätzung und immer noch das Denken: „Das kann ja jeder“.
Gleichzeitig zeige sich ein hohes Zukunftspotenzial im ländlichen Raum, bei der Unterstützung von Menschen, die auch im Alter zu Hause leben wollen. Zudem gebe es viele Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten, die nach der Ausbildung offenstehen. „Das ist ein guter und wichtiger Beruf, den kann man nicht einfach wegfallen lassen“, betont Monika Raab.
Immer weniger Azubis
Doch es entschieden sich immer weniger junge Menschen für diese Ausbildung, an der BBS gebe es derzeit nur sechs Auszubildende über alle drei Lehrjahre, so Hermann. Eine davon ist Betty. Sie stammt aus Uganda und macht ihre Ausbildung bei Heike Bißbort. Die Landwirtin ist Hauswirtschaftsmeisterin und Kreisvorsitzende der Südwestpfälzer Landfrauen, sie bildet seit 2001 selbst Hauswirtschafterinnen aus. In der Südwestpfalz sei sie die Einzige, die das im ländlichen Bereich tue, erklärt Bißbort. Betty hat nach einem Praktikum im Betrieb die Ausbildung begonnen.
Wer sich für die Hauswirtschaft entscheide, habe viele Bereiche, in denen er arbeiten könne, betont auch Cornelia Meffert. Sie ist Klassenleiterin der Auszubildenden Fachpraktiker Hauswirtschaft an der BBS. Dieser Ausbildungsgang richtet sich an junge Menschen mit Beeinträchtigung und nimmt den praktischen Aspekt stärker in den Blick. Sie habe über die Jahre hunderte junger Menschen ausgebildet, die im Anschluss Jobs gefunden hätten, sagt die Meisterin für Hauswirtschaft mit sonderpädagogischer Zusatzqualifikation.