Waldfischbach-Burgalben RHEINPFALZ Plus Artikel Hauptstraße weiterhin gesperrt

Vorvergangene Woche wurden Container im Hof des abgebrannten früheren Hotels aufgestellt. Die Abrissarbeiten dauerten nicht lang
Vorvergangene Woche wurden Container im Hof des abgebrannten früheren Hotels aufgestellt. Die Abrissarbeiten dauerten nicht lange. Die Bau-Berufsgenossenschaft stellte die Arbeiten ein.

Ein Ende der katastrophalen Situation in der Hauptstraße , die nach dem Brand des ehemaligen Hotel Martin immer noch gesperrt ist, ist nicht in Sicht. Weil das vom Landkreis Südwestpfalz beauftragte Abrissunternehmen seinerseits Sub-Unternehmen beauftragt hat, bei denen Arbeiter mit nicht korrekten Papieren beschäftigt waren, hat die Bau-Berufsgenossenschaft die Arbeiten an der Baustelle eingestellt. Mit gravierenden Folgen.

Viele hatten gehofft, dass längstens in dieser Woche wieder der Verkehr – zumindest einspurig – durch die Hauptstraße rollen kann, die seit dem Brand des ehemaligen Hotels Martin am 4. August gesperrt ist. Der Abriss ist unterbrochen, die Straße bleibt gesperrt. Die Situation, dass die Hauptverkehrsader der Gemeinde nun in der achten Woche gesperrt ist, bedroht wirtschaftliche Existenzen, zehrt an den Nerven vieler Verkehrsteilnehmer und Anlieger auf den Umleitungsstrecken.

Die Vorkommnisse in den vergangenen Tagen, die zu den weiteren Verzögerungen geführt haben, haben Verbandsbürgermeister Lothar Weber (SPD) veranlasst, einen Brief an Landrätin Susanne Ganster (CDU) zu schreiben, damit sie sich mit Nachdruck dafür einsetzt, dass sich diese Situation ändert, die Hauptstraße wieder für den Verkehr freigegeben werden kann.

„Kein Spielball von Firmen“

„Wir, die Menschen hier, dürfen nicht zum Spielball von Spielchen von Firmen werden“, machte Weber am Dienstag in der Sitzung des Ortsgemeinderates Waldfischbach-Burgalben seinem Ärger Luft, forderte von beteiligten Behörden und Institutionen, dass man nicht, wie geschehen, weiter Zeit verstreichen lasse, indem man Termine verschiebe. Das Bauamt des Landkreises nahm Weber ausdrücklich aus, „die tun alles, was sie können“, sagte er.

Was ihn, im Namen aller Betroffenen, zum Schreiben an die Landrätin veranlasste, sind die Ereignisse der vergangenen Tage. Der Landkreis Südwestpfalz hatte, sofort, nachdem die gesetzte Frist an den Eigentümer des Hauses abgelaufen war – dieser hatte erwartungsgemäß nichts unternommen, um die geforderten Abrissarbeiten zu erledigen – ein Unternehmen mit den Abrissarbeiten beauftragt. Im Rahmen einer sogenannten Ersatzvornahme. „Diese Frist musste eingehalten werden“, konstatierte Weber.

Am Montag, 7. September, war im Auftrag des Kreises ein Bauunternehmen an die Brandstelle gekommen. Der Kreis hatte angeordnet, dass beim vorderen Gebäudeteil, der an der Hauptstraße steht, das Haus inklusive dem zweiten Stock abgetragen werden muss. Davon geht derzeit die größte Einsturzgefahr aus. Das seitliche Gebäude muss bis zum Erdgeschoß abgetragen werden und der dahinter stehende ehemalige Tanzsaal muss bis zur Traufhöhe inklusive oberstem Giebel abgerissen werden.

Treffen wegen Baufirma wieder abgesagt

Das beauftragte Unternehmen hatte ein Sub-Unternehmen beauftragt und dieses wiederum wohl ein weiteres Sub-Unternehmen. Am Montag wurden Container angeliefert und gestellt, der vorhandene Bauzaun, der die Brandstelle absichert, mit Planen verhängt. Am Dienstag waren Arbeiter in weißen Schutzanzügen auf der Baustelle unterwegs und kurz darauf tat sich absolut nichts mehr. Es stellte sich heraus, dass die Bauberufsgenossenschaft die Arbeiten eingestellt hatte, weil das Sub-Unternehmen Arbeiter beschäftigte, deren Papiere nicht in Ordnung waren.

Vergangenen Freitag hatte es an der Baustelle einen Termin gegeben. Mit dem beauftragten Bauleiter, dem beauftragten Statiker und Vertretern des Bauamtes des Kreises, der Verbands- und der Ortsgemeinde. Ergebnis: Ohne Vertreter der Bauberufsgenossenschaft, Unternehmensvertreter und Vertreter der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion lässt sich die Sachlage nicht klären. Es wurde ein Termin für Dienstag – den Tag der Ratssitzung – anberaumt. Ziel dieses Termins: Lösungen finden, um schnellstmöglich die Hauptstraße wieder für den Verkehr freigeben zu können. Der Termin wurde kurzfristig abgesagt, weil kein Vertreter der Baufirma kommen wollte.

Zu hohes Verkehrsaufkommen, keine Parkplätze

Daraufhin wurde das Schreiben an die Landrätin verfasst. Auch um klar zu machen, welche gravierenden Folgen dieser Abrissstopp hat. Weber verweist im Schreiben auf die Anwohner der Umleitungsstrecke, die seit Wochen sehr hohe Verkehrsmengen zu ertragen haben, auf die die Straßen, durch die Verkehr geleitet wird, teils nicht ausgelegt sind. Für viele Bürger gebe es seit Wochen keine Parkmöglichkeiten in der Nähe ihrer Wohnungen.

Zudem bestehe die Gefahr, dass sich in der Umleitungsstrecke ein Unfall ereignet. „Dann ist Waldfischbach-Burgalben verkehrstechnisch geteilt. Eine Umfahrung der Sperrung ist dann nur noch über die Bundesstraße möglich“, skizziert Weber.

Klage über massive Umsatzeinbrüche

Die Unternehmen, die in der Hauptstraße durch die Sperrung betroffen sind, klagten einheitlich über massive Umsatzeinbrüche. Besondere die Einkaufsmärkte Lidl, Wasgau, ID-Markt, die Aral-Tankstelle, die Hubertus-Apotheke sowie das Autohaus Hauck. Letzterem entstehen zudem hohe Zusatzkosten, weil Neufahrzeuge mit dem eigenen Transporter in Kaiserslautern abgeholt werden müssen. Die großen Transporter, die diese Fahrzeuge normalerweise anliefern, benötigen eine Strecke, auf der sie nicht wenden müssen. Durch die Sperrung ist das nicht gegeben. Der Parkplatz hinter der Hubertus-Apotheke ist nicht nutzbar. Dieser ist durch die Absperrung zugestellt. Dort steht ein Pferdeanhänger, der aktuell nicht genutzt werden kann, die Eigentümerin muss zum Transport der Pferde jedes Mal einen Anhänger zu leihen.

In dem Gebäude, das direkt an die Brandruine angrenzt, befand sich im Untergeschoß eine Kneipe, die derzeit geschlossen ist. Bedingt durch den Brand ist aktuell die Standfestigkeit des Gebäudes nicht gewährleistet. Die Mieterin in dem Haus musste ihre Wohnung verlassen. Die Frau ist derzeit auf Kosten der Verbandsgemeinde als Obdachlose untergebracht.

Betroffen ist auch die Ortsgemeinde selbst. Der Bauhof hatte unbürokratisch nach dem Brand mit Absperr- und Beschilderungsmaterial ausgeholfen, benötigt es mittlerweile anderweitig und musste feststellen, dass Absperrmaterial der Ortsgemeinde beschädigt oder entwendet wurde. Ungeklärt sei auch die Frage, wer für die Absicherung der Baustelle zuständig sei, kritisiert Weber. Normalerweise sei das Aufgabe beauftragter Unternehmen.

x