Energiewende
Hauensteiner verschlägt es mit seiner Photovoltaik-Anlage nach Absurdistan
„Um uns an der Energiewende zu beteiligen, haben wir uns 2021 entschlossen, eine Photovoltaik-Anlage auf unser Haus hier in Hauenstein zu installieren“, erzählt der frühere Mediziner Werner Burgard, der jedoch letztlich aus mehrerlei Gründen zu einem ungünstigen Zeitpunkt in das Geschäft mit dem Sonnenstrom eingestiegen ist. Es dauerte zunächst, bis die Solarzellen da waren und eine Fachfirma auch Zeit für die Montage hatte. Am 21. Juli 2022 sei es dann so weit gewesen. Die Anlage ging ans Netz, wurde überall angemeldet und registriert, wo es nötig war und dann begann für den Hauensteiner „Absurdistan“, wie es Burgard nennt. Ein Jahr nach Inbetriebnahme meldeten sich die Pfalzwerke bei ihm und teilten mit, dass der eingespeiste Strom den gesetzlichen Regelungen gemäß vergütet werde. Was er erhalten werde, könne er „dem beigefügten Abschlagsplan“ entnehmen. Den Abschlagsplan hatten die Pfalzwerke jedoch nicht mitgeschickt. Ab dem Zeitpunkt wurde es für Burgard „kafkaesk“. Mails und Briefe von ihm wurden nur noch von einer Künstlichen Intelligenz beantwortet, vermutet er. Da half es auch nicht, sich an den Energiebetrieb Hauenstein zu wenden. Das einzige, was funktionierte, war die Zahlung von Burgard an das Pirmasenser Finanzamt, das für die vermeintlich kassierte Umsatzsteuer Geld sehen wollte. Die musste der Hauensteiner bezahlen, obwohl er bisher noch keinen Cent für die Solarenergie gesehen hatte.
Bewegung kam in die Geschichte erst durch die Anfrage der RHEINPFALZ. „Ich habe den Eindruck, dass dann der Turbo gezündet wurde“, erzählt er lachend. Kurze Zeit danach bekam der Hauensteiner Post und inzwischen sei sogar die Vergütung für das ganze Jahr 2022 auf seinem Konto eingetroffen. „75 Euro sind das gerade mal“, zeigt sich Burgard etwas enttäuscht. 1072 Kilowattstunden habe seine Anlage in dem Jahr eingespeist für eine Vergütung von sechs Cent plus Steuern. Weitere Zahlungen für das vergangene Jahr seien ihm in Aussicht gestellt worden.
Unglücklicher Zeitpunkt
Werner Burgard hatte offenbar Pech, dass seine Anlage just zu dem Zeitpunkt ans Netz ging, als der Hauensteiner Energiebetrieb seine Zuständigkeiten neu ordnete. Von 2022 auf 2023 wechselte die Zuständigkeit von der Pfalzwerke Netz AG zum Energiebetrieb Hauenstein. Die Werkleitung hatten Stadtwerke Kaiserslautern (SWK) übernommen. Florian Hoffmann, Netzvertriebsexperte der Pfalzwerke Netz betont, dass der Energiebetrieb Hauenstein die Beschwerden von Burgard ernst nehmen würde und den Fall aufarbeiten wolle. „Nach internen Recherchen handelt es sich bei der Angelegenheit von Herrn Burgard um einen Ausnahmefall, den wir sehr bedauern“, erklärt Hoffmann gegenüber der RHEINPFALZ. Leider komme es in einer sehr geringen Anzahl von Fällen zu Komplikation in den Prozessen wie bei Burgard. Hoffmann versicherte, dass der Hauensteiner wie auch alle anderen Betroffenen die Einspeisemenge vollständig rückwirkend vergütet bekämen. „Es entsteht ihm hier also kein Schaden“, verspricht der Pfalzwerke-Sprecher.
Burgards Fall war nicht der einzige, wie Hauensteins Ortsbürgermeister Michael Zimmermann in der jüngsten Ratssitzung einräumte. Bei den Einspeisebescheiden habe es ein Problem gegeben, sagte Zimmermann. Laut ihm seien noch zwölf bis 15 Betroffene „in der Schwebe“ und der Ortsbürgermeister versicherte, dass die Verfahren zur Auszahlung und Abrechnung „optimiert“ werden sollten. „Das lag am Übergang von der einen zur anderen Firma und der Softwareumstellung“, meinte Zimmermann auf RHEINPFALZ-Anfrage. Außerdem habe es noch andere Gründe gegeben, die er nicht nennen wolle.
Werner Burgard ist erstmal zufrieden, dass er das erste Geld auf dem Konto hat und hofft, dass es künftig besser läuft. „Sonst wird das nichts mit der Energiewende“, schätzt der Hauensteiner.