Hauenstein RHEINPFALZ Plus Artikel Hauenstein: Bombenangriff vor 75 Jahren

War vor 75 Jahren Ziel eines Bombenangriffs: Das Hauensteiner Jugendheim diente damals als Lazarett.
War vor 75 Jahren Ziel eines Bombenangriffs: Das Hauensteiner Jugendheim diente damals als Lazarett.

Dieses Ereignis ist Teil des kollektiven Gedächtnisses Hauensteins, auch wenn die meisten Augenzeugen nicht mehr leben: Am 10. März 1945 flogen alliierte Bomber einen Angriff auf das damals als Lazarett dienende Jugendheim unterhalb des Neding. Die blutige Bilanz: mindestens 17 Tote, einige Vermisste und ungezählte Verletzte.

Eugen Klein, der gerade 90 Jahre alt gewordene Chronist Hauensteins und unermüdliche Heimathistoriker, hat das Geschehen dokumentiert. Überliefert ist auch der bewegende Bericht des verstorbenen Augenzeugen Heinrich Feith, der die Dramatik des Geschehens vor 75 Jahren greifbar macht. „Ich warf mich sofort zu Boden. Den Kopf nahm ich zwischen die Arme und presste mich auf die Steinplatten. Ich hatte nur einen Gedanken: Jetzt ist es aus!“

Es war ein Samstag, kurz nach Mittag. In der Küche des Lazaretts hatte Elfriede Braun, als Küchenhilfe zwangsverpflichtet, gerade das Geschirr vom Mittagessen weggeräumt. Gegen 13.30 Uhr hörte sie schwaches Motorengeräusch, das schnell näherkam – eigentlich nichts Neues für die Bevölkerung, denn schon seit Monaten überflogen Bomber in großen Pulks den Ort, um ihre tödliche Fracht über den Zentren am Rhein abzuladen. Aber: Diesmal kamen die Flugzeuge tiefer als sonst, das Motorengeräusch schwoll schneller an, ein Rauschen setzte ein, Bomben fielen.

Wie große Regentropfen

Wie „große Regentropfen fielen sie aus den Wolken“, berichtet Eugen Klein. Ein erster Bombenteppich fiel in die Bruchwiesen – südlich der heutigen Sommerstraße – und erfüllte die Luft mit fürchterlichem Getöse. Die Erde bebte, Häuser zitterten, Menschen gerieten in Panik. In der Sommerstraße wurde das Haus Zöller getroffen, Frauen und Kinder wurden unter Steinen begraben.

„Unter den Trümmern hörte man Hilferufe“, erinnerte sich der damalige Feuerwehrkommandant Otto Ritter, der mit vielen anderen vor Ort geeilt war. „Jeder half, wo es notwendig schien. Man versuchte verzweifelt, die begrabenen Frauen und Kinder zu retten.“ Für die beiden Kinder Karl Emrich (vier Jahre), der unter den Haustrümmern begraben wurde und erst Wochen später geborgen werden konnte, und Inge Leyendecker (sechs), die von einem Splitter getroffen wurde, kam jede Hilfe zu spät.

Barackenlager war wohl Ziel

Noch während viele Helfer zu dem zerbombten Haus eilten, kündigte Motorenbrummen neues Unheil an. Ein zweiter Bombenteppich fiel, und der traf jenes Ziel, das der erste Bombenhagel verfehlt hatte: Neben dem Jugendheim, von der DJK als „Kreislehrstätte“ errichtet und zu diesem Zeitpunkt als Lazarett fungierend, stand ein Barackenlager (übrigens der Schauplatz des Romans „Maria von Hauenstein“ von Walter Nutz), dem wohl die Angriffe galten. Dicht an dicht fielen die Bomben, trafen Baracken und – obwohl mit dem roten Kreuz als Lazarett ausgewiesen – auch das Jugendheim. Das Lazarett wurde bei dem Angriff fast völlig zerstört, nur der linke Seitenflügel, wo zahlreiche verwundete Soldaten untergebracht waren, blieb zum Teil stehen.

Von der zweiten Angriffswelle ist eine bemerkenswerte Rettung überliefert: Der in dem Wehrmachtslazarett tätige Zahnarzt Hans Piller war zum Haus Zöller geeilt, um Hilfe zu leisten. Als die Bomber erneut näherkamen, deckte er den zweijährigen Günther Emrich, der lebend aus dem zerstörten Haus geborgen worden war, mit seinem Körper ab. Während der Arzt von Bombensplittern tödlich getroffen wurde, überlebte das Kind.

Grauenhafter Anblick

Zwei Ärzte und eine nie ganz sicher verifizierte Anzahl von Soldaten kamen ums Leben. Neben den beiden Kindern mussten weitere Hauensteiner ihr Leben lassen: Karl Betz, 34 Jahre alt, Eugen Kleins Bruder Alois (13) und Anneliese Gerstle (14) sind sofort tot, die 26-jährige Monika Burkhard, die wie Elfriede Braun als Küchenhilfe im Lazarett tätig war, stirbt 17 Tage später an den Folgen ihrer Verletzungen.

Der Schrecken überwältigt die Helfer: „Der Anblick der toten und verwundeten Soldaten, die wir in den Schützengräben hinter dem Jugendheim fanden, war grauenhaft“, erinnerte sich Otto Ritter, und Heiner Feith mutmaßte ähnlich wie Elfriede Braun: „Viel mehr Soldaten, als bekannt ist, kamen unter dem Bombenhagel ums Leben.“

Noch 1973 einen Toten gefunden

Bei den Fundamentierungsarbeiten für die Wasgauschule fand man im Jahr 1973 das Skelett eines unbekannten Soldaten, der wohl ebenfalls dem Bombenangriff zum Opfer gefallen war. Die Toten wurden zunächst auf einem kleinen Soldatenfriedhof in der Nähe des früheren „Bildstockes“ bestattet. Sie wurden später auf den Friedhof unterhalb der Dahner Michaelskapelle umgebettet. An sie und alle Opfer des Bombenangriffs vom 10. März 1945 erinnert seit 2005 ein kleiner Gedenkstein an den Parkplätzen in der Speyerstraße.

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