Waldfischbach-Burgalben
Großwäscherei Umla: Zwischen Modernisierung und Preisdruck
Zwei riesige Waschstraßen, mehrere Schleudern, die aussehen wie eine übergroße Version der heimischen Waschmaschine, eine enorme Anlage, die Bettwäsche mangelt und faltet, eine kleinere, die mit Dampf und Heißluft Arbeitshemden glättet, ein Container mit Dampfkessel – und das ist nicht alles: Allein, was an Maschinen in den beiden Hallen der Großwäscherei Umla in Waldfischbach-Burgalben steht, ist mehrere Millionen Euro wert. Ein großer Schritt, den der Papiertechnologe Erkan Özecik und seine Frau, die Logopädin Berivan Basyurt-Özecik, gegangen sind, als sie 2019 die Wäscherei vom Ehepaar Umla kauften und sich selbstständig machten.
Erkan Özecik ist mit Herzblut dabei, kennt jede Ecke seiner Firma, nimmt sich jedes Problems an und geht jeden Tag mit Freude auf die Arbeit, wie er erzählt. Und doch räumt er im RHEINPFALZ-Gespräch ein: „So hart habe ich es mir nicht vorgestellt“. Ein Grundproblem ist der Zeitpunkt, zu dem das Ehepaar aus Kaiserslautern die Traditionswäscherei übernommen hat. Rund 40 Jahre lang hätten die ursprünglichen Eigentümer die Firma profitabel betrieben, doch nicht lange nach der Übernahme machte die Corona-Pandemie den neuen Besitzern einen Strich durch alle Rechnungen: Von einem Tag auf den anderen schlossen Hotels und Gastronomie – wichtige Kunden, die plötzlich komplett fehlten.
Weitere Branchen erschlossen
Brigitte Umla, die frühere Besitzerin der Wäscherei, habe sich auf kleinere Hotels in der Vorderpfalz konzentriert. Weil dieses Geschäft stark saisonal ist, akquirieren die neuen Eigentümer Einrichtungen aus anderen Branchen als Kunden. „Für die nächsten zwei Monate noch haben wir wenig zu tun. Nur unsere Altenheime und einige größere Hotels, Stadthotels, damit überbrücken wir jetzt.“ Die 45 Mitarbeiter beschäftigen sie jedoch übers ganze Jahr. In Hochzeiten gehen etwa elf Tonnen Wäsche in acht Stunden durch die Anlagen. Derzeit seien es fünf Tonnen.
„Es gibt schon viel Negatives, aber man muss auch sagen: Ich komme hier jeden Tag gerne rein“, sagt der 46-Jährige. Das Ehepaar legt viel Wert auf das Team in der Wäscherei. Mitarbeiter aus 16 verschiedenen Nationen arbeiten heute bei Umla, etwa Pakistani, Italiener, Kolumbianer, Türken, Bulgaren, Rumänen, Ukrainer. „Wir sind glücklich mit unseren Mitarbeitern. Das sind gute Leute“.
Mikrochips in der Wäsche
Bei so vielen Sprachen empfindet der Geschäftsführer Künstliche Intelligenz als ein Segen – etwa um Sicherheitsunterweisungen zu übersetzen. „Das macht die KI sehr gut.“ Auch in anderen Bereichen modernisieren die neuen Eigentümer die Großwäscherei. „Als wir hier gestartet sind, war gar nichts digitalisiert“, erzählt Berivan Basyurt-Özecik. Das habe vieles unübersichtlich gemacht. „Das Erste, was wir hier gemacht haben, war, neue PCs zu kaufen und die IT zu verbessern.“
Unter anderem ist ein Teil der Wäsche heute mit winzigen Chips versehen, mit denen sie sich nachverfolgen lässt. Dabei geht es um Bettwäsche und Berufsbekleidung, die der Wäscherei gehören und die sie an Einrichtungen vermietet. Die Mietwäsche wird gescannt, wenn sie die Wäscherei in Waldfischbach-Burgalben erreicht, und auch wenn sie die Anlage verlässt. Die 40-jährige Unternehmerin erzählt von einer Einrichtung, die sich beklagt habe, dass die Wäscherei 200 Kopfkissen zu wenig geschickt hätte. Mittels der Chips ließ sich nachweisen, dass die Sachen nicht in der Anlage in Waldfischbach-Burgalben verloren gingen, sondern sich beim Kunden befinden mussten. Schließlich fand sich die Bettwäsche tatsächlich in einem Kellerraum des Kunden. „Da bietet uns die Digitalisierung einen Vorteil. Wir managen die Logistik heute besser.“
Papier statt Plastik
Gerade bei der Mietwäsche hätten Mitarbeiter früher viel Zeit damit verbracht, saubere Bettwäsche zu zählen, bevor die Ware ausgeliefert wurde. „Heute wird die Wäsche mit Container in eine große Box gerollt, und innerhalb von zwei Sekunden wird gescannt, wie viel Wäsche darin ist“, erklärt der Geschäftsführer. Zudem würden die Touren zu den Kunden durch KI deutlich effizienter geplant.
Das Ehepaar hat Umlas Fuhrpark erneuert, vier Lastwagen und zwei Sprinter fahren nun für die Wäscherei. Elektrofahrzeuge sind noch nicht darunter. Das lohne sich erst später: „Eine Solaranlage spukt schon seit einiger Zeit in unseren Köpfen herum, aber ich habe noch einige andere Ideen, die Vorrang haben“, sagt Özecik. Das Ehepaar legt Wert auf Nachhaltigkeit und hat beispielsweise eine Maschine angeschafft, die eine Papierbanderole um die Wäsche der einzelnen Bewohner der Altenheime bindet. So schaffte man die Tonnen an Plastikfolie ab, die zuvor um die Wäschestapel gewickelt worden waren. Basyurt-Özecik erzählt von dem Dilemma, dass viele Kunden zwar Nachhaltigkeit forderten, aber nicht bereit seien, dafür höhere Preise der Wäscherei zu zahlen.
„Eine Maschine ist eine Maschine“
Und als Russland die Ukraine angriff, „sind die Kosten explodiert“. Berivan Basyurt-Özecik spricht von einer Verdreifachung der Energiepreise für das Unternehmen. Ein weiteres Problem seien Großkonzerne als Konkurrenten: „Die legen Preise vor, da können wir nie im Leben mithalten“, erklärt Özecik.
Vor seiner Selbstständigkeit arbeitete er in der Mannheimer Papierfabrik Essity. Wem dieser Name nichts sagt, bei dem klingelt es vielleicht bei der Markenbezeichnung des Küchenpapiers, an dessen Herstellung Özecik als Teamleiter arbeitete: „Zewa“. Der Kaiserslauterer wollte in die Selbstständigkeit, und ein gemeinsamer Bekannter brachte ihn mit Familie Umla zusammen, die damals ihr Unternehmen verkaufen wollte. „Vielleicht war ich ein bisschen blauäugig. Ich dachte mir, eine Maschine ist eine Maschine, eine Pumpe ist eine Pumpe, ein Motor ist ein Motor. Das kriegen wir schon hin.“ Er lacht. Am Ende habe er sich tief einarbeiten müssen. Trotz des Traums von der Selbstständigkeit: „Dass es so groß wird, hätte ich nicht gedacht“.