Wir über uns Grenzen der Berichterstattung

Auf der L487 zwischen Salzwoog und Ludwigswinkel kam es am 10. September zu dem Unfall, bei dem zwei Menschen starben.
Auf der L487 zwischen Salzwoog und Ludwigswinkel kam es am 10. September zu dem Unfall, bei dem zwei Menschen starben.

Der Unfall am Braunsberg mit zwei Toten vor zwei Wochen beschäftigt die Menschen in der Region. Spekulationen und Behauptungen machen in sozialen Netzwerken die Runde. Offizielle Informationen sind rar.

Der schwere Unfall am Braunsberg zwischen Salzwoog und Ludwigswinkel, bei dem vor zwei Wochen zwei Menschen starben, beschäftigt die Menschen in der Region. Sie wollen wissen, wie es zu dem Unfall kam, wer dafür verantwortlich ist, wer Schuld hat. Wer die Diskussionen verfolgt, die insbesondere bei Facebook geführt werden, erhält den Eindruck, dass der Schuldige feststeht und das Urteil gesprochen ist. In den Kommentaren auf unserer Facebookseite, auf der wir die Artikel über den schrecklichen Unfall verlinken, werden wir dafür kritisiert, dass wir den Schuldigen nicht als solchen benennen, dass wir vom vermutlichen oder mutmaßlichen Verursacher sprechen. „Vermutlicher Unfallverursacher – pffffff ... wenn ich das lese“, „Er war der Raser und Verursacher, nicht der ,mögliche’“, „,Möglicher Verursacher’ So, so“, heißt es dort etwa.

Wir schreiben das so, weil es Regeln gibt, an die wir uns in unserer Berichterstattung halten. Es gibt rechtliche Schranken durch die Persönlichkeitsrechte und es gibt den Pressekodex. Die dort festgehaltenen Grundsätze haben den Charakter einer freiwilligen Selbstverpflichtung. Sie sind seit 50 Jahren die Leitplanken unserer journalistischen Arbeit und sie sind die Grundlage eines seriösen Journalismus, der sich der wahrhaftigen Unterrichtung der Öffentlichkeit verschrieben hat, der sorgfältig recherchiert, der Persönlichkeitsrechte von Betroffenen achtet, der nicht ehrverletzend ist, keine Sensationsberichterstattung betreibt und weder diskriminiert noch vorverurteilt.

An diesen Regeln orientieren wir uns, wenn wir das, was im Internet zu diesem Unfall an Behauptungen kursiert, einzuordnen versuchen. Einiges davon ist nicht wahr und hält einer Überprüfung nicht stand. Weil es entweder nicht von offizieller Seite oder nicht von mehreren Quellen bestätigt wird. Beispiel: Am Mittwoch hat sich die Behauptung, dass der mögliche Unfallverursacher zuvor auf einem Fest gefeiert hatte und betrunken war, als unwahr erwiesen, seit das Ergebnis der Blutprobe bekannt wurde.

Wir kennen die Videos, das vom Beschleunigungsrennen aus dem späteren Unfallwagen, andere von der Bergung. Wir haben die Fotos der beschädigten Autos gesehen. Wir kennen Chatverläufe, die zwischenzeitlich im Netz gepostet wurden. Und wir lesen mit, wenn unsere Artikel auf anderen Seiten geteilt und kommentiert werden.

All das klärt aber nicht die Frage, was an jenem Sonntagnachmittag gegen 17.30 Uhr am Braunsberg passiert ist. Uns treibt genauso um, wie es zu diesem Unfall kommen konnte, was die Ursache war. Womöglich werden wir das erst erfahren, wenn es zum Prozess kommt, wenn der Gutachter vor Gericht aussagt.

Derzeit ist es schwierig, Auskünfte von Polizei und Staatsanwaltschaft zu erhalten. Die Ermittlungen laufen. Der Unfall hat sich außerhalb einer größeren Öffentlichkeit ereignet. In den Unfall waren acht Menschen verwickelt, zwei von ihnen sind tot. Einer steht im Verdacht, den Unfall verursacht zu haben. Fünf Zeugen, inklusive der Beifahrerin des 27-jährigen möglichen Verursachers, gibt es. Mehr nicht. Nur sie wissen, was geschehen ist. Sie werden vor Gericht gehört. Und am Ende urteilt dann das Gericht über den Mann. Nicht die Presse. Und auch nicht die, die gerade im Netz pöbeln, schimpfen und beleidigen. Erst das Gericht spricht ihn schuldig, wenn der Beweis erbracht wurde, dass er für diesen Unfall verantwortlich ist.

Zum Autor

Andreas Danner ist stellvertretender Leiter der „Pirmasenser Rundschau“. Er berichtet über den Landkreis Südwestpfalz.

Andreas Danner
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