Waldfischbach-Burgalben RHEINPFALZ Plus Artikel Geschichtskaffee: Als ein Milchkännchen zwei Mädchen das Leben gerettet hat

Die Ortsmitte von Waldfischbach nach dem verheerenden Bombenangriff vom 5. Dezember 1944. Das Gelände, auf dem sich heute der Kr
Die Ortsmitte von Waldfischbach nach dem verheerenden Bombenangriff vom 5. Dezember 1944. Das Gelände, auf dem sich heute der Kreisel befindet, war damals ein Trümmerfeld. Das Modehaus Schaaf (links im Bild), das damals schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde, ist heute noch geöffnet.

Der zweite Weltkrieg und die Folgen für den Ort waren Thema beim ersten Geschichtskaffee in Waldfischbach-Burgalben. Das vollbesetzte Museum zeigte: Das Konzept kommt an.

„So etwas begleitet einen durch das ganze Leben“, sagt Werner Bennewart. Er ist nicht nur Zeitzeuge, sondern direkt Betroffener des verheerenden Bombenangriffs auf die damals noch eigenständigen Orte Waldfischbach und Burgalben, kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges. Nun ist er einer der vielen Besucher beim ersten Geschichtskaffee, zu dem der Verein für Geschichte und Kultur der Heimat in Waldfischbach-Burgalben ins Heimatmuseum eingeladen hat.

Offensichtlich ist: Das Kriegsende vor 80 Jahren beschäftigt die Menschen. Die Fotos, Schriften und Tondokumente, die der Verein besitzt – vor Jahren wurde bereits ein Gespräch mit Zeitzeugen aufgezeichnet – belegen es: Das damalige Geschehen hat tiefe Spuren und teils bis heute nicht verheilte Wunden bei den Menschen im Ort hinterlassen. Das beweisen auch die eindrücklichen Berichte der Zeitzeugen – neben Werner Bennewart beispielsweise auch Hannelore Küntzler und Gertrud Orth –, die als Kinder die Bombenangriffe miterlebt und in einem Fall auch Familienangehörige verloren haben.

Heftige Explosion unterbricht Alltag der Menschen

Zum Einstieg erinnert der Vorsitzende des Vereins, Andreas Peiser, die Zuhörer daran, dass nach der Krieg in beiden Gemeinden etwa 360 Menschen das Leben gekostet hat, darunter auch Kinder. Im Museum sind allein vier Ordner mit Bilder der Gefallenen aus Waldfischbach und Burgalben gefüllt. Einschneidendes Erlebnis war laut Peiser der Bombenangriff am 5. Dezember 1944, den er zunächst ins Kriegsgeschehen insgesamt einordnete. Ein deutscher Trupp – bestehend aus Lastwagen, Panzern und weiteren Militärfahrzeugen – sei damals durch die Hauptstraße in Richtung Kaiserslautern gefahren. Der Tross wurde bombardiert; getroffen wurde aber nicht nur militärische Infrastruktur, „die Bomben schlugen mitten im Ortskern ein“, berichtet Peiser. Der Alltag der Menschen wurde durch eine heftige Explosion unterbrochen. Die Druckwelle raste durch den Ort, deckte Dächer ab, beschädigte Mauern, ließ Fenster splittern und verletzte beziehungsweise tötete Menschen.

Bilder belegen das Ausmaß des Bombenangriffs. 15 Menschen aus dem Ort starben, darunter auch Kinder. Zudem – die genaue Opferzahl war nie zu ermitteln – verloren fünf bis acht Wehrmachtsoldaten ihr Leben. Perfide: Die Trauerfeier für die Opfer nutzten die Nationalsozialisten für einen Propagandaakt in der ehemaligen Schuhfabrik, die heute das Bürgerhaus in Waldfischbach-Burgalben ist. Obwohl sich längst abzeichnete, dass der Krieg verloren war, verbreiteten die Nazis Durchhalteparolen.

Die Bombe schlug ein, wo Mädchen gewesen wären

Hannelore Küntzler kann sich an den 5. Dezember noch gut erinnern. Sie sei auf dem Weg zum Zahnarzt gewesen, hatte eine Freundin abgeholt. Deren Mutter bat sie, auf dem Rückweg Milch mitzubringen. Die beiden Mädchen seien bereits auf dem Weg gewesen, als ihnen auffiel, dass „wir das Milchkännchen vergessen hatten“, schildert Küntzler. Sie gingen zurück, holten das Kännchen und machten sich wieder auf den Weg – die Bombe schlug dort ein, wo sie gewesen wären, wenn sie nicht noch mal umgedreht hätten. „Das Milchkännchen hat mir das Leben gerettet“, sagt Küntzler.

„Für mich war es ein einschneidendes Erlebnis“, sagt Werner Bennewart über jenen Tag. Bereits 1943 war sein Vater in Russland gefallen. Bei dem Bombenangriff auf Waldfischbach-Burgalben verloren seine Mutter und seine Schwester ihr Leben. Sein Bruder und er wuchsen anschließend bei Verwandten auf. Eingebrannt habe sich bei ihm der Moment, als man den damals Sechsjährigen und seinen drei Jahre älteren Bruder auf die Couch setzte und ihnen schonend beizubringen versuchte, dass Mutter und Schwester tot waren. Schaue er sich die aktuelle Weltlage an, dann kämen die Erinnerungen wieder hoch. „Man weiß, dass jeder Toter ein Schicksal ist, das das Leben von vielen Menschen beeinflusst“, mahnt er. Das unterstreicht Hannelore Däuber: „Das muss eine Mahnung für alle Menschen sein, die Kriege zu beenden und endlich friedlich miteinander zu leben.“

Erbensuppe mit Glassplittern

Die Bombe vom 5. Dezember war nicht die einzige, die auf Waldfischbach-Burgalben fiel. Gertrud Orth erinnert an das Exemplar, das im Februar 1945 abgeworfen wurde – im Garten ihres Elternhauses war der Bombentrichter. An diesen Abwurf kann sich auch Fritz Grün noch erinnern. Die Oma habe gerade Erbsensuppe gekocht, dann gab es Fliegeralarm. Als sie aus den Bunkern und Kellern zurückkamen, „waren lauter Glassplitter in der Erbsensuppe“, beschreibt er das Bild, das sich bei ihm manifestiert hat.

Günther Cappel, der die Kriegsereignisse in beiden Dörfern unter anderem im 800-Jahr-Buch von Waldfischbach festgehalten hat, las im Geschichtskaffee unter anderem aus den Erinnerungen des damals im Ort tätigen Pfarrers Ludwig Biehl. Dies machte wie die Schilderungen der Zeitzeugen deutlich: Krieg ist keine abstrakte, weit entfernte Sache, sondern kann jeden betreffen – auch in vergleichsweise kleinen Orten wie Waldfischbach-Burgalben.

Info

Schriften und Bilder zu den Ereignissen im Zweiten Weltkrieg in Waldfischbach-Burgalben können im Heimatmuseum in der Hauptstraße donnerstags von 17 bis 19 Uhr oder nach Terminabsprache eingesehen werden. Weitere Infos: www.heimatmuseum-wb.de.

Trauerfeier für die zivilen Opfer des Bombenangriffs im Dezember 1944 in Waldfischbach. Die Nationalsozialisten machten aus der
Trauerfeier für die zivilen Opfer des Bombenangriffs im Dezember 1944 in Waldfischbach. Die Nationalsozialisten machten aus der Trauerfeier im heutigen Bürgerhaus eine Propagandaveranstaltung.
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