Winterbach
Geplanter Solarpark: Landwirt fürchtet um seine Existenz
Schon sein Vater war Bauer, erzählt der Winterbacher Andreas Blinn der RHEINPFALZ. Nun hat der Vollzeit-Landwirt Angst um seine Existenz. Grund ist der geplante Solarpark beim Herrenwalder Hof oberhalb der Gemeinde. 28 Hektar, so wurde es in der jüngsten Gemeinderatssitzung besprochen, soll der Solarpark groß werden. „Von diesen 28 Hektar habe ich derzeit 15 Hektar gepachtet“, sagt Blinn.
Die Flächen gehörten mehreren Eigentümern, seien gutes Ackerland. Wird der Solarpark gebaut, dann fallen genau diese Flächen weg, sagt Blinn. „Und weniger Fläche heißt weniger Vieh.“ Blinn sagt, dass er ohne die Ackerfläche rund ein Drittel seines Viehbestandes abtreten muss, womöglich sogar seine gesamte Milchproduktion einstellen muss. „Dann wäre ich finanziell unterm Existenzminimum.“ Besonders ärgert es Blinn, dass weder Bürgermeister noch Ratsmitglieder mit ihm über den Sachverhalt gesprochen hätten. „Der Herr Weizel ist seit Tagen nicht zu erreichen“, sagt Blinn über Winterbachs Dorfchef Andreas Weizel. Mögliche Alternativflächen für seinen Ackerbau, sollte der Solarpark wirklich gebaut werden, kennt Blinn derzeit nicht. „Es gibt doch für solch Parks genügend andere Flächen“, sagt er und findet, dass die Photovoltaikfirmen sich nicht auf landwirtschaftlichen Flächen ausbreiten sollten. Blinn hatte eigentlich geplant, kräftig in seinen Hof zu investieren. „Das ist vorerst auf Eis gelegt“.
Bürgermeister Weizel: „Geld regiert nun mal die Welt“
Winterbachs Bürgermeister Andreas Weizel sagt, dass Blinn lediglich sechs Hektar Land verlieren wird. „Das Land gehört ihm aber nicht, er hat es nur gepachtet. Und die Eigentümer der Grundstücke sind es, die den Solarpark vorantreiben“, erklärt der Dorf-Chef. Dass die Situation für den Landwirten schlecht ist, könne Weizel nachvollziehen. „Aber was soll ich da sagen?“ Blinn habe zwei Jahre Zeit, eine Ersatzfläche zu suchen. „So ist das nun mal in der freien Marktwirtschaft. Geld regiert nun mal die Welt“, sagt Weizel.
Für Winterbach wäre der Solarpark ein dickes finanzielles Zubrot. Wenn die Anlage sich tatsächlich auf 28 Hektar erstreckt, dann sollen künftig pro Jahr rund 56.000 Euro in die Gemeindekasse fließen. „Das ist für die nächsten 30 Jahre ein finanzielles Zusatzbein für unser Dorf.“ Weizel bestätigt, dass der Gemeinderat durchaus ein Mitspracherecht beim Bau des Solarparks hat. Allerdings würden noch zahlreiche andere Stellen darüber entscheiden, Weizel nennt allen voran die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd und die Landwirtschaftskammer.
Bauvorhaben steht noch ganz am Anfang
Weizel zufolge sei Blinn mehrfach auf den Solarpark angesprochen worden, zu Ratssitzungen sei der Landwirt nicht erschienen. „Wenn mir die Existenz wegbrechen könnte, dann würde ich doch mal antanzen“, hat der Bürgermeister nur wenig Verständnis. Zudem verweist Weizel darauf, dass das Vorgehen bei Neubaugebieten in der Vergangenheit ähnlich war. Auch hier wurden zuvor anders genutzte Flächen umgewandelt.
Bislang steht das Bauvorhaben noch am Anfang. Ob der Park tatsächlich in der angestrebten Dimension gebaut wird, ist offen. Die Firma werde ihre Planung und das Genehmigungsverfahren mit den Behörden selbst abwickeln. Ein Vertreter der Solarpark-Firma Anumar aus Ingolstadt sagte im Gemeinderat, dass in etwa einem Jahr Baurecht vorliegen soll und die Anlage vor Ablauf von zwei Jahren in Betrieb gehen könne. Die Solarfirma Anumar war bislang nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.