Hermersberg
Gemeinde sucht Lösung für Folgen von Starkregen
60 Millimeter Regen pro Quadratmeter fielen in der Viertelstunde in Hermersberg. Das hatte Bürgermeister Erich Sommer (CDU) gemessen. Und diese Menge, verdeutlichte Jochen Könnel von den Verbandsgemeindewerken Waldfischbach-Burgalben, „entspricht statistisch einem 50- bis 100-jährigen Regenereignis. Das war extremer Regen“. Das führte, wie sich bei der Ratssitzung am Mittwoch zeigte, zu Seenlandschaft in weiten Teilen Hermersbergs. Unter anderem in der Goethe- und Mozartstraße, aber auch in der Schulstraße stand Wasser.
Es wäre wichtig, sagte Könnel, wenn sich Betroffene im Schadensfall bei der VG melden würden. „Sonst wissen wir nichts davon“, sagte er. Verbandsbürgermeister Lothar Weber (SPD) unterstrich das: „Wasser im Haus zu haben, ist schlimm. Aber wir müssen wissen, was wo ist, müssen uns ein Bild machen können, damit wir Lösungen finden und das in die zukünftige Planung einbeziehen können“, sagte er. Mit den betroffenen Grundstückseigentümern sollen die aufgetretenen Probleme besprochen werden.
Kanal kann Regenmassen nicht aufnehmen
Es gebe mehrere Dinge, die beachtet werden müssten, sagte Könnel. Zum einen sei in der Satzung der Verbandsgemeinde festgehalten, dass in jedem Haus – auch in alten Häusern – eine Rückschlagklappe verbaut sein müsse. Das sei nicht überall der Fall. Die Klappe verhindert aber nur, dass sich Wasser aus dem Kanal hochdrückt. Das große Problem der vergangenen Jahre, auch beim Regenereignis im Juni, war Oberflächenwasser, also das Regenwasser, das nicht versickert ist. Der Kanal konnte die Regenmassen nicht fassen.
Dazu tragen verschiedene Faktoren bei. Gerade in älteren Ortsgebieten seien Mischkanäle verlegt, in die Regen- und Abwasser gemeinsam einlaufen. Entsprechend der früheren Richtlinien seien diese meist auf einjährige Regenereignisse ausgelegt. Das wären Niederschläge, bei denen pro Viertelstunde elf Millimeter Regen fallen. Mittlerweile gehe man bei der Dimensionierung von Kanälen von sogenannten fünfjährigen Regenereignissen aus, also von 17,8 Millimeter Niederschlag pro 15 Minuten. Daran sehe man aber auch, dass der Starkregen im Juni extrem gewesen sei. Auf so ein Regenereignis könne man ein Kanalsystem nicht auslegen, sagte Könnel. Das wäre zum einen nicht bezahlbar, „und es wäre nahezu unmöglich, so ein System richtig und regelmäßig zu spülen“, sagte der Beigeordnete Dirk Palm (CDU).
Rätsel geben die Wassermassen auf Grundstücken in der neu ausgebauten Schulstraße auf. Denn dort wurden im Zuge der Baumaßnahmen Probleme entschärft, wurde hydraulisch neu berechnet. „Die Schulstraße ist im grünen Bereich“, sagte Könnel zu dem bislang unerklärlichen Phänomen.
Grundstücksflächen wieder entsiegeln
Kanäle werden immer im Zuge von Straßenausbauten erneuert. Dies könne also keine schnelle Lösung sein. Auch getrennte Kanalsysteme bergen ihre Tücken, wenn Bürger beispielsweise schmutziges Putzwasser oder Wasser vom Auto waschen in den Regenwasserkanal entsorgen. „Alle sind umweltbewusst, aber es muss jedem klar sein, dass dieses Wasser nicht gereinigt wird, nicht über die Kläranlage läuft“, sagte Könnel. Dass bei Kanalsanierungsarbeiten schon entsorgter Beton gefunden wurde, mache die Sache nicht besser.
Lösungen müssen auch in Eigenregie erfolgen. Das Wasser von den Dachflächen sollte – falls möglich – auf unbefestigte Grundstücksflächen geleitet werden. „Das hat bei uns funktioniert“, sagte Jochen Könnel (SPD). Auf vielen Grundstücken seien zu viele Flächen befestigt, Wasser könne nicht ablaufen. Rechtlich müsse auf jedem Grundstück eine Fläche von 40 Prozent unversiegelt bleiben, und jeder sei verpflichtet, Oberflächenwasser auf seinem Grundstück zu entsorgen, erläuterte Könnel. Niemand wolle etwas sanktionieren, aber man müsse sich das bewusst machen und darüber nachdenken, manche Fläche wieder zu entsiegeln.
Klimawandel forciert Starkregen
Der Klimawandel forciere diese Starkregenereignisse, die auch außerhalb der Ortsbebauung für Probleme sorgen. Wenn der Boden austrockne und es zu heftigen Regenfällen komme, schieße das Wasser einfach über die landwirtschaftlichen Böden. In Höheinöd habe man dieses Problem auch, sagte Weber. Das führt zu Schäden an Wirtschaftswegen. Durch das Anlegen von Dämmen sei es reduziert worden. Ganz beseitigen lasse es sich nicht.