Kreis Südwestpfalz „Geld verdienen kann man damit nicht“

Ein vertrautes Bild in Großsteinhausen: Augustinus Mayer (rechts) lenkt seine beiden Pfalz-Ardenner in die Fuhrhalterei in der H
Ein vertrautes Bild in Großsteinhausen: Augustinus Mayer (rechts) lenkt seine beiden Pfalz-Ardenner in die Fuhrhalterei in der Hauptstraße. Dort werden unter anderem Kutschfahrer ausgebildet.

Wer durch Zweibrücken fährt, dem begegnet ab und zu ein großer Planwagen, der von zwei Pferden gezogen wird. Die Großsteinhauser haben sich an den Anblick von Pferdekutschen in der Hauptstraße schon gewöhnt. Denn dort ist die Fuhrhalterei Dinger zu Hause. Als erster Betrieb in Rheinland-Pfalz bietet sie Ausbildungen für die neuen Kutschführerscheine an.

Weil sie für die Stadt Zweibrücken die Planwagenfahrten für die kulinarischen Stadtführungen übernommen hatte, gründete Esther Dinger im Jahr 2011 die Fuhrhalterei als Gewerbe. „Früher waren es einmal 32 Fahrten für die Stadt pro Jahr, heute sind es noch sieben“, erinnert sich Esther Dinger an die Entwicklung. Warum die Fahrten so eingeschränkt wurden, wisse sie nicht, sagt sie schulterzuckend. Die Stadtrundfahrten sind nicht die einzigen Publikumsfahrten, die die Fuhrhalterei anbietet. Es gibt kleinere und größere Touren, die Interessenten buchen können. Im vergangenen Jahr steuerte der große Planwagen der Fuhrhalterei, auf dem 16 Personen mitfahren können, das Webenheimer Bauernfest an. 90 Minuten dauerte die Hinfahrt von Zweibrücken aus, eine Stunde konnten sich die Mitfahrer auf dem Fest vergnügen, dann ging es wieder 90 Minuten zurück. Fahrten zur Etzenbacher Mühle, in die Fasanerie oder nach Contwig wurden bereits angeboten, auch an Vatertag kutschierte die Fuhrhalterei Feiernde durch die Natur. Rückläufig seien die Hochzeitsfahrten, bemerkt Dinger. An ihrem Standort in Großsteinhausen, wo Dinger einen alten Bauernhof zum Schulungs- und Trainingszentrum umgebaut und mit vielen liebevollen Details versehen hat, bietet die Fuhrhalterei ein vielfältiges Ausbildungsprogramm an. Es reicht vom Basispass Pferdekunde – der Grundlage für alle weiteren Ausbildungen – über Longier- und Fahrabzeichen bis zu den erst 2017 eingeführten Kutschführerscheinen. „Bei der Einführung der Kutschführerscheine stand vor allem die Sicherheit im Mittelpunkt“, sagt Kutschfahrer-Urgestein Augustinus Mayer. 42 Jahre lang arbeitete er im Zweibrücker Landgestüt, unzählige Kutschfahrer haben bei ihm das Kutschen- und Pferde-ABC gelernt. Mayer bildet als von der Reiterlichen Vereinigung (FN) zertifizierter Fahrlehrer bei der Fuhrhalterei Dinger den Kutschfahrernachwuchs aus. Anfragen nach den Ausbildungen kommen von weit über die Grenzen der Region hinaus. Platz für die Ausbildung gibt es hinter dem Anwesen ausreichend. Es steht ein 3,5 Hektar großer Fahrplatz zur Verfügung, auf dem auch Holzrückelehrgänge gehalten werden und auf dem „vielleicht mal ein schönes Turnier“ stattfinden soll, so Dinger. Auch wenn das Geschäft nicht einträglich ist, verfolgen Dinger und Mayer noch ein anderes Ziel mit ihren Ausbildungen. „Wir hoffen, dass der eine oder andere, den man ausbildet, hier bleibt“, sagt Mayer mit Blick auf den Fahrsport und den Verein Fahrsport Westpfalz, dessen Vorsitzender er ist. „Wenn man nicht ausbildet, hat man keine neuen Leute für den Verein“, ergänzt er. Denn um den Fahrsport ist es nicht gerade rosig bestellt. „Die Zahl der Kutschen ist rückläufig, es gibt weniger Turniere und Fahrer“, erzählt Mayer. „Der Fahr-Leistungssport hat seine Grenzen erreicht und ist fast nur noch Betuchten möglich“, ergänzt er. Kutschfahrer ziehe es heute eher in den Breitensport oder in den Bereich der Wanderfahrten. Info Ende September beginnen die nächsten Longier- und Führerschein-Kurse in Großsteinhausen. Infos im Internet unter fuhrhalterei-dinger.de oder unter Telefon 01520/2518611 .

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