Schwanheim RHEINPFALZ Plus Artikel Fritz Schwarzmüller für kommunales Engagement geehrt

Fritz Schwarzmüller mit der Urkunde der Ministerpräsidentin am Dorfbrunnen in der Schwanheimer Ortsmitte.
Fritz Schwarzmüller mit der Urkunde der Ministerpräsidentin am Dorfbrunnen in der Schwanheimer Ortsmitte.

Er war und ist seit 40 Jahren in der Kommunalpolitik tätig, seit 15 Jahren schlichtet er außerdem als ehrenamtlicher Schiedsmann in der Verbandsgemeinde Hauenstein Streitigkeiten. Nun wurde Fritz Schwarzmüller für sein Engagement ausgezeichnet.

Wenn man das Prädikat des „politischen Urgesteins“ auf eine langgediente Person übertragen will, landet man bei dem früheren Schwanheimer Ortsbürgermeister Fritz Schwarzmüller einen echten Treffer. Der 78-Jährige wurde jetzt sowohl von der Ministerpräsidentin Malu Dreyer als auch vom rheinland-pfälzischen Justizstaatssekretär Philipp Fernis für 25-jährige ununterbrochene Bürgermeistertätigkeit im Wasgaudorf Schwanheim, insbesondere aber auch für seine anschließende und andauernde 15-jährige Schiedsmannstätigkeit in der Verbandsgemeinde Hauenstein ausgezeichnet. Die Direktorin des Amtsgerichts Pirmasens, Sabine Schmidt-Wilhelm, überreichte Schwarzmüller kürzlich die Urkunde für seine insgesamt 40-jährige kommunale Tätigkeit. Diese ist übrigens auch auf politischer Ebene nicht beendet, denn Schwarzmüller ist weiterhin Mitglied im Ortsgemeinderat Schwanheim.

Brücken schlagen zwischen den Orten

Fritz Schwarzmüller gehört noch zu der Gründergeneration der Verbandsgemeinde Hauenstein, die anfangs der 70-er Jahre die „schwierige Geburt“ dieser Gebietskörperschaft mit der „Auskreisung“ von sechs Gemeinden aus dem damaligen südpfälzischen Kreis Bergzabern in den damaligen Landkreis Pirmasens zu bewältigen hatten. Es sind nun fast 50 Jahre her, dass Schwarzmüller als einer der politischen Protagonisten immer wieder Brücken zwischen den Gemeinden im Luger Tal und dem Zentralort Hauenstein geschlagen hat und sich auch immer noch zu Wort meldet, wenn Not am Mann ist. Seitdem ist die Verbandsgemeinde Hauenstein fest zusammengewachsen. „Ich bin auch heute noch der Überzeugung, dass die Verbandsgemeinde erhalten werden muss“, betont Schwarzmüller, der für die CDU bis zur letzten Wahlperiode von Anfang an im Verbandsgemeinderat saß und auch jahrzehntelang im Kreistag.

Den Streit mit einem Kompromiss beenden

Diese Ausgleichsfunktion und seine Überzeugung, dass man politischen und persönlichen Streitereien am besten mit der Suche nach einem Kompromiss aus dem Weg gehen könne, haben Schwarzmüller auch dazu bewogen, vor 15 Jahren das Amt des Schiedsmannes in der Nachfolge des verstorbenen Friedbert Keller (Hauenstein) zu übernehmen.

Schiedsmänner und -frauen, die es in allen Verbandsgemeinden gibt, helfen, auf gütlichem Weg Streitigkeiten beizulegen. Tätig werden können sie zum Beispiel bei Nachbarschaftsstreitigkeiten, aber auch bei manchen Straftaten wie etwa Beleidigung. Damit sollen letztlich Gerichte entlastet werden.

„Ich habe es nie bereut und mache es noch eine Zeitlang weiter, wenn ich einigermaßen gesund bleibe“, stellt Schwarzmüller heute fest. „Ich mach’ das ganz nah an den Leuten im Rahmen des versöhnlichen Ausgleichsgesprächs und bin meistens mit ihnen vor Ort, bevor wir uns im Hauensteiner Rathaus treffen“, beschreibt er seine Tätigkeit. Man müsse dieses nicht leichte Amt mögen – „unn midd de Leid redde“. Der Erfolg gibt ihm recht, wie er berichtet: „Rund 90 Prozent aller zu schlichtenden Streitfälle wurden im vorgerichtlichen Verfahren erledigt, und manche Leute, die sich jahrelang wegen überwachsender Hecken oder Sträucher bis zur schweren Nachbarschaftsfeindschaft verkracht hatten, gaben sich nach der Einigung wieder die Hand.“

Es geht auch ohne Gericht

Man könne sich eigentlich nicht vorstellen, wie aus nichtigen Anlässen ganze Familien entzweit werden, blickt Schwarzmüller auf die häufigste Ursache seiner jährlich etwa zehn Sitzungen zurück. „Aus oft kleinen Nichtigkeiten werden manchmal unüberbrückbare Barrieren, die dann vor den Kadi gehen, unnötig Geld kosten.“ Einmal habe ihm sogar ein Anwalt einen Tag vor dem Einigungstermin mitgeteilt, er solle den gütlichen Termin erst gar nicht wahrnehmen, er erledige das selbst vor Gericht. „Dem habe ich es aber gezeigt, und wir einigten uns ohne Anwalts- und Gerichtskosten nach einer halben Stunde.“

Ortstermin mit Polizeischutz

Und der skurrilste Fall? – Fritz Schwarzmüller erinnert sich gleich und nicht ohne ein Lächeln im Mundwinkel. Das sei im Wald in der Nähe des Hauensteiner Paddelweihers gewesen. Ein Pirmasenser Waldbesitzer hatte irrtümlicherweise beim Holzmachen einige Ster „beim Nachbarn geerntet“. Bevor es vor Gericht ging, versuchte man es nochmals über den Schiedsmann. Beim Ortstermin habe er aber nicht nur die beiden Waldnachbarn angetroffen, sondern auch die Dahner Polizei. Die hatte vorsichtshalber der Pirmasenser bestellt, weil er Angst hatte, dass es im Wald zu Handgreiflichkeiten kommen könnte. „Aber auch diese Sache war nach einer halben Stunde gütlich geregelt und die Schadensregulierung mit dem Förster besprochen.“

Im Augenblick habe er sogar zwischen einem Grundstücksbesitzer und der Ortsgemeinde Darstein zu vermitteln. Da gehe es um einen Hangrutsch, und die Gemeinde fühle sich nicht zuständig. „Ich bin aber zuversichtlich, dass wir das auch außergerichtlich noch hinkriegen“, meint „de Schwanner Fritz“, wie er in der ganzen Verbandsgemeinde bekannt ist.

Vieles wäre über ihn noch zu berichten. Vor allem auch, dass er ein erfolgreicher Geschäftsmann und Geschäftsführer des Familienbetriebes Schwarzmüller–Bau war. Diese Verantwortung hat er längst an den Sohn Hans übertragen, der das Unternehmen auf Erfolgskurs hält. Oder aber auch über einen anderen Rekord: „De Schwanner Fritz“, ein begnadeter Fußballer seit Kindheitstagen, ist in diesem Jahr genau 50 Jahre lang erster Vorsitzender des traditionsreichen ASV Schwanheim.

x