Mittwochsinterview
Friedhof hält Erinnerungen wach
Sie haben sich mit Ihrem Betrieb auf die Grabmalherstellung spezialisiert. Warum?
Weil das meiner Neigung zum Gestalten entgegenkommt. Nahezu alle Grabmale, die wir erstellen, sind individuell gefertigt.
Wo sind Sie denn überall tätig?
Unsere Grabmale stehen auf vielen Friedhöfen. Im Schwerpunkt in der Westpfalz, aber wir haben dieses Jahr zum Beispiel Grabmale gestaltet für Kunden in Wolfenbüttel, Freiburg, Selters und Mainz. Die Menschen sehen meist auf den Friedhöfen, was wir gestaltet haben. Das ist für uns sicher die wichtigste Werbung.
Unterliegen Grabsteine einem Wandel in der Gestaltung?
Natürlich. Einen großen Wandel brachten die Urnenbestattungen. Allein schon bei der Größe. Aktuell sind Grabmale im Farbbereich anthrazit sehr nachgefragt. Dunkle Farben waren vor 20 Jahren out. Ende der 1990er-Jahre habe ich mal eine Anlage in tiefem Schwarz gestaltet. Die ist heute top-modern. Viele haben damals die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Lange waren bunte, gebänderte Grabsteine modern. (Gebändert bedeutet, dass die Oberfläche waagrechte Streifen ausweist, die Red.).
Gibt es Veränderungen bei den verwendeten Materialien?
Aktuell wird viel mit Edelstahl- und Glaskombinationen gearbeitet. Das gab es früher nicht. Bronze hingegen kommt immer seltener zum Einsatz. Nicht nur weil es oft gestohlen wird, da es wertvoll ist. Der heimische Sandstein ist nach wie vor sehr gefragt. Den gibt es gelb, rot oder weiß gebändert. Akzeptiert man, wie sich der Sandstein auf natürliche Weise verändert, ist er der pflegeleichteste Stein.
Pflege ist ein gutes Stichwort. Sie trägt viel zum Wandel der Friedhofsgestaltung bei?
Absolut. Das merken wir in vielen Gesprächen. Meist geht es um die Pflege der Grabstelle. Man will den Kindern so wenig Arbeit wie möglich hinterlassen. Früher war die Erdbestattung selbstverständlich. Statt Doppelgräbern wurden dann Tiefgräber nachgefragt. Es folgten die Urnengräbern. Dass die Toten verbrannt werden, hat bei uns keinen kulturellen Hintergrund. Da hat die Grabpflege eine Rolle gespielt, weil ein Urnengrab kleiner ist. Das war praktischer. Mittlerweile gibt es Rasenurnengräber, Baumbestattungen und zunehmend Rasenerdgräber. Die ermöglichen eine Erdbestattung, also den Verzicht aufs Verbrennen, in Kombination mit einer pflegeleichten Grabstelle.
Praktisch betrachtet könnte angesichts steigender Gaspreise, die das Verbrennen teuer machen, das Erdrasengrab an Bedeutung gewinnen?
Nicht nur wegen der Kosten, auch weil viele sich nicht unbedingt verbrennen lassen wollen. Auf Friedhöfen, auf denen es diese Bestattungsform schon länger gibt, ist sie sehr gefragt. Dabei gilt aber einiges zu beachten, wenn ein solches Feld gestaltet wird. Auf ein Erdrasengrab eine Platte zu legen wie auf ein Rasenurnengrab ist schwierig, weil die Gefahr groß ist, dass die Erde dort absackt. Gedenksteine, zwischen denen problemlos gemäht werden kann, haben sich als praktikabler erwiesen. Bei allem Wandel in der Friedhofskultur bleibt eines erhalten: Die meisten Angehörigen brauchen einen Platz zum Trauern, zum Gedenken. Das unterschätzen viele.
Wie zeigt sich das?
Zum Beispiel daran, dass viele Angehörige irgendwann bedauern, jemanden in einem Ruheforst beerdigt zu haben. Weil die Grabstelle im Wald nicht mehr gefunden wird. Oder daran, dass auf Rasenurnengräbern Kerzen oder Blumen gestellt werden, obwohl das meist verboten ist. Gedenkplätze sind wichtig. Gärtnerisch gestaltete Grabfelder bringen hier viele Vorteile.
Was ist für Sie ein wichtiger Punkt der Friedhofskultur?
Für mich ist es ein großes Anliegen die gemeindlichen Friedhöfe zu stärken. Die Dorfgemeinschaft findet sich auch auf dem Friedhof wieder, hält Erinnerungen wach.
Wie sähe für Sie die ideale Friedhofskultur aus?
Mein Wunsch wäre, dass sich jeder Mensch so bestatten lassen kann, wie er das möchte. Niemand sagt, das geht nicht, das steht nicht in der Satzung. Wichtig wäre mir, dass zu jeder Zeit Beerdigungen möglich sind, zum Beispiel auch abends. Damit sich alle, die das wollen, verabschieden können.
Wie sieht es mit Nachwuchs im Steinmetzhandwerk aus?
Wie überall im Handwerk, eher schlecht. Was ich bedauere. Der Beruf bringt viel Erfüllung. Man sieht immer, was man geschaffen hat. Aktuell gibt es eine Kampagne zur Nachwuchswerbung unter dem Titel „Stein macht stolz“, um junge Menschen für den Beruf des Steinmetzes und des Steinbildhauers zu begeistern. Die Ausbildung dauert drei Jahre, ist sehr vielfältig. Ein Steinmetz kann vieles machen. Von Böden über Treppen und Restaurationen bis zur Grabmalherstellung. Das spiegelt sich alles in der Ausbildung wider. Um die Ausbildung attraktiver zu gestalten, wurde auch die Ausbildungsvergütung angehoben.
Ist der Beruf für Frauen geeignet?
Natürlich, unbedingt. In diesem Beruf ist viel Kreativität gefragt. Was die Kraft anbelangt, vollzieht sich schon lange ein Wandel. Maschinen übernehmen die kräftezehrenden Arbeiten. Auch Robotertechnik kommt in großen Betrieben zunehmend zum Einsatz.