Rodalben / Thaleischweiler-Fröschen
Freibad Biebermühle: Gutachter rät von Sanierung ab und wirft weitere Fragen auf
„Das Freibad ist ,fertig’. Der Zustand lässt einen Weiterbetrieb schon rechtlich nicht zu.“ Das ist das ernüchternde Fazit des Gutachtens zum Zustand des Freibads auf der Biebermühle. Architekt Michael Gruner hatte das fast 100 Jahre alte Freibad im Herbst 2025 untersucht, die Ergebnisse seiner Bestandsaufnahme liegen den Mitgliedern des Rodalber Verbandsgemeinderates seit Dezember vor. Gruner hält nicht nur eine Sanierung für unmöglich, er rät auch von einem Neubau ab. „Für einen kompletten Neubau fehlen die nötigen Besucher“, schreibt er.
Zuletzt besuchten jährlich weniger als 10.000 Gäste das Schwimmbad Biebermühle. Ihnen stand eine Wasserfläche von 985 Quadratmetern zur Verfügung, das sei deutlich überdimensioniert, bemerkt der Architekt. „Berücksichtigt man die derzeit nur 10.000 Jahresbesucher, muss klar zum Ausdruck gebracht werden, dass für so wenige Badegäste eine Wasserfläche von 250 Quadratmetern schon ausreichen sollte, was unrealistisch ist“, erläutert Gruber und verweist auf die von ihm betreuten Schwimmbäder: „Unser kleinstes Freibad mit nur 485 Quadratmetern Wasserfläche aus dem Jahr 2004 erzielt noch heute bis zu 30.000 Jahresbesucher.“
Sanierung für 2,6 Millionen Euro angemeldet
Seit Januar ist Peter Spitzer (SPD) Bürgermeister der Verbandsgemeinde Rodalben. In der Sitzung des Hauptausschusses der Verbandsgemeinde am Donnerstag, 5. Februar (19 Uhr, Sitzungssaal im Rathaus), wird er über den aktuellen Stand informieren. Der Verbandsgemeinderat war im Dezember einstimmig dem Antrag der CDU-Fraktion gefolgt, für die Sanierung des Bades Fördermittel aus dem Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ zu beantragen. Der Bund hat für dieses Programm 333 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Bis zum Anmeldeschluss Mitte Januar wurde das Programm deutlich überzeichnet, es gingen Anträge in einem Gesamtvolumen von 7,9 Milliarden Euro ein.
„Wir haben den Antrag fristgerecht gestellt und eine Planskizze eingereicht, die 2016 schon einmal im Verbandsgemeinderat besprochen wurde“, sagte Spitzer. In diesem war vorgesehen, das Kinder- und Planschbecken zu erneuern und das 50-Meter-Becken zu verkleinern. Das Sprungbecken mit dem Turm soll es nicht mehr geben. Im eingereichten Projektblatt sind die Kosten für die Sanierung mit 2,6 Millionen Euro angegeben, dafür beantragt die Verbandsgemeinde eine Förderung über 1,2 Millionen Euro.
Bürgermeister fühlt sich „ernüchtert“
Laut Gutachten lässt der bauliche Zustand des Bades einen Betrieb nicht mehr zu. „Ich war mir in meinem Wahlkampf sicher, dass wird das Bad hätten weiter betreiben können“, sagt Spitzer. „Aber nach dem Ergebnis des Gutachtens bin ich ernüchtert“, ergänzt er. Zumal in dem Gutachten weitere Fragen aufgeworfen worden seien, die abgeklärt werden müssen, bevor weitere Schritte zu einer Sanierung unternommen werden können.
Bislang werden Teile des Beckenwassers in den Schwarzbach eingeleitet. Aus alten Unterlagen gehe hervor, dass das wohl geduldet wurde, eine Einleitungsgenehmigung liege aber nicht vor, erklärt Spitzer. Deshalb habe die Verbandsgemeinde bei den Wasserbehörden der Kreisverwaltung und der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd nachgefragt, ob eine entsprechende Genehmigung besteht oder ob eine solche beantragt werden könne. „Wir brauchen hier Rechtssicherheit“, betont Spitzer. Sollte eine Einleitung nicht mehr möglich sein, müsse geklärt werden, „wo wir das Beckenwasser hinschaffen“.
Umbau zum Naturbad gescheitert
Das zweite Problem ist die Grundwassersituation. „Wenn wir hier drückendes Hochwasser haben, gibt es womöglich Probleme mit der Standsicherheit“, sagt Spitzer. Deshalb soll ein Bodengutachten eingeholt werden, bevor die Pläne zur Sanierung des Bades vorangetrieben werden.
Spitzer betont, dass das Bad und der Antrag auf Förderung ihre Berechtigung hätten. „Wir haben außer dem Freibad keine Freizeitmöglichkeit, außerdem liegt es in Grenzlage zu einer Verbandsgemeinde, die ebenfalls kein eigenes Schwimmbad besitzt“, bemerkt der Bürgermeister. Das spreche für das Bad. Er weiß aber auch, dass der Betrieb eines Schwimmbades eine freiwillige Leistung ist. „Gelder fehlen auch im Schulbau und für die Feuerwehr. Da kann die Sanierung des Freibads keine Priorität haben.“ Zumal „ein Schwimmbad immer ein Zuschussprojekt bleibt und auch zukünftig den Haushalt belasten wird“.
Das vor mehr als 100 Jahren gebaute Schwimmbecken ist zuletzt in den 1960er Jahren saniert worden. Trotz des seit Jahren bestehenden größeren Sanierungsbedarfs gab es nur kleinere Reparaturen. Weil es für konventionelle Freibäder keine Fördermittel gab, war zuletzt der Umbau zu einem Naturschwimmbad diskutiert worden. Der Verbandsgemeinde liegt eine Förderzusage über 1,7 Millionen Euro vor. Allerdings haben sich die Kosten für diesen Umbau zwischenzeitlich fast verdoppelt und sind auf 6,5 Millionen Euro angestiegen. Das lag nicht nur an den Preissteigerungen im Bausektor, sondern auch an den geänderten Vorschriften im Zuge der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal.