Hinterweidenthal Forstamt eröffnet Waldparcours
Wird im Pfälzerwald in Zukunft Riesling angebaut? Hat die Schwarzkiefer schwarze Blätter oder einen dunklen Stamm und warum sollte man Gartenhecken nicht im Wald entsorgen? Diese und viele andere Fragen beantworteten Michael Grünfelder, Forstamtsleiter des Forstamtes Hinterweidenthal, Revierförster Axel Werner, der angehende Förster Tobias Herwerth und andere Bedienstete des Forstamtes am Freitag, als der Parcours mit Start im Windelstal hinter dem Tennisplatz- und Sportplatzgelände, eröffnet wurde.
Die vielen Broschüren, gedruckt auf Recyclingpapier, die an die Vertreter der Kommunen ausgeteilt werden sollten, fanden keine Abnehmer, weil bis auf wenige Ausnahmen niemand erschienen ist. Ins Gespräch sind die Forstbediensteten mit den wenigen Bürgern dennoch gekommen. Die Auswirkungen des Klimawandels auf unsere Natur, verbunden mit Ideen, wie man unseren Pfälzerwald auf veränderte klimatische Bedingungen fit machen kann, das war das große Thema der Veranstaltung. Dass der Klimawandel die Herausforderung in Zukunft sein wird, darin waren sich alle Experten vor Ort einig. Das Forstamt setzt dabei auf den Dialog mit den interessierten Besuchern. Zudem gibt es einen barrierefreien Parcours und einen weiteren, der sich mit „Naturschutz im Wald“ befasst. Regelmäßige Veranstaltungen sind geplant.
Weinbauklima in der Region?
„Der Wald ist vor dem Hintergrund der Klimaveränderung Opfer und Retter zugleich. Er ist daseinsrelevant“, stellte Grünfelder fest. Schönreden war nicht angesagt, vielmehr wurden Fakten genannt: „Im nationalen Kontext hat der Pfälzerwald schlechte Karten: Mithin die höchsten Durchschnittstemperaturen“, skizzierte er den Ist-Zustand. Seine Prognose: „Wir werden künftig ein Weinbauklima haben“.
Zu den Gewinnern des Klimawandels gehöre die Kermesbeere, das machten Tobias Herwerth und Revierförster Axel Werner an einer der Stationen klar: „Sie wächst schnell und dunkelt damit Flächen aus, die für die Waldverjüngung gebraucht werden“, erklärte Herwerth. „Sie ist raffiniert und hat keine Gegenspieler“, veranschaulichte Grünfelder, dass die Pflanze nicht in den Wald gehört. Mit dem Abladen von Hecken im Wald, statt sie auf eine Grünschnitt-Deponie zu bringen, sei das Problem der Überpopulation entstanden.
„Es pressiert“
An exponierten Stellen, an denen der Parcours vorbeiführt, soll ein möglichst klimaresistenter Mischwald entstehen. Dabei wird vor allem auf Bestandsverjüngung gesetzt. Neben der heimischen Traubeneiche, die den Klimawandel recht gut zu verkraften scheint, sowie der Buche und der Kiefer, sollen ergänzende Baumarten wie Esskastanien und korsische Schwarzkiefern den Bestand ergänzen. „Buche, Eiche, Kiefer, das kann im Klimawandel nicht alles sein“, stellte Herwerth fest. Die Frage eines Teilnehmers, warum die Verjüngungsflächen vergleichsweise klein sind, beantwortete Axel Werner: „Es geht nicht darum, die einheimischen Baumarten zu verbannen, sondern an exponierten Stellen einzelne Lichtfenster einzurichten, um vorausschauend den neuen Baumarten einen Wuchsvorsprung zu ermöglichen. Sie sollen konkurrenzfähig werden, um letztlich den Mischwaldanteil zu erhöhen“.
Entgegen natürlichen Verjüngungsphasen müsse der Mensch jetzt schnell handeln. „Es pressiert, wie wir Pfälzer sagen“, stellte Grünfelder fest. Der Försterberuf habe sich im Vergleich von vor 15 Jahren gewandelt: Viele Maßnahmen müssten zeitgleich gemanagt und koordiniert werden, um Standards zu halten. Die Rahmenbedingungen hätten sich geändert. Aber auch Themen wie die Entnahme von Totholz, die Gräfensteiner Forstrechte, oder die Diskussion darüber, ob die wirtschaftliche Nutzung des Waldes eingestellt werden soll zugunsten von Umwelt- und Naturschatz, sind keine Tabus.