Waldfischbach-Burgalben
Firma Caella schneidet Leder und Glasfaser
Die großen Lederstücke werden einer strengen Qualitätskontrolle unterzogen, bevor sie passgenau zugeschnitten werden. Computergestützt wird berechnet, wie sich die vom Kunden benötigten Teile so aus dem großen Lederstück schneiden lassen, dass das Naturprodukt optimal genutzt wird. Präzises Schneiden und Fräsen sind Dienstleistungen, auf die sich die Caella UG aus Waldfischbach-Burgalben spezialisiert hat. Zu den Kunden gehören zum Beispiel Automobilzulieferer.
Das Material Leder ist eng mit der Historie der Industriehalle in der Schlossstraße 25a in Waldfischbach-Burgalben verbunden. Ursprünglich für die Schuhfabrik Mattil gebaut und von dieser genutzt, arbeiten hier heute die Spezialisten von Caella sehr oft mit dem Material. „Aber nicht nur mit Leder“, erläutert Geschäftsführer Martin Butz, der das Unternehmen gegründet hat. Neben Leder können beispielsweise auch Schäume, Kunststoffe und Glasfasern präzise zugeschnitten werden. Präzise heißt, „wir reden von Genauigkeiten unterhalb des Millimeterbereiches“, verdeutlicht Butz.
Vielfältiger Kundenkreis
Bei den Kunden, für die die 23 Mitarbeiter von Caella tätig sind, ist diese Präzision gefordert. Unter anderem für Zulieferer der Automobilhersteller arbeitet Caella als Dienstleister. Die einzelnen Bestandteile eines Ledersitzes werden hier ebenso zugeschnitten, wie Elemente für Lederlenkräder. Aber auch Bestandteile aus Glasfaser, die der sogenannten Thermo- und Noise-reduction – also der Reduzierung von Hitze und Lärm – dienen, werden in Waldfischbach-Burgalben geschnitten und können mit weiteren Werkstoffen verbunden werden. Unternehmen aus der Orthopädiebranche, für die Präzision ebenso entscheidend ist, gehören gleichfalls zum Kundenkreis von Caella, aber auch die Verpackungsindustrie.
„You got it, we cut it“, also du hast es, wir schneiden es, lautet der Slogan des Unternehmens. Das gründete Martin Butz vor zehn Jahren in Rodalben. „In der Garage“, fügt er schmunzelnd an. Der Elektromeister war in der Industrie tätig, unter anderem als Servicetechniker für hochpräzise Schneidemaschinen. An Technik, Digitalisierung und Maschinenbau hatte er schon immer Spaß. Dazu kam der Ehrgeiz, für alle Probleme eine Lösung zu finden. „Ich habe mir privat eine gebrauchte Schneidemaschine gekauft, sie in die Garage gestellt und habe daran sehr viel ausprobiert, nach Verbesserungsmöglichkeiten gesucht – auch für die Kunden“, blickt er auf die Anfänge zurück. Als sich seine Tochter Stella für das Thema zu interessieren begann, die Maschine zum Beispiel nutzte, um eigene Taschen zu produzieren, fiel die Entscheidung, sich in diesem Bereich selbstständig zu machen, leicht. Butz wagte den Sprung in die Selbstständigkeit, ist Geschäftsführer von Caella. Tochter Stella ist als Gesellschafterin und Betriebsnachfolgerin bereits im Unternehmen. Sie ist Namensgeberin. „Cutting Art of Stella“, dafür stehe der Firmenname Caella, erklärt sie. Frei übersetzt: Stellas Kunst zu schneiden.
Umsatz seit 2019 jährlich verdoppelt
Im Sommer 2019 bezog das Unternehmen die 3500 Quadratmeter große Halle in Waldfischbach-Burgalben. 23 Mitarbeiter hat Caella. Die Belegschaft ist international. So arbeiten dort auch Mitarbeiter, die aus der Ukraine und dem Iran kommen. Seit 2019 hat das Unternehmen den Umsatz jedes Jahr in etwa verdoppelt. Der liegt im Bereich von rund einer Million Euro. Aber der Markt ist sehr herausfordernd. „Unsere Kunden sind weltweit tätig. Wir stehen global im Wettbewerb“, sagt Butz, der beruflich viel in der Welt unterwegs war und ist. Weltweit, erläutert er mit Blick auf die Märkte, würden etwa drei Euro pro Quadratmeter Material, das zugeschnitten, gefräst, gestanzt, perforiert wird, bezahlt. „Um unter diesen Bedingungen in Deutschland produzieren zu können, braucht es das perfekte Zusammenspiel von Fachkräften und modernsten Maschinen“, unterstreicht Butz. Was den Standort Deutschland teuer mache, worauf von Industrieseite immer hingewiesen werde, „das sind auch international Wettbewerbsnachteile für uns“, verweist der Caella-Geschäftsführer auf die Problematik hoher Strom- und Heizkosten, hoher Sozialabgaben, restriktiver Kreditvergaben und viel Bürokratie. „Wir brauchen mehr Investitionsfreundlichkeit in Deutschland“, unterstreicht Butz.
Ein Vorteil des Standortes Südwestpfalz sei, dass die Lebenshaltungskosten, vor allem die Kosten für das Wohnen, noch bezahlbar seien. Und dass es Wohnraum gebe. In einem Ballungsraum wie München wäre das Unternehmen schon nicht wettbewerbsfähig, ist er sich mit Blick auf den globalen Wettbewerb sicher.
Modernste Maschinen als essenzieller Faktor
Die rückläufige Entwicklung im Bereich Automobilhersteller, durch die unter anderem das Pirmasenser Unternehmen FWB Kunststofftechnik Ende 2026 schließen muss, spüre man auch bei Caella. Deshalb sei es wichtig, sich neue Märkte, neue Kundenkreise zu erschließen. Da ist man bei Caella sehr offen, kann viele Branchen bedienen, in denen hochpräzises Schneiden ein Thema ist. Für jedes Problem eines Kunden eine Lösung finden, das ist noch immer das, was Butz antreibt. Zuverlässig gelieferte Qualität sei ein Plus für Produkte aus Deutschland. Um wettbewerbsfähig produzieren zu können, sind Maschinen, die technisch auf dem neuesten Stand sind und es ermöglichen, im Produktionsprozess einen hohen computergesteuerten Maschinenanteil einzubringen, ein essenzieller Faktor. Pneumatisch-oszillierend heißt die Schneidetechnik, mit der bei Caella gearbeitet wird. Bei den Maschinen ist das Unternehmen aus Waldfischbach-Burgalben eng mit der Firma Atom verbunden – ein italienischer Hersteller, der in Pirmasens ansässig ist. Dass Butz sich selbstständig machte, habe auch mit dieser engen und guten Verbindung über Jahre hinweg zu tun, sagt er. Der Caella-Maschinenpark ist auf neun angewachsen – zwei Maschinen stehen direkt bei Kunden.