Contwig RHEINPFALZ Plus Artikel „Feuchtigkeit ja, Schimmel nein“

Die Contwiger Grundschule ist kein maroder Schimmelbau und kann ohne Gefahr weiter benutzt werden, sagt Architekt Werner Kleber.
Die Contwiger Grundschule ist kein maroder Schimmelbau und kann ohne Gefahr weiter benutzt werden, sagt Architekt Werner Kleber.

„Das wäre, als würden Sie aus Ihrem Haus ausziehen, weil Ihnen mal im Keller die Kartoffeln verschimmelt sind.“ Architekt Werner Kleber findet deutliche Worte zur möglichen Stilllegung der Grundschule Contwig. Politische oder organisatorische Gründe könnten durchaus dafür sprechen, das Gebäude aufzugeben, „aber der bauliche Zustand rechtfertigt das auf keinen Fall“, sagt Kleber.

Wie berichtet, wurde der Beschluss des Verbandsgemeinderats gekippt, den Standort Contwig aufzugeben und den Grundschulbetrieb in Stambach zu konzentrieren. Unter anderem Contwigs Bürgermeister Karlheinz Bärmann sah noch zu viele offene Fragen. Das wiederum brachte Schulelternsprecher Markus Heinrichs in Rage: Die Grundschule Contwig sei eine „marode Hütte“, in der es „seit Jahrzehnten Probleme mit Feuchtigkeit, Schimmel und anderen Baumängeln“ gebe, schrieb Heinrichs in einer Stellungnahme (wir berichteten am 11. Mai).

Dem widerspricht Architekt Werner Kleber vehement. Feucht sei es im Untergeschoss der Schule zweifelsohne, aber: „Es gibt kein Schimmelproblem.“ Feuchtigkeit und Schimmel seien nicht dasselbe, betont Kleber. „Es gab kein Schimmelproblem, seit die Schule 1954 gebaut wurde, und man könnte sie mit geringem Aufwand ohne Weiteres und ohne Gefahren weiterhin betreiben.“ Er verstehe, dass Eltern besorgt sind, wenn von Schimmel die Rede ist. Man müsse aber die Verhältnismäßigkeit sehen. Und um die ganze Geschichte aus seiner Sicht zu erzählen, müsse er etwas ausholen, so Kleber.

Eine lange und komplizierte Geschichte

Im Sommer 2019 sei sein Büro beauftragt worden, aus dem früheren Turnraum im Untergeschoss ein zusätzliches Klassenzimmer zu machen. Den Handwerkern habe er aufgetragen, nicht durch Flur und Treppenhaus zu gehen, sondern durch einen Abstellraum, den Heizungsraum und dann eine Kellertreppe hoch, um nicht zu viel Schmutz in das Schulgebäude zu tragen. Die Handwerker seien oft hin und her gelaufen, „der Sommer war heiß, und so brauchten sie zum Beispiel immer wieder frischen Gips, weil der schnell eintrocknete“, so Kleber. Er erwähne dieses Detail weil es später noch eine Rolle spiele.

Als er und ein Vertreter der Bauabteilung der Verbandsgemeinde besagten Turnraum zum ersten Mal betraten, hätten sie an der Decke kreisrunde, dunkle Flecken gesehen, so Kleber. „Das war aber kein Schimmel, sondern stammte vermutlich, wegen der kreisrunden Form, von Bällen, die im Turnunterricht an die Decke geschossen oder geworfen worden waren.“ Das habe auch der Vertreter der Verbandsgemeinde, ebenfalls ein Architekt, so gesehen.

„Sporen wurden wahrscheinlich hereingetragen“

Nach dem Umbau des Turnraums habe ein Ingenieurbüro aus Spiesen-Elversberg dennoch im Auftrag der Verbandsgemeinde eine Luftmessung vorgenommen. Nachgewiesen wurden zwei Schimmelpilzarten in einer sehr geringen Sporenzahl. Das Büro sah „eine moderate Belastung“ und „keine unmittelbare gesundheitliche Gefährdung für gesunde, erwachsene Personen“. Vermutet wurde, dass die Schimmelsporen ins Gebäude hereingetragen worden waren, von den Handwerkern, etwa über die Arbeitskleidung oder Malervlies. Der neue Klassenraum sei vorsichtshalber noch mal von einer Spezialfirma mit Wasserstoffperoxid gereinigt worden, und er selbst habe ein Lüftungsgerät reingestellt. „Danach hätte der Raum in Betrieb gehen“, betont Kleber.

Im Raum nebenan, einem früheren Duschraum, seien dann allerdings Spuren von Feuchtigkeit an der Wand bemerkt worden. In dem Raum stehen laut Kleber eine Waschmaschine, ein Trockner und eine Wäschespinne, auf der Putzlappen getrocknet werden. Außerdem sei wegen eines gebrochenen Fallrohrs bei einem Sturzregen Wasser in den Luftschacht gelaufen und habe die Wand zusätzlich befeuchtet. Kleber: „Die Wand sah nicht schön aus, aber auch hier gab es keinen Schimmel.“

Kein Schimmel, aber Asbestplatten

Da zu diesem Zeitpunkt die Stimmung bereits aufgeheizt gewesen sei, sei ein Runder Tisch einberufen worden, mit Vertretern der Verbandsgemeinde, Eltern, Gesundheitsamt und weiteren Beteiligten. Eine zweite Luftmessung sei erfolgt, das Ergebnis laut Kleber: kein Schimmel. Indes: Beim Rundgang fielen im Erdgeschoss des Schulgebäudes zerbrochene Asbestplatten auf. Es wurde auf Gefahr im Verzug erkannt, ein neuer Bodenbelag musste her, die Schule blieb geschlossen.

Der Raum mit der Waschmaschine wurde laut Kleber nun mit einer Folie verschlossen, der Asbest-belastete Boden im Erdgeschoss wurde ausgetauscht, und nun sollte die Schule öffnen. Der Hausmeister, so Kleber, sollte noch den Flur im Untergeschoss streichen. Weil er Farbe übrig hatte, wollte er auch noch einen Abstellraum streichen. Beim Ausräumen des Abstellraums habe der Hausmeister unter einem Schrank eine mit Feuchtigkeit vollgesogene Pressspanplatte gefunden, „und an der war jetzt wirklich mal Schimmel“, so Kleber.

Die Sache mit der Pressspanplatte

Da die Handwerker beim Umbau des Turnraums immer durch eben diesen Raum gegangen seien – wie oben beschrieben – „halte ich es für sehr wahrscheinlich, dass sie die wenigen Schimmelsporen, die später im umgebauten Klassenzimmer gemessen wurden, von dort mitgebracht hatten“, so Kleber. Der Hausmeister habe wegen der Platte die Verbandsgemeinde informiert, von dort sei die Order gekommen, Schrank und Platte wegzuschmeißen und den Raum mit Wasserstoffperoxid zu behandeln. Da es in Dellfeld gerade eine Baustelle mit Müllcontainer gab, sollte die Platte am Tag darauf dort entsorgt werden. Nach draußen transportiert wurden Schrank und Platte laut Kleber durch den regulären Schulflur und das Foyer, „und genau auf diesem Weg wurden später wieder geringe Konzentrationen an Schimmelsporen festgestellt“, was seine Theorie des Hereintragens stütze, so Kleber. Der Hausmeister sei nach der Schrank- und Platten-Aktion auch noch in einem Klassenraum im Erdgeschoss gewesen. Auch dort habe man hinterher geringe Schimmelsporen-Mengen gemessen.

Als Eltern den Hausmeister sahen, wie er die Platte in Dellfeld in den Container warf, sei Vertuschung vermutet und ein zweites Gutachten gefordert worden. Diesmal untersuchte ein Büro aus Trippstadt. Es fand „keine Auffälligkeiten im Untergeschoss“ und „keine Hinweise auf Durchfeuchtung“. Eine „hohe Belastung durch TVOC“ wurde festgestellt, TVOC steht für Summe aller flüchtigen organischen Verbindungen. „Das ist aber normal, wenn gerade gestrichen wurde, die Farbe dünstet ja noch aus“, so Kleber. Das Trippstadter Büro riet zur Abdichtung der Schule von unten; Kostenpunkt: 300 000 Euro.

„Es geht viel billiger als 300 000 Euro“

Kleber findet, dass der Verbandsgemeinderat nicht nur auf der Basis dieses Gutachtens über die Zukunft des Schulgebäudes entscheiden kann. „Ich betone noch mal, dass hier immer nur äußerst geringe Mengen an Schimmelsporen nachgewiesen wurden, die zudem mit hoher Wahrscheinlichkeit in das Gebäude hereingetragen wurden.“ Und entfeuchten könne man die Schule viel billiger. Er, Kleber, habe ein Angebot von 52 000 Euro einer Firma vorliegen, die etwa auch den Keller des Dorfgemeinschaftshauses Oberauerbach erfolgreich trockengelegt habe.

Kleber sagt, ihm sei bewusst, dass die Fülle der Ereignisse den Eindruck vermittelt, das Gebäude sei nicht mehr zu retten. „Dem ist aber nicht so, die Bausubstanz ist gut, man muss hier unterscheiden zwischen tatsächlichen Mängeln und gefühlter Gefahr.“ Das müsse der Verbandsgemeinderat bedenken, bevor er entscheidet, ob das Gebäude in Contwig aufgegeben wird. Sollte der Anbau in Stambach beschlossen werden, sollen die Kinder während der Bauzeit in Containern unterricht werden. Auch für diesen Fall appelliert Kleber an eine genaue Prüfung der Fakten. „Die Klassenräume im Erdgeschoss der Contwiger Schule können direkt und ohne weitere Maßnahmen benutzt werden, und wenn es nur für die Übergangszeit wäre.“

Bitte an den Rat: Jede Einzelheit beachten

Er habe lange überlegt, ob er an die Öffentlichkeit gehen soll, und sich schließlich dafür entschieden, so Kleber. Zum einen, weil die Grundschule Contwig kein maroder Schimmelbau sei – „in das Gebäude wurde regelmäßig investiert, ich kenne es, bin selbst dort zur Schule gegangen“ –, zum anderen weil er sich dagegen verwahre, dass er und die von ihm zum Umbau des Turnraums verpflichteten Firmen „nun wie Pfuscher und Vertuscher dastehen“. Die Geschichte sei lang und kompliziert. Der Verbandsgemeinderat solle sich trotzdem jedes Detail anhören, bevor er entscheidet, so Kleber.

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