Dahn RHEINPFALZ Plus Artikel Für einen Eisenbahn-Fan erfüllt sich ein Lebenstraum

Unverkennbar: Der Gastronom Matthäus Burkhart ist Eisenbahnfan. Und stolzer Vater: Seine Tochter Elena wird den Betrieb einmal w
Unverkennbar: Der Gastronom Matthäus Burkhart ist Eisenbahnfan. Und stolzer Vater: Seine Tochter Elena wird den Betrieb einmal weiterführen.

Von Aufbruchstimmung war Anfang 2021 nichts zu spüren. Im Gegenteil. Damals setzte der Lockdown Gastronomen und Gastgebern schwer zu. Auch das „Alte Bahnhöf’l“ blieb zu. Doch Wirt Matthäus Burkhart ließ sich nicht unterkriegen, sondern plante der Krise zum Trotz ein neues Projekt. Und zwar ein großes. Am Ende des Jahres stand fest: 2022 würde er sich mit seinem Bahnhofshotel einen Lebenstraum erfüllen.

Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Daran glaubt Matthäus Burkhart fest. Er ist ein Optimist, sieht das halb volle und nicht das halb leere Glas. Deshalb baut er nun noch ein Hotel bei seinem Restaurant „Altes Bahnhöf’l“, investiert mit fast 54 Jahren kräftig in ein großes Projekt. Rund 3,5 Millionen Euro sind geplant dafür, für die er im November einen Förderbescheid des Landes über 575.000 Euro erhielt. Im neuen Jahr wird gebaut, bis zur Saison 2023 soll das Hotel mit 20 Zimmern fertig sein.

Dass die Gastronomen-Familie trotz der Pandemie so viel Geld in die Hand nimmt, ist besonders. Alleine steht sie damit freilich nicht da. Auch andere investieren. Die Hoteliersfamilie Vogel realisiert nun ihren lange geplanten Hotel-Neubau in Dahn, die beiden Vier-Sterne-Superior-Häuser in Dahn bauen und modernisieren weiter – alle glauben an einen baldigen Aufschwung. Was Burkharts Projekt jedoch einzigartig macht, ist die Idee dahinter: Am ehemaligen Bahnhof Dahn-Reichenbach wird ein modernes Bahnhofshotel entstehen, in das ein Triebwagen eingebaut wird. Eine Idee, auf die nur ein eingefleischter Eisenbahn-Fan kommen kann, wie Burkhart einer ist.

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Sammler aus Leidenschaft

Dass er gerne besondere Wege beschreitet, wissen seine Gäste längst. Denn das „Bahnhöf’l “ in Dahn-Reichenbach empfängt sie standesgemäß mit einem ausrangierten Bahnwagen im Hof, und hinter dem Lokal wartet der „Ferienbahnhof“ in Form umgebauter Bahnwaggons auf Übernachtungs- und Frühstücksgäste. Überall finden sich Zeitzeugen der Eisenbahngeschichte. Signallampen, alte Telefone, Zuglaufschilder, alte Uniformen, Bilder, Schlüssel, andere Zeitdokumente. Wie viele Unikate und Utensilien es sind, kann Matthäus Burkhart gar nicht sagen. Viele jedenfalls sind es. Darunter besondere Sammlerstücke. Nur ein Beispiel ist das Zugschild von der Sonderfahrt der Weltmeister-Elf von 1954 – das Geschenk eines Eisenbahners.

Matthäus Burkhart ist Sammler aus Leidenschaft. Das habe er von seinem Vater geerbt, erzählt er – der habe ebenfalls einen Sinn für schöne Dinge gehabt. Auch das ehemalige Bahnhofsgebäude, das heute das Lokal beherbergt, hatte es Willi Burkhart angetan. 1983 kaufte er es, um eine kleine Wirtschaft dort einzurichten – da war Sohn Matthäus gerade 15 Jahre alt und noch vier Jahre vom Abitur am OWG entfernt. Das Abi legte er ab, doch die Gastronomie gefiel ihm, ebenso der alte Bahnhof und vor allem die Selbstständigkeit.

Stress, aber auch Spaß bei der Arbeit

Der junge Mann lernt Koch, damals im Pirmasenser Hotel Matheis. Der elterliche Betrieb, längst gewachsen, ist mittlerweile verpachtet. Der Sohn studiert in München noch Ernährungswissenschaften und Sozialkunde für die Berufsschule. Doch nach zwei Jahren kündigt der Pächter des heimischen Lokals plötzlich. Matthäus Burkhart beendet sofort sein Studium und steigt ein in den Betrieb, den er nun seit Anfang der 1990er Jahre mit seiner Frau Angelika führt.

25 Jahre lang steht Burkhart in der Küche – ein Job mit viel Stress, aber dennoch mit großem Spaßfaktor, betont er. Das Spaßpotenzial wächst weiter, denn ab 2016 wird sein Ferienbahnhof Realität. Seitdem kümmert er sich mehr und mehr ums Übernachtungsgeschäft; mittlerweile hat er auch einen jungen Küchenchef eingestellt.

In der Krise neue Perspektiven suchen

Die Folgen der Pandemie und vor allem der Lockdown von November bis Mai vor einem Jahr treffen auch seinen Betrieb. Die Kurzarbeit rettet zwar die Jobs der elf Festangestellten, schwieriger ist es da schon mit den Aushilfen. Aber auch diese, sagt er, habe er bei Laune halten können. Nur eine Abwanderung habe es insgesamt gegeben. Doch die Leere in Gaststätte und Ferienwohnungen empfindet der Gastronom als beklemmend. Den Tag, an dem er wieder aufschließt, draußen unterm Dach in zufriedene Gesichter blickt, genießt er – endlich wieder unter Menschen.

Da reift in ihm schon die Idee für ein modernes Bahnhofshotel. Warum gerade in dieser schwierigen Zeit? Die Krise, stellt er fest, habe ihm noch mal den Horizont erweitert, ermöglicht, über Perspektiven nachzudenken. Dass dann aber auch ein echter Triebwagen eingeplant wurde, ergab sich erst nach einem ungewöhnlichen Besuch: Der Geschäftsführer der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) hatte von einem Wirt im Dahner Tal gehört, der Eisenbahnen sammelt. Und für diesen hatte der Besucher nun „etwas“ im Angebot: den Esslinger Triebwagen, der auch auf der Wieslauterstrecke einige Jahre lang unterwegs war, wegen eines Defekts aber stillstand – eine Reparatur für das Gefährt käme zu teuer, für die Schrottpresse wäre es zu schade. Matthäus Burkhart sagt zu, kauft für einen vierstelligen Betrag den Wagen. Dessen Verwendung ist ihm schnell klar: Teil des neuen Hotels soll er werden.

Für jedes Problem eine Lösung

Inzwischen ist der Esslinger Triebwagen angekommen. Gebracht aus Ettlingen haben ihn übrigens zwei Loks, eine vorne und eine hinten. Allerdings nur bis Dahn-Mitte. Fürs letzte Stück zur Reichenbach muss Burkhart noch eine Lok bestellen. Hürden wie diese bremsen ihn zwar, aber sie stoppen ihn nicht. „Dann machen wir es eben anders“, stellt er fest – „es gibt immer eine Lösung für ein Problem“.

Ohne diesen unerschütterlichen Optimismus wäre womöglich der Ferienbahnhof gar nicht entstanden. Denn im Gegensatz zum ersten Erwerb – dem Werkstattwagen aus den 1950er Jahren – durften zwei Waggons, die an der Schweizer Grenze auf ihren neuen Einsatz im Dahner Tal warteten, wider Erwarten doch nicht auf die Schienen. Wegen abgefahrener Reifen. Burkhart musste neu planen: mit zwei Schwertransporten per Straße. Ein teurer Spaß im fünfstelligen Bereich. Seinen Spaß hatte Burkhart dennoch, als er beim Verladen der Waggons dabei war – „wie im Film“, sagt er, immer noch beeindruckt. Damit war dieses Kapitel freilich noch nicht fertiggeschrieben. Denn auf der Heimfahrt fiel dem neuen Eigentümer siedend heiß ein, dass er Löcher an der Oberseite eines Waggons nicht abgedichtet hatte, für die kommenden Tage aber heftiger Regen gemeldet war. Also drehte er um, fuhr dem Transport entgegen. Auf einem Rastplatz bei Hockenheim fand er die Transporter, deren Fahrer schliefen. Er kletterte hoch, dichtete die Löcher ab und fuhr wieder heim.

Die dritte Generation steht bereit

Schwierigkeiten halten Matthäus Burkhart nur auf, aber nicht ab. „Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg“, lautet sein Credo. Doch bei allem Optimismus: Burkhart ist Unternehmer und hat auch die Risiken im Blick. Die wird er beim Hotelprojekt nicht alleine tragen müssen. Denn seine Tochter Elena (22) will den Betrieb weiterführen und auch die jüngere Tochter sei nicht abgeneigt, berichtet der Vater stolz. Gedrängt habe er sie nicht, versichert er. Aber dass er seinen Beruf mit Leidenschaft und Spaß ausübt, könnte daran vielleicht „schuld“ sein, dass beide Töchter damit auch schöne Seiten verbinden. Über Arbeit werden sie nicht klagen müssen: Das DB-Journal der Deutschen Bahn will über den Eisenbahn-Sammler berichten. Und das liegt bundesweit in Fernzügen aus. Ein besonders passender Platz für ein ganz besonderes Projekt.

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