Contwig RHEINPFALZ Plus Artikel Explosion in Contwig: Zwei Männer vor Gericht

Zunächst war unklar, was die Explosion Ende November ausgelöst hatte.
Zunächst war unklar, was die Explosion Ende November ausgelöst hatte.

Die Tür flog raus, die Scheiben zerbarsten, Splitter übersäten den Gehweg in der Contwiger Hauptstraße. Bei dem Älteren sieht man immer noch die Spuren der Verbrennungen im Gesicht – sieben Monate nach der Explosion im November 2019. Seit Dienstag stehen zwei Männer, 29 und 24, vor dem Zweibrücker Landgericht. Zum Prozessauftakt gestanden sie, warum sie in der Wohnung mit Feuerzeuggas und Marihuana hantierten.

Am 28. November 2019 fliegt gegen 14 Uhr ein Rollladenpanzer durch die Luft und landet auf der Windschutzscheibe eines schwarzen SUV, der gerade durch die Hauptstraße in Contwig fährt. Glassplitter übersäen die Hauptstraße vor einem Imbiss. Die Fenster aus dem Obergeschoss des Hauses sind herausgeflogen. Ein junger Mann rennt mit hochrotem Kopf gestikulierend aus dem Haus. Er hat Verbrennungen an Kopf und Händen. Er wird von einem Feuerwehrmann erstversorgt, der zufällig mit seinem Auto vorbeifährt. „Das war eine Explosion – vermutlich eine Verpuffung“, ahnt der Feuerwehrmann.

Es war eine Explosion, wie der Staatsanwalt vor der Großen Strafkammer beim Landgericht Zweibrücken in seiner Anklage betont. Ihm gegenüber sitzen die beiden Männer (24 und 29 Jahre alt) auf der Anklagebank. Sie sind angeklagt, weil sie in der Wohnung des 29-Jährigen über dem Contwiger Burger-Laden mit Marihuana und Butangas ein sogenanntes Butano-Honey-Oil produzieren wollten – Cannabisöl.

Das wollten die beiden laut Anklage herstellen. Mit Feuerzeuggas wollten sie in der Küche das Cannabisöl aus dem Pflanzen extrahieren. Bei diesem Versuch kam es zur Explosion. Die Kücheneinrichtung riss aus der Verankerung, die Tür flog aus dem Rahmen, die Fenster platzten, die beiden jungen Männer erlitten schwere Verbrennung im Gesicht und an den Händen.

Anklage: Drogenhandel und Sprengstoffexplosion

Staatsanwalt Patrick Langendörfer klagt die beiden Männer wegen unerlaubten Handels mit Drogen und Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion an. Beide kennen sich seit acht Jahren. Beide sind arbeitslos und konsumieren seit Jahren Cannabis.

„Er kam kurz vor der Explosion mit einem Beutel Marihuana zu mir. Es können so zwischen 150 bis 200 Gramm gewesen sein, schilderte der 29-jährige. „Wir rauchten davon einen Joint und stellten fest, dass das Albaner-Gras von schlechter Qualität war.“ Nun sei er auf die Idee gekommen, aus dem „Dreck“ mit Butangas ein so genantes Butan-Haschöl zu produzieren. Er habe einmal gehört, wie das geht. „Das ging ganz schnell“, sagte der 29-jährige.

„Ich nahm eine Colaflasche, löcherte den Flaschenverschluss, hob den Deckel ab, steckte Gras rein und fügte Butangas hinzu, um den Wirkstoff des Cannabis zur extrahieren. Das Gas sollte sich aus der Flasche ausscheiden. Während das Gas durch die Flasche strömte, war die Colaflasche eiskalt gewesen. Ich zog meine Handschuhe an. Ich wollte das mit heißem Wasser in einem Topf aufkochen, um so den Vorgang zu beschleunigen. Uff emol hat’s geknallt“, schilderte der 29-Jährige.

Der Angeklagte weiß: „Wir hatten Glück ohne Ende“

„Es war eine Explosion. Wir sind beide hochgeflogen. Der Druck hat mich abgehoben. Meine Erinnerung kam wieder, als ich vor meinem Nachbarn lag. Die Wohnungstür ist rausgeflogen. Wir hatten Glück ohne Ende“, sagte der 29-Jährige. Nach der Explosion ist der Jüngere aus der Wohnung durch die Straße geflüchtet. Nach ärztlicher Behandlung verließ der 29-jährige das Krankenhaus bereits nach einem Tag. „Ich wollte nicht dort bleiben“, sagte er. Er war wochenlang bei einem Hautarzt in Behandlung. Die Spuren der Verbrennungen sind auch heute noch in seinem Gesicht zu sehen.

Der Jüngere landete nach seiner Behandlung wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft. Das Verfahren zur Herstellung von Butan-Hasch-Öl habe er bei seinen Bekannten erfahren, mit denen er sich immer wieder getroffen hatte. Weil er in seiner Wohnung ein Nunchaku aufbewahrte, eine Art Schlagholz, geht der Staatsanwalt bei dem 29-Jährigen von unerlaubtem bewaffneten Handel von Drogen aus. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

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