Battweiler
Essigsäure gelangt ins Trinkwasser – Mann unter der Dusche verletzt
Großer Aufruhr herrschte am Donnerstagnachmittag in der Finkenstraße. Wasserwerker der Verbandsgemeinde rückten an, sperrten Trinkwasserzuläufe der Häuser, und auch die Polizei war im Einsatz. Laut Polizei hatte ein Anwohner versucht, seine Heizungsanlage mit Essigsäure zu entkalken. Die Säure sei wohl ins öffentliche Trinkwassernetz geraten – wie, ist noch unklar. „Da ein Nachbar, der zu diesem Zeitpunkt duschte, plötzlich Hautreizungen erlitt und weitere Symptome verspürte, musste davon ausgegangen werden, dass zumindest Teile der Essigsäure in das Trinkwasser gelangt sind“, so die Polizei. Eine andere Anwohnerin, die ihrem Baby ein Fläschchen zubereiten wollte, rief bei den Verbandsgemeindewerken an und informierte über den ungewöhnlichen Essigsäure-Geruch des Trinkwassers.
Werkleiter hat so etwas noch nie erlebt
Laut dem Leiter der Verbandsgemeindewerke, Eckart Schwarz, fuhren Mitarbeiter sofort in die betroffene Straße, regelten die Trinkwasserleitungen ab und fingen an, die Leitung in der Sackgasse mit Frischwasser zu spülen. „Ein Lob an unsere Leute, die haben sofort und richtig reagiert“, sagt Schwarz, der einen solchen oder ähnlichen Vorfall nach eigenen Worten in 30 Jahren im Dienste der Wasserver- und entsorgung noch nie erlebt – oder auch nur davon gehört – hatte. „Ich weiß auch gar nicht, wie man auf eine solche Idee kommt“, war ihm auch am Tag nach dem Unglück die Entstehung schleierhaft. Auch wisse er nicht, wie es technisch überhaupt möglich sei, dass die Säure aus dem Haus überhaupt ins öffentliche Trinkwassernetz gelangen konnte. Schwarz kann lediglich Vermutungen anstellen: An dem Haus gebe es eine Solarthermie-Anlage, „es war warm, vielleicht hat dies dazu geführt, dass mit Essigsäure versetztes Trinkwasser ins Netz gedrückt wurde“.
Ernste Gefahr für die Anwohner der Finkenstraße bestand laut Schwarz am Freitag schon nicht mehr. „Essigsäure riecht stark, man merkt sie, und man kann sich zwar damit verätzen, aber sie ist nicht giftig und auch nicht tödlich“, so der Werkleiter. Die Essigsäure sei stark verdünnt in der Battweiler Kläranlage angekommen, habe dort aber keinen Schaden angerichtet. „Wir haben keinen erhöhten PH-Wert festgestellt, zumal Essigsäure in der Kläranlage ohnehin eingesetzt wird zur Bakterienvermehrung.“
Wasser derzeit nur zum Duschen und Heizen
Während die Finkenstraße am Freitagnachmittag aus dem Gröbsten raus war, hat laut Schwarz für Bewohner anderer Straßen in Battweiler zu keinem Zeitpunkt Gefahr bestanden. Außer dem Nachbarn, der beim Duschen rote Augen und Hautreizungen davongetragen hatte, seien ihm auch keine weiteren Verletzten bekannt.
Am Freitagnachmittag war das Haus des mutmaßlichen Verursachers noch komplett vom Wassernetz getrennt, und das wird laut Schwarz auch so bleiben, bis die Ursache des Zwischenfalls feststeht. „Da müssen Experten ran, wir können das nicht klären“, sagt er. Die anderen elf Wohnhäuser in der Finkenstraße hatten am Freitagnachmittag zwar wieder Wasser, allerdings nur zum Duschen und für die Heizung. Trinken sollten die Bewohner das Wasser nicht. Am Freitagnachmittag waren die Proben aus den betroffenen Häusern laut Schwarz unterwegs ins Labor. „Das Gesundheitsamt gibt das Trinkwasser in den umliegenden Häusern erst frei, wenn die Proben ausgewertet sind. Ich rechne mit Montag“, sagt er. Das Haus, an dem alles seinen Anfang nahm, bleibe hingegen vom Netz getrennt, bis Fachleute die wahre Ursache gefunden hätten. Vor Ort sei ein leerer 20-Liter-Kanister mit 80-prozentiger Essigsäure gefunden worden.
VG-Werke schalten Polizei ein
Allerdings nicht nur das. Der mutmaßliche Verursacher reagierte nicht auf Kontaktversuche der Werkspersonals, das die Leitungen gespült hat. Man habe ihn lediglich telefonisch erreicht, da habe er darüber informiert, dass er erst abends nach Hause komme, schildert Schwarz. Weil aber ein Auto in der Einfahrt gestanden habe, zudem die Haustür offengestanden habe, hätten die VG-Werke die Polizei eingeschaltet – was wiederum bei Anwohnern für gesteigertes Interesse an den Vorgängen sorgte. Berichtet wurde hernach von einigem Aufruhr.
Die Polizeidirektion Pirmasens hielt sich am Freitagnachmittag bedeckt. Laut erster Pressemitteilung ermittelt sie jedoch in Sachen Essigsäure. „Wie die Essigsäure letztlich in den Wasserkreislauf gelangen konnte, ist Gegenstand der laufenden polizeilichen Ermittlungen.“ Auch die Staatsanwaltschaft Zweibrücken war am Freitagnachmittag nicht für eine Stellungnahme erreichbar.