Kreis Südwestpfalz „Es war wie bei Cobra 11“

Aus dem VW Golf Variant musste die Feuerwehr den Reifen des Mercedes herausschneiden. Die Fahrerin leidet noch heute an den Folg
Aus dem VW Golf Variant musste die Feuerwehr den Reifen des Mercedes herausschneiden. Die Fahrerin leidet noch heute an den Folgen des Unfalls.

«Contwig/Zweibrücken.» Die Folgen der Massenkarambolage am Pfingstsamstag vergangenen Jahres spüren Geschädigte elf Monate später immer noch. Die Zeugin aus dem schwarzen Golf, aus dem die Feuerwehr das rechte Vorderrad des Mercedes herausschneiden musste, ist in ihrer Bewegung eingeschränkt, hat Schmerzen. Sie hatte unter anderem ein gebrochenes Schulterblatt und Bandscheibenvorfälle in der Halswirbelsäule. Ihr Auto war noch relativ neu, hatte einen Unfalldatenschreiber. Der verzeichnete laut dem Unfallsachverständigen Fabian Hayo beim Crash eine Beschleunigung von null auf 40 Stundenkilometer. Ein Indiz, wie stark die Wucht des Aufpralls war. Der Gutachter sagte am Donnerstag, am letzten Verhandlungstag, vorm Zweibrücker Amtsgericht aus. Beide Sportwagen waren mit hoher Geschwindigkeit – durchschnittlich 180 Stundenkilometer – auf der A8 Richtung Pirmasens gefahren. Bei Contwig knallten sie auf ein Stauende. Der Stau wurde ausgelöst, weil die Polizei eine zersplitterte Holzpalette von der Straße räumen musste. Der Porsche, der vorne fuhr, bremste extrem stark ab, der Mercedes kollidierte mit ihm. Der Porsche driftete nach rechts. Dabei berührten sich das linke Hinterrad vom Porsche und das rechte Vorderrad vom Mercedes. Das ließ diesen abheben und in einer Flugbewegung über die Leitplanke und Autos fliegen. Der Porsche knallte unterdessen mit dem linken Heck in ein Auto, dass auf der rechten Fahrspur stand: „Ich habe den Porsche im Rückspiegel gesehen und wusste schon, dass das nicht mehr reichen wird“, beschreibt der Fahrer die Sekundenbruchteile kurz vorm Aufprall des Porsches. „Ich stand im Stau, hörte ein lautes Quietschen, das ich in meinem Cabrio gut vernehmen konnte, und fuhr aus Reflex nach rechts“, schildert ein weiterer Zeuge, der auch im Stau stand, den Unfall. Das Wrack des Mercedes stand laut dem Zeugen wenige Sekunden später dort, wo er kurz vorher mit seinem Cabrio gestanden hatte. „Es war wie bei Cobra 11“, beschreibt ein anderer Zeuge die Massenkarambolage. Laut Hayo, der nur kurze Zeit nach dem Crash vor Ort war, um den Unfall aufzunehmen, gibt es Szenarien, in denen die Massenkarambolage vermeidbar gewesen wäre. So etwa, wenn es keine Kollision zwischen den beiden Sportwagen gegeben hätte. Wäre der Porsche nicht nach rechts gedriftet, hätte er theoretisch noch anhalten können. Die Bremsen des Porsche seien sehr gut gewesen. Zudem hätte er laut Gutachter Hayo bei der sehr guten Sichtweite am Unfalltag bis zu 190 Stundenkilometer fahren können und dennoch bei einer Vollbremsung noch vorm Stauende anhalten können. Für den Mercedes, der wesentlich älter als der Porsche war, gelte das aber nicht. Die Staatsanwaltschaft forderte, beide Fahrer wegen eines illegalen Straßenrennens und damit verbunden wegen fahrlässiger Körperverletzung zu verurteilen. Alle Zeugen, die die Sportwagen vor dem Unfall gesehen haben, hätten von extrem hohen Geschwindigkeiten und einem zu geringem Abstand berichtet – sowohl auf der Autobahn als auch zuvor im Etzelweg, durch den beide auch gefahren waren. Zudem denkt sie, dass das Rennen weitergegangen wäre, wenn es keinen Unfall gegeben hätte. Beide Verteidiger widersprachen. „Es ist physikalisch unmöglich, im Etzelweg 120 Stundenkilometer zu fahren“, führte Max Kampschulte, Anwalt des Porschefahrers, aus. Von einem Tempo in diesem Bereich hat ein Zeuge, der im Etzelweg wohnt, am ersten Verhandlungstag gesprochen. Johannes Berg, der Anwalt des Mercedesfahrer, sagte auch, dass es kein Rennen gegeben habe: „Beide Autos sind immer hintereinander gefahren. Das ist sehr untypisch für ein Kraftfahrzeugrennen“. Beide Verteidiger plädierten auf Freispruch. Richter Christian Orth verurteilte beide zu einer Bewährungsstrafe von sieben Monaten. Zudem entzieht er beiden die Fahrerlaubnis für weitere acht Monate. Sie mussten ihre Führerscheine schon im Oktober abgeben. Außerdem tragen beide die Kosten des Verfahrens und müssen eine Geldstrafe an den Verein für Rechtspflege zahlen. Orth begründete sein Urteil damit, dass alle Zeugen, die die beiden Sportwagen vorher beobachtet haben, aussagten, dass der Mercedes- und der Porschefahrer konstant mit hoher Geschwindigkeit und zu geringem Abstand zueinander gefahren sind. Es habe keine Zeugenaussage gegeben, die das widerlege. Zudem glaubt er den Aussagen der Zeugen aus dem Etzelweg, die am ersten Verhandlungstag ausgesagt hatten. Diese haben die beiden Fahrer mit hoher Geschwindigkeit – „höher als sonst im Etzelweg gefahren wird“, wie Richter Orth einen Zeugen zitierte – schon im ersten Drittel des Etzelwegs gesehen.

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