Rieschweiler-Mühlbach / Thaleischweiler-Fröschen RHEINPFALZ Plus Artikel Erkenntnisse aus Pfingsthochwasser sollen in Vorsorgekonzept eingearbeitet werden

Hochwasser durch Dauerregen: So sah es an Pfingsten an der Mühle in Rieschweiler-Mühlbach aus. Bei Starkregenereignissen hingege
Hochwasser durch Dauerregen: So sah es an Pfingsten an der Mühle in Rieschweiler-Mühlbach aus. Bei Starkregenereignissen hingegen regnet es innerhalb von kurzer Zeit sehr stark, sodass Kanalsysteme die Wassermassen nicht mehr aufnehmen können.

Das Pfingsthochwasser hat teilweise enorme Schäden in Rieschweiler-Mühlbach und Thaleischweiler-Fröschen angerichtet. Erkenntnisse aus diesem jüngsten Ereignis sollen nun noch in das Starkregen- und Hochwasserschutzkonzept eingearbeitet werden, das für die Verbandsgemeinde seit dem Jahr 2020 erstellt wird. Bei einem Treffen am Dienstagabend kochten die Emotionen unter den Bürgern teilweise hoch.

Nur wenige Bürger waren zu den Treffen gekommen, bei denen in einer ersten Bürgerbeteiligungsrunde für alle 20 Orte der Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben Schwachstellen in Sachen Starkregen und Hochwasser ausgemacht werden sollten. Wie groß die Gefahr jedoch ist, wurde vielen Menschen an Pfingsten bewusst. Deshalb hatte die Verbandsgemeinde zu einer weiteren, außerplanmäßigen Bürgerbeteiligung für Thaleischweiler-Fröschen und Rischweiler-Mühlbach aufgerufen. Neue Erkenntnisse sollten gewonnen und den Bürgern nochmal das Angebot gemacht werden, gemeinsam mit Ingenieuren ihr Grundstück zu begutachten. 50 Euro Eigenanteil kostet die Beratung.

Beim Treffen am Dienstagabend zeigte sich: Die Betroffenen fühlen sich mit Blick auf das Pfingsthochwasser im Stich gelassen, suchen nach Schuldigen. Mehrfach wurde gemahnt, dass es bei diesem Termin nicht darum gehe, dass die Ingenieure nicht die richtigen Adressaten für den Ärger seien. „Wir sind nicht ihre Gegner“, unterstrich Mirco Lang vom Ingenieurbüro Dilger. Im Gegenteil: Die Ingenieure suchen Schwachstellen, die bei Hochwasser oder Starkregen Überflutungen begünstigen können, und machen Lösungsvorschläge, wie sie behoben oder zumindest reduziert werden können.

Privatleute selbst für Vorsorge verantwortlich

Zur Unterscheidung von Starkregen und Hochwasser wurde erklärt: Ein Starkregenereignis war das Gewitter, das im Jahr 2023 beim Dorffest in Thaleischweiler-Fröschen runterging. Das Kanalsystem konnte die Regenmassen nicht fassen. Das Problem: Ein Kanalsystem, um solche Wassermassen zu fassen, sei schlicht nicht bezahlbar. Der Dauerregen über Pfingsten führte zu einem Hochwasser.

Lang betonte: Das eigene Grundstück und Haus zu schützen, ist von Gesetzes wegen Sache des Eigentümers. Sandsäcke, drucksichere Fenster und Türen, Dammwallsysteme und Rückstauklappen sind Möglichkeiten, um privat vorzusorgen. Dass die Orts- oder die Verbandsgemeinde mobile Hochwasserdämme bei den betroffenen Grundstücken installierten, sei unrealistisch. Doch könnten möglicherweise private Sammelbestellungen über die Kommunen organisiert werden, um günstigere Preise zu bekommen.

Einen 100-prozentigen – bezahlbaren – Schutz gebe es jedoch nicht, erklärte der Experte, der auch erklärte: Durch den Klimawandel sei mehr Feuchtigkeit in der Atmosphäre. Starkregen und Hochwasser würden deshalb immer wahrscheinlicher.

Karten fürs gesamte VG-Gebiet bereits erstellt

Das Schutzkonzept für die Verbandsgemeinde ist bereits auf der Zielgeraden. Die Vorschläge der Ingenieure haben zum Ziel, das Wasser so zu leiten, dass es in den Ortslagen so wenig Schäden wie möglich anrichtet. Oberste Priorität habe immer der Schutz von Leben, dann folge der Objektschutz. Ob und was von diesen Vorschlägen umgesetzt werde, hänge von vielen Faktoren ab, erklärte Lang: etwa von den Kosten und davon, ob benötigte Grundstücke bereitgestellt werden.

Für das gesamte Gebiet der Verbandsgemeinde sind Karten erstellt worden, die Risiken aufzeigen und Lösungsvorschläge unterbreiten. Hochwasserschutz beginne schon bei den Zuflüssen. Und im ganz Kleinen, zum Beispiel bei auf privaten Grundstücken aufgestellten Schuppen, die nach heutigen Maßstäben dort nicht stehen dürften. Entlang der Ortslagen könnten diese sich auf Tausende Kubikmeter summieren, die dann dem Wasser fehlen, um sich ausbreiten zu können, ohne Schaden zu verursachen.

Bürger: Rückhaltebecken nicht ausreichend gesäubert

Ein großes Problem sei die Pflege von vorhandenen öffentlichen Anlagen, stellten Bürger aus Rieschweiler-Mühlbach fest. Zum Beispiel würden vorhandene Rückhaltebecken nicht im erforderlichen Maße gesäubert, seien zugeschwemmt gewesen, hätten nicht die entsprechende Wassermenge aufnehmen können. Ein Entwässerungskanal im Ortsteil Höhmühlbach, der Oberflächenwasser Richtung Schwarzbach transportiert, habe seine Funktion erfüllt. Aber es komme immer öfter sehr, sehr viel Wasser dort an. Unter anderem wird über diesen Entwässerungskanal Wasser von der Pirmasenser Straße abgeführt.

Diese Straße haben die Ingenieure als Schwachpunkt ausgemacht. Was das heiße, wurde gefragt. Der Ingenieur erklärte: Die Kreisstraße sollte hochwassersicherer gebaut sein, mit höheren Randsteinen, sodass die Straße selbst schon mehr Wasser fassen könnte. Anwesende Ratsmitglieder zeigten sich erstaunt. In den Ausbauplanungen für das Jahr 2026 „wurde uns dazu noch nie etwas gesagt“, hieß es.

Ingenieure werden Brücke nochmal unter die Lupe nehmen

Eben deswegen werde das Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzept erstellt, sagte Lang: „Haben sie keines, haben sie keine Chance, irgendwo etwas zu erreichen, weil auf die höheren Kosten verwiesen wird. Haben sie ein Konzept, können sie darauf verweisen, können die Notwendigkeit mancher Maßnahme belegen.“ Doch biete auch ein Konzept keine Gewähr dafür, dass die darin genannten Maßnahmen umgesetzt werden.

Er nannte beispielhaft die Schaffung von Retentionsflächen außerhalb der Ortslagen. Lang verwies auf die Talauen an der B270 von Waldfischbach-Burgalben kommend. Diese hätten ihre Funktion beim Pfingsthochwasser erfüllt. Solche Flächen zwischen den Orten zu schaffen oder vorhandene zu verbessern, helfe dabei, die Abflüsse zu bremsen. So könnten die Wassermassen möglichst schadlos durch die Ortslagen transportiert werden.

Das Ingenieurbüro empfehle auch eine Renaturierung, um den begradigten Bachlauf wieder zurück ins natürliche Bett zu holen. Flutmulden sollten in den Auen angelegt werden sowie Querwälle. Genauer ansehen werden sich die Ingenieure nochmal die Brücke bei Höhmühlbach.

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