Kreis Südwestpfalz Er gab ihnen Brot, Suppe und Bier

Beim Gotteshaus in Weng erinnern der Schulsaal und die Grabstätte der Eltern noch an die Kindheit von Bruder Konrad.
Beim Gotteshaus in Weng erinnern der Schulsaal und die Grabstätte der Eltern noch an die Kindheit von Bruder Konrad.

«Wallhalben/Knopp-Labach/ Weselberg.»Wer Altötting in Niederbayern besucht, der begegnet dort zwei unvergessenen katholischen Ordensbrüdern. Die Rede ist zum einen von dem ehemaligen Bauernsohn Johannes Evangelist Birndorfer vom Venushof in Parzham. Vor 200 Jahren wurde der Heilige des Rottales, Bruder Konrad, nur wenige Kilometer vom bayrischen Kurort Bad Griesbach entfernt, geboren. Der andere ist Carl Keßler aus Harsberg auf der Sickinger Höhe. Der spätere Guardian von Altötting, Pater Josef Anton, wurde vor 150 Jahren als siebtes Kind von Daniel und Margaretha Keßler in Harsberg geboren. Bruder Konrad war das neunte von zwölf Kindern der Bauersleute Gertraud Niedermeyer und Bartolomäus Birndorfer. Nur neun Stunden nach seiner Geburt wurde Johannes in der Wallfahrtskirche Sankt Wolfgang in Weng, einem Ortsteil von Bad Griesbach, getauft. Dort ging der spätere Kapuzinerbruder auch zur Schule. Weitere Besonderheiten aus dem Leben von Bruder Konrad und seine wesentlichen Charakterzüge sind in den Aufzeichnungen von Pater Josef Anton festgehalten. Er hat den Lebensweg des Laienbruders im Zusammenhang mit der Seligsprechung von Bruder Konrad am 15. Juni 1930 und der anschließenden Heiligsprechung in Rom zum Pfingstfest am 20. Mai 1934 durch Papst Pius XI. erforscht. Der Pater von der Sickinger Höhe hat außerdem ein Büchlein über den ehemaligen Pförtner des Klosters Altötting verfasst. Das Büchlein über Bruder Konrad trägt folgenden Titel: „Im Dienste Gottes und der Menschen“. Dieser Satz soll die unermüdliche Bereitschaft des Laienbruders der Kapuziner im Dienste seines Ordens verdeutlichen. In einer der fruchtbarsten Gegenden Bayerns im Rottal sei der Heilige aufgewachsen. Das Tal hatte ertragreiche Wiesen und gute Weiden, auf denen sich damals feurige Rosse tummelten und stattliche Viehherden grasten. Die freundliche Landschaft sei übersät gewesen mit herrlichen Bauernhöfen. Einer dieser Bauernhöfe war der Venushof. Der Hof war ein ansehnliches Besitztum von 125 Tagwerk fruchtbaren Ackerlandes, üppigen Wiesen und dazu noch Wald. Nachdem Johannes eine Zeitlang in weltlichen Kleidern im Kloster verbracht hatte, wurde er als Terziar eingekleidet und bekam den Ordenshabit, aber ohne Kapuze, und dazu noch seinen neuen Namen Konrad. Er wurde dem Pförtner des Klosters als Gehilfe zur Seite gestellt. Bruder Konrad sei glücklich in seinem neuen Beruf gewesen, nachdem er die anfänglichen Schwierigkeiten überwunden hatte. Nachdem der Ordenskandidat Konrad sich bereits zwei Jahre in der Vorschule seines Standes bewährt hatte, fanden die Oberen, dass der junge Mann mit seinem Betragen und den Anlagen geeignet und tauglich für den Kapuzinerorden sei. Darum sandte ihn der Provinzial Pater Michael Haselbeck in das Kloster Laufen an der Salzach, wo damals das Noviziat der Laienbrüder war. In den ersten Septembertagen 1851 sei Bruder Konrad in Laufen angekommen, wo er sich nach der Ordensvorschrift durch Exerzitien auf die Einkleidung vorbereitete. Am 17. September empfing er sein Ordenskleid und gehörte nun endlich zu den Söhnen des heiligen Franziskus. Der Mitarbeiter der RHEINPFALZ war vergangenen Herbst 14 Tage auf den Spuren der beiden Kapuzinerbrüder in ihrem bayrischen Wirkungskreis unterwegs. Er besuchte den Venushof mit dem bäuerlichen Museum, wo sich alles um den Heiligen und seine Familie dreht. Das gut erhaltene Hofgut wird nun zur Ehre des Heiligen Bruder-Konrad-Hof genannt. Die Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag von Konrad endeten am 22. Dezember 2018 mit einem Fackelzug von Parzham zur Kirche nach Weng. Dort gab es einen weihnachtlichen Festgottesdienst im Zeichen des Heiligen. In Altötting gab es von Mai bis Oktober an den Sonntagen Führungen, wo das Wirken von Bruder Konrad im Mittelpunkt stand. Kloster und Kirche tragen heute auch den Namen des in seiner Heimat tief verehrten Kirchenmannes. Zum Jubiläum des Bruder-Konrad-Jahres wurde auch eine Briefmarke mit dem Heiligen gedruckt. Beim Leonhardi-Ritt am 4. November 2018 in Aigen am Inn wurde der Heilige auf besondere Weise verehrt, denn die Kirche in Aigen spielt im Leben des jungen Gläubigen eine besondere Rolle auf dem Weg zu Gott. Zu dieser Kirche hatte er vom Venushof einen Fußweg von fünf Stunden. Der Leonhardi-Ritt dürfte Vorbild für den heutigen Bruder-Konrad-Ritt von Labachs gotischer Kirche nach Wallhalben gewesen sein. Zum Leonhardi-Ritt 2018 kamen 3000 Besucher.

Die schlichte Schlafkammer von Bruder Konrad ist noch im Original auf dem Hofgut zu sehen.
Die schlichte Schlafkammer von Bruder Konrad ist noch im Original auf dem Hofgut zu sehen.
Auf dem Venushof in Parzham, dem heutigen Bruder-Konrad-Hof, wurde Johannes Birndorfer zwei Tage vor Weihnachten 1818 geboren.
Auf dem Venushof in Parzham, dem heutigen Bruder-Konrad-Hof, wurde Johannes Birndorfer zwei Tage vor Weihnachten 1818 geboren.
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