Hauenstein RHEINPFALZ Plus Artikel Einordnung: Unsichere Perspektive erschwert Suche nach Bürgermeisterkandidaten

Fünf Kandidaten bewerben sich um die Nachfolge des Hauensteiner Verbandsbürgermeisters Werner Kölsch.
Fünf Kandidaten bewerben sich um die Nachfolge des Hauensteiner Verbandsbürgermeisters Werner Kölsch.

Am Montagabend um 18 Uhr wird die Bewerberliste für die Wahl des Bürgermeisters der Verbandsgemeinde Hauenstein geschlossen. Mit den freien Bewerbern Tobias Walter und Thomas Weisgerber, den Kandidaten Patrick Weißler und Günter Schneider, die von der FWG beziehungsweise von der CDU unterstützt werden, und dem SPD-Kandidaten Thomas Kästner sitzen immerhin fünf Bewerber auf dem Kandidatenkarussell. Ob noch jemand aufspringt?

Gerade die etablierten Parteien haben sich in den vergangenen Wochen schwergetan. Grüne und FDP haben sich in der K-Frage erst gar nicht gezeigt. Eine ganz schwere Geburt war es bei der CDU. Und Andreas Wilde stellte für die SPD fest: „Die Suche nach geeigneten und interessierten Kandidaten erscheint immer schwieriger.“

Gesucht: die eierlegende Wollmilchsau

Gesucht wurde eigentlich die eierlegende Wollmilchsau. Will sagen: Auf dem Chefsessel im Rathaus bräuchte es eine Persönlichkeit, die über gediegene Verwaltungserfahrung verfügt und die besondere Situation der Verbandsgemeinde in der Causa Verwaltungsreform kennt. Sie sollte den Bürgerwillen, der mit den Vokabeln „Erhalt der Verbandsgemeinde Hauenstein“ beschrieben ist, konsequent umsetzen und den absehbaren Streit – innen und außen – aushalten können.

Wenn man sich den künftigen Verwaltungschef träumen könnte, dann sollte der (oder die) als politischer Kopf der VG die Richtung zeigen und Themen setzen können. Dazu sind Ideenreichtum, Durchsetzungsfähigkeit und Leitungsstärke, Integrationskraft, Talent in der Personalführung und die Fähigkeit zur Empathie nicht hinderlich. Eloquenz und sicheres Auftreten wären überaus hilfreich, wenn Hauensteiner Interessen im Pirmasenser Kreishaus oder in Mainzer Ministerien zu vertreten sind oder die Verbandsgemeinde zu repräsentieren ist. Die Liste ist – unvollständig.

Ansehnliche Dotierung gegen unsichere Perspektive

Was hat die Verbandsgemeinde einer so beschriebenen Persönlichkeit zu bieten? Zunächst: eine ansehnliche Dotierung mit zunächst A15, später A16. Dann aber: eine unsichere Perspektive. Denn was aus der Kommune nach 2022 wird, das steht in den Sternen. Bleibt die VG Hauenstein erhalten? Oder wird sie mit allen Folgen – auch für den Bürgermeister – (zwangs-)fusioniert?

Die andere Frage, die damit zusammenhängt: Wie sind in der verbleibenden Zeit bis 2022 die Voraussetzungen zu schaffen, um die Verbandsgemeinde zu erhalten? Dazu muss zunächst die Verwaltung, bei der personell und – wie man hört – auch atmosphärisch einiges im Argen liegt, optimal aufgestellt werden. Und es müssen jene Kooperationen eingegangen werden, die ein Überleben als (zu) kleine VG erst möglich machen. Allzu viel ist da offensichtlich noch nicht in die Wege geleitet.

Nicht zuletzt: Der neue Chef hat sich mit einem sehr selbstbewussten und eigenwilligen Verbandsgemeinderat, der von einer Koalition aus FWG, SPD und Grünen dominiert ist, auseinanderzusetzen. Die unsichere Perspektive und ein Berg voller politischer und struktureller Probleme haben wohl manchen möglichen Kandidaten abgeschreckt. Deshalb: Respekt vor all denen, die sich trauen. Und Verständnis für alle, die sich scheuen.

x