Einkehr auf dem Dorf
Einkehr in Nothweiler: Drei Gaststätten auf 140 Einwohner
Im Gasthaus in der Ortsmitte standen schon vor Jahrzehnten die Brubachs und die Löschers hinter dem Tresen. 1978 bereicherte Wilhelm Kraft das Dorf mit seinem Café/Pension Kraft in der Schützenstraße. Auch heute hat das gerade 140 Einwohner zählende Dorf mit Hotel, Art Café und Scheune ein gutes Angebot. Ortsbürgermeisterin Nicole Grüny ist zufrieden mit der örtlichen Gastronomie: „Wir sind hier gut aufgestellt. Jedes Lokal ist für sich eine Bereicherung für Dorf und Tourismus. Es gibt keinen Konkurrenzkampf.“ Besonders gefällt ihr die Einrichtung der Erich-Löscher-Stube im Hotel Wegelnburg – „die ist zu einem Treffpunkt für Jung und Alt geworden“.
Französische Lebensart und Pfälzer Gemütlichkeit
Seit 1988 führt die Familie Kraft das Hotel Landgasthaus Zur Wegelnburg. Nachdem sich Seniorchef Willi Kraft vom Betrieb zurückgezogen hat, haben heute Martin und Jasmin Kraft die Verantwortung. Über 80 Sitzplätze verfügt das Gasthaus, 60 weitere gibt es auf der Terrasse. Stolz ist die Familie auf ihr mehrfach prämiertes Haus als Drei-Sterne-Superior-Hotel. Chefkoch Martin Kraft legt Wert auf regionale Produkte und eine moderne Küche. Er bietet klassische Pfälzer Kochkunst, Wild und Lamm aus der Region. Es gibt eine wechselnde und saisonbedingte Karte. Mit kleineren Gerichten geht er auf Wünsche von Senioren ein. Der Original Nothweiler Flammkuchen in verschiedenen Variationen darf nicht fehlen. Der Renner sei Spargel-, Pfifferling- oder Kastanien-Flammkuchen, sagt er. „Dabei gehen wir auf besondere Belag-Wünsche der Gäste ein, die uns oftmals selbst überraschen“, so Kraft schmunzelnd. Kastanien- und Bärlauch-Saumagen werden demnächst wieder auf der Karte stehen. Alles Eigenproduktionen. Am Buffet stellt sich der Gast seine Beilagen selbst zusammen.
Mit den Gästezahlen ist die Familie zufrieden, man sollte reservieren. Die Gäste kommen aus der Region sowie aus Karlsruhe, Ludwigshafen, Mannheim, Köln und dem Elsass. Die Personaldecke sei gut, saisonal arbeite man mit Kräften aus dem Ausland. Zwei Festangestellte und sieben Aushilfen beschäftigt Kraft, der zudem Fachkräfte ausbildet. In der Wegelnburg verfügt er über zwölf Fremdenzimmer mit 24 Betten. Unweit vom Hotel gehört ihm das Haus Belinda mit neun Betten, im ehemaligen Café Kraft bietet er weitere Zimmer mit 16 Betten an. Da fällt reichlich Arbeit an, und ständig muss renoviert und erneuert werden. Erst vor zwei Jahren hat Kraft Wintergarten, Lobby und Rezeption neu gestaltet, die Zimmer modernisiert und mit Wlan versehen. In den Gasträumen wurde für mehr Licht gesorgt. Etwa 500.000 Euro hat er dafür zuletzt investiert. Die Frage der Nachfolge stellt sich für die Familie nicht, der Schwiegersohn ist bereits fest eingebunden.
Die Straßenbaustellen in der Region seien ein Problem, sagt der Hotelier. Sie störten schon seit Jahren seine Kunden. Ein Tempolimit im Dorf würde er begrüßen. Nach seiner Meinung fehlt es an Unterstützung durch die Behörden. Öffnungszeiten: ab 11.30 Uhr durchgehend, Dienstag ist Ruhetag.
Kunst und Kaffee mit Panorama
Gemütliche Atmosphäre kombiniert mit bildender Kunst wird im Art Café von Rosa Klar in der Schützenstraße geboten. Im Februar 2017 eröffnet, ist das Lokal mit 48 Sitzplätzen mittlerweile zu einem Anziehungspunkt geworden. In loser Folge bietet die Künstlerin Ausstellungen und Konzerte an. Es gibt Kaffeespezialitäten von einer Bergzaberner Rösterei, ein vielfältiges Tee-Angebot und hausgemachten Kuchen in wechselnden Variationen. „Am beliebtesten sind die Sahnetorten mit etwas Alkohol, etwa der Eierlikör-, Birnensekt- oder Himbeerjoghurt-Kuchen“, verrät Klar. Für den kleinen Hunger bietet sie überbackenen Schafskäse, traditionellen oder vegetarischen Flammkuchen an. Einem Wiener Kaffeehaus hat sie eines voraus: Wer am Tisch an der Glasfront oder auf der schönen Terrasse Platz genommen hat, genießt einen herrlichen Blick über Nothweiler und die Wasgauberge. Ihre Gäste kommen deshalb nicht nur aus der Region, sondern aus dem Elsass, Mannheim, Ludwigshafen und Karlsruhe. „Ich mache das gerne“, sagt Rosa, „mit einer Nachfolge sehe ich auch keine Probleme“. Die Anzahl der Gäste dürfte aber etwas höher sein.
Beliebter Biergarten
2006 haben Gudrun und Klaus Becker in der Ortsmitte Vetters Scheune eröffnet. Gut bürgerliche Küche und Flammkuchen bot das familiär geführte Lokal mit 50 Sitzplätzen, wobei der Flammkuchen besonders beliebt war, erzählt Gudrun Becker. Das alte Fachwerkhaus von 1740 mit dem Anbau von 1764 ist ein Schmuckstück im Dorf, der Biergarten im Sommer deshalb besonders beliebt. Viele Stammgäste und Wanderer sind hier gerne eingekehrt. Seit jedoch vor wenigen Wochen Gudrun Beckers Ehemann gestorben ist, hat sie geschlossen. Die Tochter möchte das Lokal nicht übernehmen. Gudrun Becker sucht nach einem Pächter. „Ich hoffe, dass wir bis Saisonbeginn wieder öffnen können“, sagt sie. „Wir haben letztes Jahr erst renoviert, ein Pächter kann also direkt einsteigen.“
Im Flammkuchen-Dorf
Ergänzt wird das Ausgeh-Angebot in Nothweiler seit Jahren mit den bekannten Flammkuchen-Tagen, die in den Sommermonaten beispielsweise vom Heimatverein aus dem Dorfbackofen oder im Schützenhaus angeboten werden. Bei den Schützen gibt es die Flammkuchen von Ostern bis Oktober jeden zweiten Samstag im Monat von 14 bis 20 Uhr. Der Vorsitzende Andreas Sicking erzählt: „Wir bieten traditionellen Elsässer Flammkuchen, Varianten mit Ziegenkäse, jahreszeitabhängig mit Feigen, Erdbeeren, Kürbis, Spargel, Kastanien oder Walnuss. Aber auch süßen, flambiert mit Calvados. Alles wird selbst gemacht, frisch zubereitet und im Holzofen gebacken. Im Winter gibt’s Kesselfleisch oder gebackenen Camembert mit Preiselbeeren.“
Fazit
Das kleine Dorf an der Grenze ist gastronomisch gut aufgestellt. Es gibt ein vielfältiges Angebot, besonders an Flammkuchen. Einfach ausprobieren, ein Besuch im Dorf lohnt allemal.