Kreis Südwestpfalz Eine Kapelle für Käshofen

Am Samstag ist es soweit: In der ehemaligen Leichenhalle in Käshofen, die für rund 75 000 Euro zur Kreuzkapelle umgebaut wurde, wird der erste Gottesdienst gefeiert.
„Die Leichenhalle in Käshofen wurde Ende der 60er Jahre gebaut. Und das im damals üblichen Stil“, erläutert Bernhard Bonkhoff, ehemaliger Pfarrer der protestantischen Kirchengemeinde Großbundenbach. „Sie war nicht nur hässlich, sondern auch zu klein. Bei Beerdigungen kam es zwangsläufig zu einer Trennung von Angehörigen und ,Zuschauern’, die in der Halle keinen Platz fanden. Außerdem war sie in einem schlechten Zustand. An den Decken und Wänden wuchs Moos. Ein neuer Anstrich reichte da nicht aus“, erklärt Bonkhoff, was dazu führte, dass die Leichenhalle umgebaut wurde. Die Kreuzkapelle, wie die umgebaute Leichenhalle nun heißen soll, wird am Samstag um 14 Uhr mit einem Gottesdienst eröffnet. Sie soll künftig im kirchenlosen Käshofen Raum für Gottesdienste, kulturelle Veranstaltungen und Konzerte bieten. Bisher fanden die evangelischen Gottesdienste im Dorfgemeinschaftshaus statt. „Im Anschluss gibt es Kaffee und Kuchen im Dorfgemeinschaftshaus“, lädt Bonkhoff ein, der die Festpredigt halten wird. Auch der Käshofer Gesangverein singt. Rund 75 000 Euro kostete der Umbau, der viele Unterstützer fand. „Rund 50 000 Euro wurden gespendet“, lobt Käshofens Bürgermeister Karl Hoffmann die große Spendenbereitschaft. „Den Rest muss die Gemeinde tragen.“ Die Renovierungsarbeiten waren umfangreich: „Die Wand zur Wetterseite, die vorher aus gelbem Drahtglas bestand, wurde durch eine massive Wand mit einem Kirchenfenster ersetzt. Insgesamt hat die Kapelle an zwei Seiten Fenster. Sie stammen von dem Glasmaler und Glasgestalter Eduard Angeli aus Zweibrücken“, so Bonkhoff. Eines davon wurde von den evangelischen Gemeindemitgliedern aus Käshofen mitgestaltet: Hoffmann und Bonkhoff forderten sie auf, Bibelworte einzureichen, die von großer persönlicher Bedeutung sind. Bis Ostern 2014 kamen so 33 Sprüche aus dem Alten und 28 aus dem Neuen Testament zusammen, die nun in das Glas integriert sind. „Außerdem wurde der Fußboden erneuert, und es wurde eine neue Eingangstür mit Kupferbeschlag gesetzt, die von der Zweibrücker Firma Häfner stammt“, berichtet Bonkhoff, der sich vor allem über den neu errichteten Altar mit Altarkreuz und -bibel freut, der die Leichenhalle nun endgültig in ein Gotteshaus verwandelt. Wobei die Kreuzkapelle weiterhin auch als Leichenhalle dient. „Es ist ein schlichter, klassischer Altar“, sagt Bonkhoff. Der in Käshofen ansässige Steinmetzmeister Christian Gabriel habe ihn aus Pfälzer Buntsandstein gehauen. Das Altarkreuz stammt von dem Käshofer Eberhard Kuhn, geschaffen aus einem jahrhundertealten Balken eines örtlichen Dachstuhls. Die Altarbibel habe der 90-jährige Walter Winkler aus Miesenbach sogar mit einer handschriftlichen kalligraphischen Widmung versehen, erläutert Bonkhoff stolz. „Mit den zwei Messingleuchtern und dem handgewebten Altarläufer aus altem Leinen wirkt jetzt alles sehr stimmig, schlicht und qualitativ hochwertig“, ist er zufrieden. Ein neuer Wandverputz und ein neues Beleuchtungskonzept runden das Bild ab. Außerdem dürfen sich die Käshofer neben der zweiten Glocke, die Eberhard Kuhn bereits im letzten Jahr stiftete, nun auch über eine Orgel freuen. „Von Anfang an stand fest, dass die Kapelle auch eine eigene Orgel bekommen soll. Denn neben der Glocke ist die Orgel das wichtigste Kircheninstrument. Sie wurde, genau wie die neuen Kirchenbänke, ersteigert und ist eine Arbeit des bekannten norddeutschen Orgelbauers Wilhelm Führer“, erzählt Bonkhoff. Ursprünglich stamme sie von der Nordseeinsel Borkum, später wurde sie in Dortmund in der Reinoldikirche als Chororgel verwendet. Der Pfarrer im Ruhestand lobt den Einsatz der Bürger: „Ohne die vielen Eigenleistungen der Käshofer, die unter anderem den Vorplatz pflasterten, und das große Engagement von Bürgermeister Karl Hoffmann, der das Arbeitsgerät zur Verfügung gestellt und Maschinen organisiert hat, wäre der Umbau nicht möglich gewesen.“