Südwestpfalz
Ein giftiger Einwanderer wuchert im Wald
Am Rohrwoog bei Hinterweidenthal sind einige Exemplare der Phytolacca americana, so der wissenschaftliche Name der amerikanischen Kermesbeere, zu finden. Forstamtsleiter Michael Grünfelder kennt noch weitere Standorte. Auf der früheren Bauschuttdeponie von Hinterweidenthal sei die Pflanze in Massen zu finden, informiert er. „Die gibt es überall. Wir halten die nicht mehr auf“, sieht Grünfelder keine Chance mehr, den Einwanderer wieder aus dem Wald raus zu bekommen. Auch in der Kernzone des Biosphärenreservats sei die Pflanze angekommen. An manchen Stellen wuchert die Beere derart, dass sich der Spaziergänger in einem Urwald wähnen kann.
Schöne Beeren mit giftigen Wurzeln
Der Klimawandel begünstige aktuell die Ausbreitung der Beere, die in der Pfalz zunächst im Bienwald am Rhein zu finden war und nun über die Südpfalz bis in den Westen gewandert ist. Nach Europa kam die über einen Meter hohe amerikanische Kermesbeere durch die Gärtner, die von den hübschen Beerenständen begeistert waren. Die eignen sich für den menschlichen Verzehr nicht gerade. Es gibt Quellen, die einige wenige Beeren als vertretbar erachten, während andere vor Durchfall, Bauchschmerzen und anderen Folgen nach dem Genuss der Beeren warnen. Die bis zu fünf Meter langen Wurzeln sind auf jeden Fall sehr giftig. Vögel lassen sich die bunten Beeren jedoch gerne schmecken und verbreiten dadurch die Samen. Bis zu 35.000 Samen soll eine Pflanze bilden können.
Buchenwälder halten die Beere im Zaum
Aktuell nutzt die Pflanze freie Flächen in den Wäldern, die durch den Borkenkäferbefall entstanden sind. Dann ist es hell genug für die Kermesbeere, erklärt Grünfelder und nennt auch gleich eine Methode, wie die Beere im Zaum gehalten werden kann: Buchenwälder lassen der Pflanze keine Chance. „Man muss sie intensiv beschatten.“ Von Ausreißaktionen wie in der Südpfalz hält er hingegen nicht so viel. Im Wellbachtal wurde auf diese aufwändige Art eine Fläche wieder frei von der Kermesbeere. Wobei die Ausreißer selbst aufpassen müssen, da sich die Pflanze wehrt: Wenn die Stängel brechen, werden Aerosole freigesetzt, die Atemwege belasten können. „Das Wild frisst es nicht“, so die Beobachtung des Forstamtsleiters.
„Ausreißen allein reicht nicht“, ist Grünfelder überzeugt. Nach dem Ausreißen müsste noch tief gepflügt werden und idealerweise anschließend mit Kunststoffmatten noch der Boden abgedunkelt werden, um Reste der Samen abzutöten. Der Aufwand sei einfach zu groß, weshalb sich Grünfelder darauf einstellt, mit dem Einwanderer leben zu müssen.
Eingeschleppt im 17. Jahrhundert
Eingeschleppt wurde die Pflanze im 17. Jahrhundert für Gartenanlagen und auch als Färbemittel für Rot- und Schwarztöne von Kleidung. Sogar Wein soll damit intensiver gefärbt worden sein. In Gartenmärkten ist die Pflanze noch erhältlich und Grünfelder schätzt, dass über illegal in den Wald gekippten Grünschnitt viele Pflanzen munter verbreitet wurden.