Hauenstein / Dahn
Ein gemeinsames MVZ soll die Ärzteversorgung sicherstellen
Holger Zwick, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Dahner Felsenland, und Patrick Weißler, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Hauenstein, verkündeten am Mittwoch bei einem Pressegespräch stolz, was die beiden Verbandsgemeinderäte am Abend zuvor mit ihren Grundsatzbeschlüssen ermöglicht hatten: Die beiden Verbandsgemeinden wollen gemeinsam ein kommunales Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) aufbauen, um die ärztliche Versorgung zu verbessern und langfristig sicherzustellen.
„In Hauenstein ist es fünf vor zwölf, in Dahn ist es schon zehn nach zwölf“, beschrieb Weißler die Situation. Denn im Bereich Dahn sind sieben Arztsitze unbesetzt. Die Kassenärztliche Vereinigung beschreibt die Situation als drohender Ärztemangel. Schließt noch eine Praxis, dann herrscht im Dahner Tal ein Ärztemangel. Besonders schwierig ist die Situation im Sauertal, wo es keinen Hausarzt mehr gibt. Aktuell setzt die Kassenärztliche Vereinigung eine mobile Arztpraxis in Bruchweiler-Bärenbach ein.
Von Kommunalaufsicht abhängig
„Wir haben uns ein Jahr lang intensiv mit dem Thema beschäftigt, haben es mit privaten Betreibern versucht“, erinnerte Zwick an die Bemühungen, Interessenten für ein MVZ im Dahner Felsenland zu finden. „Die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung ist keine Aufgabe der Verbandsgemeinde“, sagte Weißler. „Sie betrifft aber den Bereich der Daseinsvorsorge. Und da ist es elementar, eine ärztliche Grundversorgung vor Ort zu haben“, ergänzt er. Im Moment sei die Versorgung in Hauenstein gesichert, aber es zeichne sich ab, dass ein Arzt in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen werde. Darauf bereite man sich mit der Gründung des MVZ vor. „Die Politik muss die Infrastruktur dafür schaffen, sonst funktioniert das auf dem Land nicht“, betont Zwick. In solchen Fällen wie in Dahn, wo es nicht gelungen sei, ein privates MVZ zu verwirklichen und auch die Kassenärztliche Vereinigung keine Dauerlösung parat habe, „muss es einer Verbandsgemeinde erlaubt werden, die Infrastruktur zur Verfügung zu stellen“, betonte Zwick.
Alles, was nicht zu den Pflichtaufgaben gehört, ist allerdings eine freiwillige Leistung. Und die bedarf bei Kommunen mit defizitären Haushalten, wie sie Dahn und Hauenstein haben, der Zustimmung der Kommunalaufsicht. Das ist die große Hürde auf dem Weg zum kommunalen MVZ.
Zwei gleichberechtigte Partner
Die beiden Verbandsgemeinden beabsichtigen, eine gemeinsame Gesellschaft zu gründen, an der jeder 50 Prozent der Anteile hält und bei der die Partner gleichberechtigt sind. Zunächst soll eine Zentrale in Dahn entstehen. Denkbar sei, dass man mit mindestens zwei angestellten Ärzten beginne, sagte Zwick und sprach von einem Stufenmodell. Von Dahn aus werde man dann versuchen, die Situation im Sauertal zu verbessern. „In Dahn und im Sauertal ist die Not am größten“, sagte er. Möglicherweise könnten dann drei bis vier Ärzte im MVZ angestellt werden, mit denen man die Zweigstellen bedient oder besetzt. „Es wird Zweigstellen in verschiedenen Größen geben. Wir überlegen uns noch, wie wir in die Fläche kommen“, ergänzte Zwick. Vorgesehen sind Niederlassungen oder „Satelliten“ in Fischbach und in Hauenstein.
In Fischbach sollen Räume im alten Rathaus als Arzt- und Behandlungszimmer genutzt werden. 170.000 Euro aus den Mitteln des Regionalen Zukunftsprogramms will die Verbandsgemeinde dafür verwenden. Ärzte aus dem MVZ sollen dann regelmäßig Sprechstunden in Fischbach abhalten. „Wir werden es nicht schaffen, in Fischbach wieder eine vollwertige Praxis zu installieren. Aber wir wollen nicht mobilen Menschen und chronisch Kranken die Möglichkeit bieten, dass regelmäßig ein Arzt in den Ort kommt“, erklärte Zwick.
Nach Bedarf wachsen
Das MVZ soll nach seiner Gründung nach Bedarf größer werden. „Wir wollen mit dem Markt wachsen, keine Konkurrenz für die bestehenden Arztpraxen sein“, betonte Zwick. „Dort, wo etwas wegfällt, kommen wir“, ergänzte er. In Hauenstein soll das MVZ erst dann aktiv werden, wenn eine Praxis geschlossen wird. Ziel ist es, dass Hauensteiner Patienten weiterhin einen Hausarzt in Hauenstein haben und nicht nach Dahn an den Sitz des MVZ fahren müssen, betonte Weißler.
Beide möchten die Gründung der Gesellschaft möglichst schnell über die Bühne bringen. „Wir haben im Vorfeld schon viel gemacht, wenn wir die Erlaubnis haben, können wir einiges davon schnell umsetzen“, erklärte Zwick. Zunächst sei es nicht beabsichtigt, ein Gebäude für ein MVZ zu bauen. „Wir haben mehrere Angebote zur Miete von geeigneten Flächen, sogar mit Erweiterungsmöglichkeiten“, sagte der Dahner Bürgermeister. Es gibt in der Stadt Dahn ein baureifes Grundstück, das für diesen Zweck geeignet ist.
Lieber angestellt praktizieren
Sorgen, kein medizinisches Personal zu finden, machen sie sich nicht. „Junge Ärzte wollen heute nicht mehr als Landärzte arbeiten, weil der Verwaltungsaufwand zu groß ist. Sie wollen aber als Angestellte eines MVZ arbeiten“, betonte Zwick. Niedergelassene Ärzte hätten signalisiert, dass sie sich vorstellen können, auch nach der Aufgabe ihrer Praxis tage- und stundenweise in einem MVZ mitzuarbeiten.
Die MVZ-Gründung soll mit der Beratungsgesellschaft Dostal und Partner erreicht werden, sie habe bereits mehrere Gründungen begleitet. „Dort, wo man sich auf den Weg gemacht hat, ist es auch gelungen“, sagte der Dahner Bürgermeister und gibt sich optimistisch, dass das auch beim kommunalen MVZ Wasgau klappt.
