Waldfischbach-Burgalben
Ein Gedenkort für Sternenkinder
Mit Blick auf die Wallfahrtskirche ist jener Friedhofsabschnitt gelegen, auf dem für die Sternenkinder eine Skulptur errichtet wird. Dazu kommen ein Grabfeld, in dem die Kinder beerdigt werden können, und ein Erinnerungsfeld.
Dieses Erinnerungsfeld sollen Angehörige von Sternenkindern nutzen können. Unabhängig davon, wo die Kinder beerdigt sind. Es sei von Projektbeginn an klar gewesen, sagt Pfarrer Volker Sehy, Direktor von Maria Rosenberg, dass ein Ort für Menschen aller Konfessionen entstehen soll. Das Projekt werde als Teil des diakonischen Auftrags der Kirche gesehen. „Es soll ein schöner Ort sein“, unterstreicht der Direktor des Rosenbergs.
„Es fehlt immer ein Kind“
Die Idee konkretisierte sich im Sommer und stößt auf hohe Resonanz. „Mit dem Thema wird mittlerweile offener umgegangen“, sagt Diakon Steffen Dully. In den vergangenen Monaten haben er und Sehy erfahren, wie viele Menschen sich persönlich mit dem Thema Sternenkind auseinandersetzen müssen. Und sie haben erfahren, dass für alle Betroffenen gilt: „Es fehlt immer ein Kind“, sagt Dully. Kinder loszulassen, das sei für Eltern immer schwer, sagt Sehy. Besonders schwer sei es, ein Kind loszulassen, das das Licht der Welt noch nicht erblickt hat oder kurz nach der Geburt stirbt. Für Menschen, die dieses Schicksal teilen, soll der Platz geschaffen werden, an dem sie ihren Kindern gedenken können. Dafür sei der Rosenberg „ein angemessener Ort“, unterstreicht Sehy.
Amerikanisches Ehepaar gibt Anstoß
Den Anstoß für das Projekt gab es durch Begegnungen mit einem amerikanischen Ehepaar, das in Ramstein stationiert war. Erin und Christopher Biery haben zwei Kinder und drei Sternenkinder. Durch ihre Stationierung in Ramstein kam ein enger Kontakt zu Maria Rosenberg zustande. Die Sternenkinder der Bierys waren oft Thema. Bedingt durch den Beruf, als Soldat an verschiedenen Orten stationiert zu werden, wurden sie an verschiedenen Orten bestattet. Die Bierys wünschten sich deshalb einen zentralen Ort, an dem sie ihrer Kinder gedenken können. Diesen zentralen Ort, an dem Familien ihrer Kinder gedenken können, „den schaffen wir hier“, sagt Sehy über das Projekt.
Bei dem Bildhauer Siegfried Keller aus Harthausen wurde eine Skulptur bestellt, die gemeinsam entwickelt wurde, und die zum zentralen Ort der Gedenkstätte werden soll. Es soll Sitzgelegenheiten geben, um sich die Zeit zu nehmen, zu verweilen und sich zu erinnern. Rund um die Skulptur können Sternenkinder beigesetzt werden. Und es wird ein Erinnerungsfeld angelegt.
Finanzierung über Spenden
Finanziert wird das Gesamtprojekt über Spenden. 25.000 Euro, schätzt Sehy, sind notwendig. Er freut sich, dass bereits 7500 Euro an Spenden zusammen kamen. Für ihn und Dully gleichfalls ein Beleg dafür, „dass dieses Projekt vielen Menschen sehr am Herzen liegt“. Katharina Ritter-Schardt und Matthias Schmitt, beide in verschiedenen Positionen in der Diözese Speyer tätig, haben zum Beispiel eine Postkarte für das Projekt entworfen. Fünf Euro kostet diese und der Erlös fließt ins Sternenkinder-Projekt, für das ein Spendenkonto eingerichtet wurde.
Ein großes Banner im Durchgang vom Wallfahrtshof hin zur Grotte weist auf das Projekt hin. Es unterstreicht, dass es aus einer deutsch-amerikanischen Freundschaft heraus entstanden ist. Es wird in deutscher und englischer Sprache informiert. Miscarriage baby heißen Sternenkinder bei den Amerikanern.
Ein Ort, an dem die Kinder nie allein sind
Dass sich Familie Biery Maria Rosenberg als Gedenkort wünschte und viele Betroffene diesen Wunsch offenkundig teilen, habe bei den Bierys den Hintergrund gehabt, dass der Rosenberg für sie ein spiritueller Ort ist, „ein Ort, an dem ständig gebetet wird, ein Ort, an dem ständig Kerzen brennen und die Kinder nie allein sind“, sagt Dully. Es sei ein Ort, an dem der Glaube präsent gelebt werde.
Die enge deutsch-amerikanische Verbindung bei diesem Projekt soll auch bei der Einweihung des Gedenkplatzes für die Sternenkinder unterstrichen werden. Eingeweiht werden soll die Gedenkstätte, wenn die Pandemie es zulässt, im Sommer 2022. Geplant ist, dass der amerikanische Erzbischof für militärische Dienste, Timothy Broligio, den Gedenkort für die Sternenkinder einweihen wird.
Gesprächspartner sollen helfen
Das Sternenkinder-Projekt beinhalte aber nicht nur, einen Ort zu schaffen, „sondern es wird verschiedene Projekte dazu geben, vor allem ein Team, das für die Menschen als Gesprächspartner da ist“, unterstreicht Sehy. „Das wollen wir so offen gestalten, wie es geht“, ergänzt Dully. Dieses Team werde gerade zusammengestellt. Da spiele der Kontakt zu den Kollegen, zum Beispiel in der Homburger Klinik, zur Familienbildungsstätte in Pirmasens eine ganz entscheidende Rolle. „Dass wir uns untereinander vernetzen, ist wichtig“, sagt Dully. Für Betroffene sei der seelsorgerische Kontakt in der Klinik oft der erste Kontakt. „Da wird hervorragende Arbeit geleistet“, wissen Dully und Sehy, die auch in Kontakt zum Verein Sterneltern im Saarland stehen.
Im März diesen Jahres hat Papst Franziskus das Jahr der Familie ausgerufen, das Ende Juni 2022 mit einem Weltfamilientag in Rom enden wird. „Wir haben uns gedacht, das, was die in Rom können, können wir auch“, sagt Dully augenzwinkernd. Im Juni soll ein großes Familienfest auf Maria Rosenberg gefeiert werden. Für Familien in allen Lebenslagen ein Angebot schaffen, ist einer der Schwerpunkte auf Maria Rosenberg. Das Sternenkinder-Projekt ist jetzt noch dazu gekommen.
Abgesehen vom Domkapitularischen Friedhof in Speyer ist der Friedhof von Maria Rosenberg der einzige in der Diözese Speyer, der kirchlich getragen ist. Die Wege werden aktuell saniert.
Spenden
Wer das Sternenkinder-Projekt auf Maria Rosenberg mit einer Spende unterstützen möchte: Geistliches Zentrum Maria Rosenberg, IBAN: DE 61 5425 0010 0050 0002 15, Verwendungszweck: Sternenkinder. Auf der Homepage von Maria Rosenberg kann auch online gespendet oder eine Postkarte erworben werden.