RHEINPFALZ-Redaktionsgespräch
Ein Bürgermeister mit vielen Baustellen
Der Tourismus alleine kann die Zukunft der Verbandsgemeinde Hauenstein nicht sichern, sagte Bürgermeister Patrick Weißler im Gespräch mit der RHEINPFALZ-Redaktion. Dazu gehört auch das Gewerbe. Er kann aber ein Standbein sein. Dazu müsse aber umgedacht werden. „Tourismus macht nicht an der Kreisgrenze halt“, ergänzte Weißler. Wie seine Bürgermeisterkollegen Wolfgang Denzer (Rodalben) und Klaus Weber (Pirmasens-Land) forderte er, den „Tourismus neu zu denken“. Bislang werde „viel zu viel im Klein-Klein“ betrachtet, „man muss aber den großen Wurf machen“, sagte Weißler. Als Bürgermeister könne man so etwas mit anstoßen, die Entscheidungen müssten aber in den politischen Gremien getroffen werden.
Die Touristiker der Südlichen Weinstraße seien etwa in Vereinen organisiert, das treffe in der Südwestpfalz nur auf die beim Kreis angesiedelte Südwestpfalz Touristik zu. „Wir denken auch darüber nach, wie wir das anders organisieren können“, sagte er mit Blick auf die Verbandsgemeinde Hauenstein und ergänzte: „Es stellt sich schon die Frage, ob eine Vereinsstruktur nicht besser wäre.“ Insgesamt sollten Strukturen aber verschlankt werden. „Wir brauchen nicht so viele Zwischenebenen“, erklärte er.
Hoffen auf private Investoren
Weißler wünscht sich im touristischen Bereich Investoren für die Verbandsgemeinde. „Ich kann als Kommune ja nicht selbst investieren“, bemerkte er. „In Dahn gibt es zwei, drei Familien, die pushen sich gegenseitig“, ergänzte Weißler mit Blick ins Dahner Felsenland, wo durch private Investoren touristische „Flaggschiffe“ entstanden seien.
Nachdem es zuletzt in Sachen Kommunal- und Gebietsreform ruhig gewesen war, kommt dieses Thema wieder auf den Tisch. „Im dritten oder vierten Quartal wird es Gespräche mit Mainz geben, was bisher gelaufen ist, ob das ausreicht, oder ob noch mehr getan werden muss“, sagte Weißler. Als Bürgermeister war er angetreten, um die Eigenständigkeit der Verbandsgemeinde zu erhalten, von deren Leistungsfähigkeit er nach wie vor überzeugt ist. Weißler will mit den umliegenden Verbandsgemeinden Gespräche über Kooperationen aufnehmen. „Als ich ins Amt kam, war ich für die Kollegen ja ein komplett unbeschriebenes Blatt. Es wäre darum gegangen, sich abzutasten, Vertrauen zu bilden, das ging in der Corona-Pandemie nicht so schnell“, bemerkte er. Bei Kooperationen müsse es passen, das sei nicht immer der Fall, bemerkte Weißler und nannte den Bereich kommunale Vollstreckung als Beispiel, bei dem die Kooperation nicht funktionierte.
Verwaltung als doppelte Baustelle
Die eigene Verwaltung ist eine doppelte Baustelle, zum einen beim Personal, zum anderen beim Gebäude. „Wir haben ein Problem, Personal zu gewinnen“, sagte Weißler. Derzeit gebe es altersbedingt einen größeren Umbruch, offene Stellen müssten besetzt werden. Das Verwaltungsgebäude platzt aus allen Nähten, es müsste saniert und erweitert werden. „Was das Gebäude betrifft sind wir an einem Punkt, wo wir sagen müssten, jetzt machen wir es neu“, bemerkte der Bürgermeister. Neben der energetischen Sanierung besteht beim Brandschutz Handlungsbedarf, eine Aufstockung des Gebäudes ist im Gespräch. Demnächst soll sich der Rat mit Zahlen befassen.
Als „überemotional“ bezeichnete Weißler die Diskussion über den Bau von Windkraftanlagen auf dem Langerkopf. Durch die Energiekrise im Zuge des Ukraine-Kriegs hat das Thema an Brisanz gewonnen. Ob der Pfälzerwald als Standort für Windenergieanlagen in Frage komme, müsse politisch geklärt werden. „Momentan brauche ich die Diskussion nicht zu führen“, sagte Weißler mit Blick auf die Haltung des MAB-Komitees, die über den Status des Biosphärenreservates wacht. Erst wenn sich dort etwas ändere, könne man das Thema wieder aufgreifen. „Wir machen es dann, wenn wir es machen dürfen“, sagte er. Derzeit lehnt das MAB-Komitee Windräder im Pfälzerwald ab.
Felsnase als Versuchsballon
Ein anderes emotionales Thema ist die B10. „Ja, ich will die durchgängige Vierspurigkeit“, betonte Weißler. Die Frage sei, wie man das hinbekomme. „Wir versuchen das möglichst Beste für die Verbandsgemeinde herauszuholen“, sagte er. Aber man müsse auch in der Lage sein, Kompromisse einzugehen. Die Verbandsgemeinde Hauenstein bevorzugt den Bau einer neuen Trasse, die sogenannte Südvariante, der Landesbetrieb Mobilität zieht den Ausbau im Bestand vor. Weißler will abwarten, wie es am neuralgischsten Punkt, der Felsnase, weitergeht. „Wenn das Abtragen des Felsens unter Verkehr bei möglichst geringen Einschränkungen funktioniert, dann ist auch der Ausbau im Bestand möglich“, bemerkte Weißler. Die Region benötige einen Ausbau der B10, „um wirtschaftlich attraktiv zu sein“, betonte der Bürgermeister. Auch wenn man sich höhere Einnahmen aus dem Tourismus erhoffe, sei man auf die Ansiedlung von Gewerbe angewiesen. Und da gebe es im Bereich Hauenstein/Wilgartswiesen an der B10 noch Potenzial.