Lug / Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Ameisenhaufen zieht ins Museum um

Die Ameisenumsiedler (von links) Andreas Hieb und Frank Hoffmann, Waldpädagoge aus Mannheim, daneben etwas verdeckt ist Gerald S
Die Ameisenumsiedler (von links) Andreas Hieb und Frank Hoffmann, Waldpädagoge aus Mannheim, daneben etwas verdeckt ist Gerald Schwamm. Vorne kniet Manuel Schwamm, daneben Joachim Memmer, der die Tonne bereithält.

Was für eine Aktion: Mitglieder der Wasgau-Ameisenfreunde Erfweiler haben einen Ameisenhaufen fachmännisch aus einem Waldstück bei Lug ins Historische Museum der Pfalz nach Speyer umgesiedelt. Dort ist das Ameisenvolk mit dem lateinischen Namen Formica Polyctena, bekannt als „Kahlrückige Waldameise“, aus dem Wasgau nun in der Ausstellung „Expedition Erde“ zu bewundern.

Das, was die Ameisenfreunde aus Erfweiler getan haben, war keine Aktion für die Galerie. Genau genommen handelte es sich um eine „Notumsiedlung“ des Ameisenvolks, denn der Ameisenhaufen störte Anwohner. Er befand sich oberhalb der Kindertagesstätte in einer künftigen Hofeinfahrt, informiert Manuel Schwann von den Ameisenfreunden. Geplant war die Umsiedlung schon länger, jedoch halten die Ameisen von Winteranfang ab bis zum Frühjahr Winterschlaf, deshalb wurde der Umzug erst jetzt vollzogen. Jetzt wohnen die fleißigen Krabbler bis Ende Juni im Historischen Museum der Pfalz in Speyer und sind Teil der Ausstellung „Expedition Erde“.

„Bei der Aktion ging es darum, dass die fleißigen Ameisen bei ihrer Arbeit beobachtet werden können“, erzählt Manuel Schwamn. Er war bei der Umsiedlung mit Spaten und Schippe dabei, ebenso wie die Vorsitzenden Jörg Hirschinger und Peter Hofmann sowie weitere „Heger“, wie die speziell ausgebildeten Experten zum Umsiedeln der Ameisen heißen.

Vier blaue Umzugstonnen

„Wir haben vier Heger im Verein“, erzählt Joachim Memmer, der einer davon ist. Wie so ein Ameisenhaufen transportiert wird, erklärt der Fachmann auch: Zunächst wird inmitten des äußeren sichtbaren Ameisenhaufens nach unten gegraben. Bei dieser Waldameisenart handele es sich um ein sogenanntes polygones Volk, es hat bis zu 1000 Königinnen. Die wiederum legen ihre Eier zumeist in eine abgestorbene Wurzel. Diese Wurzel wurde ausgegraben und zum Transport vorsichtig in eine Tonne gelegt. „Alles mit der Hand“, merkt Schwamm an. Vier blaue Plastiktonnen wurden mit dem Ameisenhaufen befüllt und dann ins 48 Kilometer entfernte Speyer gebracht.

Der Ausstellungsraum war schon vorbereitet. Ihr neues Zuhause auf Zeit, eine große Glasvitrine, war bereits befüllt mit einer Erdschicht, wie man sie auch im natürlichen Lebensraum vorfindet. Zunächst sei Bienenfutterteig, nicht nur eine Leibspeise der Biene, sondern auch der Ameise, zugefüttert worden, bevor die vier Tonnen in umgekehrter Reihenfolge, also zuerst die mit der Königin, wieder ausgebreitet wurden. „Den Rest machen die Ameisen in Eigenregie“, berichtet Schwamm. Er stehe im Kontakt mit den Verantwortlichen der Ausstellung, die berichtet haben, dass sich das Zuhause der Ameisen bereits verändert habe.

In Lug wartet bei Rückkehr ein Ameisenparadies

Die Ameisen haben genug Lebensraum in der Ausstellungshalle, sodass man quasi von artgerechter Haltung sprechen kann. Den Wert beschreibt der Fachmann so: „Sie bringen in der freien Natur dadurch, dass sie ihre Nester mit kleinen Zweigen bauen, Sauerstoff in den Waldboden und verbessern die Qualität des Bodens.“ Der Ameisenstaat ist hierarchisch in verschiedenen Funktionen wie Nahrungsbesorgung, Sicherheit und Transport strukturiert. Jede Waldameise erfüllt eine Funktion, damit alles reibungslos klappt. Sie sind sehr ordnungsliebend, man könnte sagen, sie haben einen Putzfimmel, indem sie den Wald aufräumen, Aas fressen und deshalb auch Gesundheitspolizei genannt werden.

Im Juni, wenn die Ausstellung beendet ist, heißt es für die Ameisen noch einmal umziehen, dann geht es wieder zurück nach Lug, nur nicht in die Hofeinfahrt, sondern in Absprache mit der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd, die für die unter besonderem Schutz stehende Ameisenart zuständig ist, an einen besonders geeigneteren Platz, einer Art Ameisenparadies.

Info

Die Ausstellung „Expedition Erde“ im Historischen Museum der Pfalz in Speyer ist dienstags bis sonntags sowie an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Im Internet: www.expedition-erde-ausstellung.de.

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