Wirtschaftsleben RHEINPFALZ Plus Artikel Edles Holz für edle Tropfen

Michael Fleischmann (links) und Marcus Vetter (rechts) haben sich mit ihrer Küferei Fasswerk im Hinterweidenthaler Industriegebi
Michael Fleischmann (links) und Marcus Vetter (rechts) haben sich mit ihrer Küferei Fasswerk im Hinterweidenthaler Industriegebiet niedergelassen. Von hier aus beliefern sie Winzer in ganz Deutschland.

Seit dem vergangenen Sommer werden im Industriegebiet vor den Toren Hinterweidenthals hochwertige Fässer hergestellt. Fasswerk heißt das Unternehmen von Michael Fleischmann und Marcus Vetter, die einen Küfer-Traditionsbetrieb aus Bad Dürkheim übernommen haben. Dass sie in die Südwestpfalz zogen, überrascht.

Seit dem 1. August produzieren Michael Fleischmann und Marcus Vetter Holzfässer im Hinterweidenthaler Industriegebiet Süd. Das Zwei-Mann-Unternehmen hat sich auf dem Gelände der Energieholz Fleischmann angesiedelt. Die Wurzeln des Unternehmens liegen im südpfälzischen Bad Dürkheim. Fleischmann und Vetter haben in der Küferei Gies in Bad Dürkheim ihre Ausbildung absolviert. Die Gies-Ursprünge reichen bis ins Jahr 1861 zurück. Damals gründete der Deidesfelder Jakob Gies einen Weinbaubetrieb mit Küferei. Erst 2010 gab Nachfahre Michael Gies den Weinbau auf. Als er sich als Küfer zurückziehen wollte, suchte er Nachfolger. „„Marcus kam auf mich zu und hat gefragt, ob wir das zusammen machen wollen“, erzählt Fleischmann, der bei Gies als Küfer ausgebildet wurde und bis 2007 dort arbeitete. Dann gründete er zusammen mit seinem Vater die Energieholz Fleischmann, die in Hinterweidenthal Brennholz herstellt und vertreibt.

Weil der Standort Bad Dürkheim für die Küferei zu klein war und keine Erweiterungsmöglichkeiten mehr bot, war den neuen Inhabern rasch klar, dass sich das Unternehmen etwas Neues suchen muss. Vatter wohnt in Bad Dürkheim, Fleischmann ist seit 2019 in der Südwestpfalz heimisch geworden, wohnt in Pirmasens. „Meine Frau kommt aus Thaleischweiler-Fröschen“, sagt er. Die Südwestpfalz wäre als Standort eigentlich nicht in Frage gekommen, hätte es nicht den bereits vorhandenen Familienbetrieb auf dem ehemaligen Gelände der Westpfälzischen Holzindustrie gegeben.

Keine Platzprobleme mehr

„Ich war ja hier auf dem Gelände schon länger“, bemerkt Fleischmann. „In der Vorderpfalz ist das nicht bezahlbar. Hier haben wir keine Platzprobleme“, ergänzt er. Probleme mit den Nachbarn sind auch nicht zu erwarten. „In Bad Dürkheim war die Küferei in einem Mischgebiet“, berichtet er. Die Produktion ist mit Geräusch verbunden. „Bis ein Fass fertig ist, braucht es viele Hammerschläge“, sagt er.

Von Mai bis Juli lief im vergangenen Jahr der Umzug, seit August werden bei Hinterweidenthal Fässer hergestellt. „Wir haben zwei Hallen und nutzen die Sägehalle mit“, sagt Fleischmann.

Fassungsvermögen bis zu 25.000 Liter

„Theoretisch können wir Fässer mit einem Fassungsvermögen von bis zu 25.000 Liter bauen“, sagt Marcus Vetter. 2018 hat er seine Meisterprüfung als Jahresbester absolviert, seit 2019 ist er Betriebswirt des Handwerks. Vetter ist stellvertretender Bundesvorsitzender des Verbands des Deutschen Fass- und Weinküfer-Handwerks.

In der Regel fassen die Fässer des Fasswerks in runder oder ovaler Form zwischen 600 und 15.000 Liter. „Wir beliefern Kunden in ganz Deutschland“, erzählt Fleischmann, Schwerpunkte seien die Pfalz, Baden und Rheinhessen. Vatter betont, dass jedes Fass auf die Wünsche des Winzers zugeschnitten ist. „Es kommt immer darauf an, welchen Wein er machen will“, bemerkt er.

Alle Teile aus der Region

Die beiden Küfer verwenden für ihre Fässer ausschließlich Eichenholz, und zwar getrocknetes aus dem Pfälzerwald. Das Unternehmen ist Partnerbetrieb des Biosphärenreservats Pfälzerwald. Auch die anderen Materialien beziehen sie aus der Region. „Alle Zulieferer sind aus einem Umkreis von 200 Kilometern“, sagt Fleischmann. Der Stahl kommt aus dem Saarland, das Edelstahlzubehör aus Stuttgart.

Das Holz von hier sei kein normales Holz. „Wir verwenden spiegelgeschnittenes Holz“, erzählt Fleischmann, dafür käme nur völlig gerade gewachsenes Holz infrage. Die Preise sind stark gestiegen, der Markt sei umkämpft. „Hier geht es um Eichenstämme auf höchstem Niveau“, bemerkt Fleischmann. Die seien auch in der Möbelindustrie als Furnierholz sehr gefragt.

Auszubildende gesucht

Die Stammkunden der Küferei Gies sind den Fasswerk-Machern nach dem Umzug treu geblieben, die Nachfrage ist gut, die Auftragsbücher sind voll. Ihren Schritt in die Selbstständigkeit und den Umzug in die Südwestpfalz haben sie nicht bereut. „Wir wussten, was auf uns zu kommt, die Arbeit war uns nicht fremd“, bemerkte Vatter. Möglichst bald wollen sie junge Menschen in ihrem Handwerk ausbilden. „Auch hier ist es schwierig, Nachwuchs zu finden.“

Küferei Fasswerk Hinterweidenthal, Marcus Vetter (links) und Michael Fleischmann (rechts).
Küferei Fasswerk Hinterweidenthal, Marcus Vetter (links) und Michael Fleischmann (rechts).
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