Kreis Südwestpfalz DRK fährt keine Kinder mehr

Die Beförderung der Schüler zur Landstuhler Förderschule der Reha Westpfalz soll ab dem nächsten Schuljahr eine Firma aus Mainz übernehmen. Der DRK-Kreisverband Kaiserslautern-Land, der seit 1967 diese Aufgabe wahrnahm, kommt nicht mehr zum Zug. Bis zu 60 Beschäftigte des Wohlfahrtsverbands sind betroffen.
DRK-Kreisgeschäftsführer Michael Nickolaus überbrachte die Nachricht gestern Morgen bei einer Betriebsversammlung in Landstuhl. Dort hat die private Förderschule ihren Sitz. Der Kreis Kaiserslautern ist gesetzlich für die Ausgestaltung des Nahverkehrs zuständig, der auch die Schülertransporte umfasst. Eine europaweite Ausschreibung ist hier Vorschrift. Laut Landrat Paul Junker hat der Kreistag den Auftrag an den günstigsten Bieter vergeben. Es handelt sich nach Informationen der RHEINPFALZ um die Mainzer Firma Sonnenschein OHG. Der Vertrag soll ab dem kommenden Schuljahr für fünf Jahre laufen. „Ich möchte keine Schelte an der Kreisverwaltung üben oder den Kreistag kritisieren“, sagt Nickolaus. Es dürften aber nicht allein die Kosten zählen. Bewährte Standards – seit 1967 befördert das DRK mehrfach behinderte Kinder – blieben auf der Strecke. So habe man den Fahrern eine Extrazeit fürs Reinigen der Fahrzeuge eingeräumt. Auch die Zeit, die die Kinder zum Ein- und Aussteigen brauchen, werde berücksichtigt. Nickolaus: „Ein Privater kalkuliert einfach mit Kilometerzahl und Fahrzeit.“ Die kleinen Passagiere müssen mit der Veränderung zurechtkommen. Gravierend seien die Einschnitte für die Menschen, die das DRK nicht mehr beschäftigten kann. Nickolaus geht von 55 bis 60 Betroffenen aus – meist Teilzeitkräften. Er schließt nicht aus, dass sie bei der Sonnenschein OHG unterkommen könnten, wenn auch wohl zu schlechteren Bedingungen. Dafür will sich auch Landrat Paul Junker einsetzen. Nicht zum ersten Mal wurde die Schülerbeförderung europaweit ausgeschrieben. 2007/2008 erhielt der DRK-Kreisverband den Auftrag. Nickolaus: „Zu dem Preis, zu dem wir heute noch fahren.“ Damals sei in die Ausschreibung eingeflossen, dass das DRK mit Erdgasfahrzeugen fährt, was diesmal nicht berücksichtigt wurde. Offiziell ist die Auftragsvergabe noch nicht, da noch einige Tage eine Einspruchsfrist läuft. Viel Hoffnung will Nickolaus den DRK-Mitarbeitern aber nicht machen. (dre)