Kreis Südwestpfalz Dreyer verlangt Zusagen
Die unter der Bedrohung von Fahrverboten und ungeklärter Fragen der Nachrüstung einbrechenden Zulassungszahlen für Autos mit Dieselmotoren belasteten die Mitarbeiter von Bosch in Homburg immer mehr. „Was sich in den ganzen Diskussionen um den Diesel abspielt, ist gelinde gesagt ein Drama“, sagt Malu Dreyer (SPD). Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin verlangte gestern beim Zukunftskongress von Bosch-Gesamtbetriebsrat und IG Metall von der Bosch-Geschäftsführung, den Standort durch neue Produkte zukunftssicher zu machen. „Bosch in Homburg ist für die Westpfalz unverzichtbar“, sagte Dreyer.
„Bosch in Homburg braucht ein zweites Standbein neben der Dieseltechnik. Die gesamte Automobilindustrie steht derart vor Veränderungen, Stichwort Digitalisierung, Stichwort Elektro-Fahrzeuge, dass ein Standbein allein keine Stabilität mehr verleiht. Es geht in Homburg auch um 1700 Arbeitsplätzen von Westpfälzern. Wir müssen den Standort halten“, legte die Ministerpräsidentin erneut ein klares Bekenntnis für den größten Industriearbeitgeber der Saarpfalz ab. Wo sie unterstützen könne und wann immer sie bei der Bosch-Konzernspitze vorstellig werden soll, werde sie das tun. Sie stehe beim Betriebsrat der Dieselwerke in Homburg im Wort. „Und glauben Sie mir, ich bekomme schon einen Termin in Stuttgart“, sagte Dreyer den rund 50 Mitgliedern des Gesamtbetriebsrates, die seit 20 Jahren das erste Mal in Homburg zusammenkamen. Anlass war die Sorge um die Dieselstandorte in Deutschland insgesamt, also auch um die Werke in Bamberg und Feuerbach, aber auch die Diskussion von Mitbestimmungsfragen in einem sich ständig verändernden Konzern. Breiten Raum in Foren nahm das Thema der Qualifizierung für die Industrie 4.0 ein. In Homburg versuchen Betriebsrat und Gewerkschaft IG Metall gemeinsam, Qualifizierungen zu einem Thema einer neuen Standortvereinbarung zu machen. Die vorige, mit Vereinbarungen zum flexibelen Einsatz der Beschäftigten, Investitionen und garantierten Beschäftigungszahlen, war vor vier Jahren ausgelaufen. „Wir werden der Geschäftsführung einen Punkte-Plan Ende Oktober, Anfang November vorlegen. Bis spätestens kommendes Frühjahr brauchen wir Gewissheit. Notfalls werden wir auch den Konflikt suchen “, sagte Oliver Simon, der Betriebsratsvorsitzende. 4350 Menschen arbeiten noch bei der Robert Bosch GmbH in Homburg, 400 weniger als vor zwei Jahren. 260 seien befristete Jobs. Unverändert läuft ein Programm, das es Mitarbeitern ab 57 Jahren ermöglicht, mit Abfindungen vorzeitig auszuscheiden, 70 in diesem Jahr. Das sei aber nichts anderes als ein fortgesetzter Arbeitsplatzabbau, denn in Summe würden die Stellen nicht wiederbesetzt, sagt Simon. Auch er forderte innovative, nicht am Verbrennungsmotor hängende Produkte für Homburg. „Bosch hat so viele Geschäftsfelder und Produkte, da müsste es doch mit dem Teufel zugehen, wenn nichts für Homburg dabei wäre.“ Bosch stehe in der Pflicht, Arbeitsplätze in Deutschland zu schaffen, nicht nur in den Billiglohnländern in Südosteuropa. Am Rande des Zukunftskongresses wurde bekannt, dass Bosch erwägt, drei Bauteile zur Steuerung von Brennstoffzellen des Wasserstoffantriebes in Homburg anzusiedeln. Aus Teilnehmerkreisen wurde das begrüßt, verbunden allerdings mit der Einschätzung, dass dies nicht die Anzahl wegfallender Arbeitsplätze in den Dieselwerken wettmachen könne. Auch dürfe der Technologiewechsel nicht durch verlangte Zugeständnisse von den Arbeitnehmern erkauft werden. Der zuständige Bereichsgeschäftsführer von Bosch, der Ende des Jahres scheidende Rolf Bulander, sprach am Montag in Homburg. Die moderierte Diskussion mit dem Gesamtbetriebsrat fand auf ausdrücklichen Wunsch Bulanders unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.