Battweiler
Dorfgeschichte: Als der Briefträger auch noch Zähne zog
Zum 725. Geburtstag des Dorfes Battweiler wollte der Pfälzerwald-Verein (PWV) den ehemaligen Dorfbrunnen beim Forsthaus wieder freilegen. Mit Schaufel, Pickel und Kleinbagger begann man mit Erlaubnis der Gemeinde nach der einst so wichtigen öffentlichen Wasserquelle zu suchen. Dorfbewohner und Gründungsmitglieder des PWV hatten Hinweise gegeben, wo sich die Brunnenanlage befunden hatte. Trotz intensiver Bemühungen fand man weder Brunnentröge noch eine Quelle. Schließlich streuten die Angaben der Dorfbewohner so stark, dass man keine weiteren Schürfungen mehr durchführte.
Nun aber ist eine zeitgenössische Postkarte aufgetaucht, die die Brunnenanlage mit der uralten Eiche vor dem Forsthaus mit der Familie des königlich-bayrischen Försters Sailer zeigt und Hoffnung macht, dass man sie doch wieder finden könnte. Andreas Veith aus Battweiler hat sie im Internet aufgespürt und gekauft. Weil die Briefmarke entfernt worden war, gab es große Probleme, die Angaben des Stempels zu entziffern und zeitlich verlässlich einzuordnen. Dennoch ist inzwischen geklärt, dass die Postkarte in Oberauerbach im Jahre 1909 abgestempelt wurde.
Das Christkind hatte 1909 gute Laune
Auf der Rückseite der Postkarte ist unter anderem in feiner alter Handschrift zu lesen, dass die Försterfamilie Lautenbach an die Familie des königlichen Försters Sailer im Einsiedler Forsthaus bei Kindsbach in der Pfalz schreibt. Es werden Glückwünsche zur Verlobung übermittelt. Außerdem ist vermerkt, dass das Christkind in diesem Jahr gut gelaunt sei, denn im Forsthaus in Battweiler sei ein kleines Mädel geboren worden. Aus Personenstandsunterlagen von Battweiler konnte durch Unterstützung von Toni Hüther aus Reifenberg und August Ernst aus Contwig der Inhalt der Postkarte bestätigt werden: Die amtlichen Akten besagen, dass am 19. Dezember 1909, die Tochter Hedwig Elisabetha im Forsthaus in Battweiler geboren wurde.
Auf dem Foto ist zu erkennen, dass der Förster sein Jagdgewehr geschultert hat. Die Brunnentröge aus Sandstein sind zum Straßenverlauf hin verlegt. Beim Pumpenstock steht eine Frau in weißer Schürze, die den Pumpenschwengel in der Hand hält. Es ist eine für die damalige Zeit typische Brunnenanlage. Noch heute hat das Forsthaus einen Brunnen im Keller. Auch die ehemaligen Bauernhöfe oberhalb und unterhalb des Forsthauses hatten kräftig sprudelnde Brunnen, die von dieser Wasserader aus dem Oberdorf gespeist wurden.
Fließendes Wasser aus der Leitung
Am 4. Mai 1913 beginnen in Battweiler die Leitungsarbeiten und der Bau des Pumpenhauses für eine moderne Wasserversorgung. Hierzu hatte das Königliche Wasserversorgungsbureau in München seine Erlaubnis erteilt. Der Wasserpreis wurde damals mit 15 Pfennig je Kubikmeter festgesetzt.
Das Forsthaus selbst hat ebenfalls eine bewegte Geschichte: Zunächst hatte darin nämlich der Dorfschullehrer Runk aus Edenkoben gewohnt. Er hatte in seinem Haus auch eine Gaststube eingerichtet, in der 1877 der Männergesangverein Battweiler gegründet wurde. Als er die Schulstelle in Battweiler verlassen hat, um künftig in Nünschweiler zu unterrichten, verkaufte er sein Haus an die Forstverwaltung.
Ferientage bei Oma und Opa
Viele Details aus dem Dorfleben und der Forsthaus-Geschichte hat Werner Loschky, einst oberster Forstbeamter des Landes Rheinland-Pfalz und aufgrund familiärer Wurzeln Battweiler sehr verbunden, im Zusammenhang mit den Feierlichkeiten zum Dorfjubiläum 2003 niedergeschrieben. Sein Opa, Konrad Loschky, war von 1888 bis zu seiner Pensionierung 1931 auf der Schulstelle in Battweiler. Schon ab seinem vierten Lebensjahr besuchte Werner Loschky die Großeltern in Battweiler. Sein Vater war Lehrer in Ludwigshafen-Gartenstadt, wo er 1978 im 90. Lebensjahr zum Ehrenbürger Ludwigshafens ernannt wurde.
Werner Loschky wurde später selbst Förster an verschiedenen Forstämtern im Pfälzerwald, später Leiter des Regierungsforstamtes bei der Bezirksregierung in Neustadt, bevor er ins Landwirtschaftsministerium nach Mainz zum obersten Forstbeamten von Rheinland-Pfalz berufen wurde.
Sauhirten und Peitschenknallen
Er schilderte seine Erinnerungen sehr präzise: Vor 1920 habe es noch einen Sau- und Gänsehirten gegeben. Es gab noch keinen Traktor, kein Motorrad und kein Auto im Dorf. Die Bäuerinnen und Mägde hätten fast alle Nahrungsmittel aus dem Garten und Feld auf dem Kopf getragen. Die Bauern seien mit Pferdefuhrwerken gefahren und hätten Pferde der Zweibrücker Rasse gezüchtet. Als er während seiner Schulferien nach Battweiler kam, da habe er von den jungen Bauernbuben das Peitschenknallen gelernt.
Beeindruckend war für ihn, wenn die Bauern am Abend mit ihren schaukelnden Laternen über die Höfe zu den Viehställen gingen. Solche Lichtquellen waren dem Bub aus der Großstadt Ludwigshafen nicht wirklich vertraut. Ein Bad habe es im Schulhaus so wenig wie in den anderen Häusern des Dorfes gegeben. Der Briefträger Eberle sei mit seiner schwarzen Posttasche immer aus Oberauerbach gekommen. Darin waren allerdings nicht nur die Briefe, sondern auch eine Zange, um kranke Zähne zu ziehen.
Lehrer und Förster einst eng befreundet
Werner Loschky berichtet weiter, dass die Beziehungen zwischen Schulhaus und Forsthaus über 15 Jahre hinweg bis 1908 mit dem königlich-bayrischen Förster Ignaz Sailer und seiner Großfamilie sehr herzlich waren. Der Großvater sei selbst zur Jagd gegangen. Im Jahre 1908 zog dann Forstwart Fritz Lautenbach ins Battweiler Forsthaus ein. Die Freundschaft des Lehrers zum Forsthaus ging bald in die Brüche, da der neue Förster eine uralte Eiche beim Forsthaus fällen ließ, die Konrad Loschky als Naturdenkmal wegen ihrer Schönheit und Bedeutung für die Dorfgeschichte unter Schutz stellen wollte.
Die Frauen und Kinder des Ortes, so Loschky in seinen Schilderungen weiter, hätten stets am Forsthaus mit ihren Gefäßen frisches Wasser geholt. An den Brunnentrögen hätten die Bauern ihr Vieh getränkt, weswegen es um den Brunnen herum immer sehr morastig und schlammig gewesen sei. Das Foto der Postkarte belegt, dass Straße und Rinne noch nicht wirklich befestigt waren. Die ältesten Dorfbewohner berichteten noch, dass vor und nach den Kriegsjahren bei heftigen Regengüssen das erdige Straßenmaterial der „Gass“ stets bis zur Dorfkirche geschwemmt worden war.
Ende des Brunnens nach Bombardierung
Im März 1945 erlebte das Dorf einen zerstörerischen Luftangriff. Das Bomben-Unheil hat die Dorfschule gegenüber der Kirche in Schutt und Asche gelegt. Sie wurde nicht mehr aufgebaut. Vom Kirchendach flogen 5000 Biberschwanzziegel, die nur mühsam wieder beschafft werden konnten. Die Hauptwasserleitung wurde im Bereich des Forsthauses ebenfalls getroffen, was über Wochen für erhebliche Probleme bei der Wasserversorgung des Dorfes sorgte. Der mitbetroffene Dorfbrunnen wurde stillgelegt, weil man die unentgeltliche Wasserquelle nicht mehr duldete.