Kreis Südwestpfalz Die Verbrecher sitzen überall auf der Welt
«Contwig.»Die Verbrecher sitzen quer verteilt auf dem gesamten Globus. Die Verfolgung ist schwer. Den Angriffen kann jeder zum Opfer fallen. Und das oft unbemerkt, zu Hause, am heimischen Schreibtisch, auf dem Monitor, der vor einem steht. „Das Gesicht der Cyberkriminalität ändert sich täglich“, erklärt Reiner Stolz, Kriminalhauptkommissar bei der Zweibrücker Polizei, am Freitagabend in Contwig 50 Zuhörern im Sängerheim in der Hohlbach. Die Verbrecher seien immer einen Schritt voraus, die Polizei könne erst reagieren, wenn das Verbrechen schon passiert ist. Was wollen die Kriminellen? In den meisten Fällen Geld, sei es über Betrug oder Erpressung. Aber auch Daten, die dann verkauft werden, sind für Angreifer nicht uninteressant. Wie gehen die Erpresser vor? Zum Beispiel durch Erpressersoftware, auch Ransomware genannt. Das, sind Schadprogramme, die Dateien auf dem Computer verschlüsseln, ihn unbrauchbar machen und Lösegeld fordern. Ob man dann die Daten aber auch wieder zurückbekommt, steht in den meisten Fällen in den Sternen. „Bitte nicht zahlen“, rät Stolz, „entweder bringt es nichts, oder man unterstützt die Kriminellen noch weiter“. Wer seine Daten schon vorher regelmäßig sichert, verringert den Schaden, wenn er nicht mehr in seinen Computer kommt. Woran erkenne ich einen Betrugsversuch? Ein Anzeichen, dass es sich bei einem Onlinekauf um Betrug handelt, ist laut Stolz, dass der Personalausweis vom Käufer zum Verifizieren verlangt wird und dass als einzige Zahlungsmöglichkeit Western Union angeboten wird, weil der Empfänger damit anonym bleiben kann. „Dann steht der Betrug quasi auf der Stirn geschrieben“, warnt Stolz. Eine neue Form des Betrugs bei Privatverkäufen im Internet ist laut Amtsanwalt Jörg Amstadt der sogenannte Dreieckshandel. Dabei kauft der Betrüger eine Ware und bittet um die Kontodaten. Gleichzeitig bietet er die Ware zum Verkauf an und lässt seinen Käufer das Geld an den ursprünglichen Verkäufer überweisen ohne deren Wissen. Am Ende zahlt der Dritte an den Ersten, aber die Ware landet beim Betrüger in der Mitte. Diese Masche ist zwar nicht gleich zu erkennen, aber man kann vorbeugen: Bei Bezahlungen über Paypal sollte man nur an die dort angegebene Adresse verschicken. Wie kann ich mich schützen? Virenschutz und Firewall: Laut Stolz kann man schon mit einem geringen Eigeneinsatz einen sehr guten Schutz erreichen. Dazu gehören grundlegend ein gutes Antivirenprogramm und eine Firewall, also Programme, die es Angreifern schwer machen, Schadprogramme auf den Rechner zu spielen. W-Lan-Verschlüsselung: Jeder sollte sein W-Lan zu Hause mit dem Standard WPA2 verschlüsseln. Dazu muss man laut Stolz einfach in die Routereinstellungen. Dort kann man die Verschlüsselung setzten. Zudem sollte man ein starkes Passwort wählen. Passwörter: Ein gutes Passwort, das schwer zu knacken ist, muss laut Stolz lang und komplex sein. Etwa 20 Zeichen sollen es sein, die aus großen und kleinen Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen zusammengesetzt sind. Zudem soll man für jede Seite ein anderes Passwort haben. Wer sich nicht alle Passwörter merken kann, dem rät Stolz ein Passwortmanager zu benutzen. Er nennt als Beispiel das Programm „Lastpass“. Verschlüsselung: Bei Nachrichtendiensten, etwa Whatsapp, soll man auf die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, achten. Dann kann selbst der Messengerdienst die Nachricht nicht einsehen. Im Webbrowser auf dem Computer ist bei sensiblen Daten das Schlosssymbol in der Adressleiste wichtig. Misstrauen: Letztlich ist aber immer der Benutzer selbst für seine Sicherheit verantwortlich und auch selbst das größte Sicherheitsrisiko. Misstrauisch denken und ein gutes Bauchgefühl ist bereits die halbe Miete. Wenn man also eine Mail aus Afrika bekommt, in der steht, dass man ein Millionenerbe bekommt, dafür aber zu Verwaltungszwecken tausend Euro überweisen muss, dann ist das ein Betrugsversuch, auf den man nicht reinfallen sollte.