Althornbach / Hengstbach
Die traurige Geschichte des Storches im Plastikblumentopf
Anfang März wurde der Naturschutzbund Zweibrücken (Nabu) informiert, dass auf einem Nest in Althornbach ein Storch beobachtet wurde, der in ein Plastikblumentöpfchen getreten ist. Dieser Märztag zur Futtersuche wurde ein folgenschwerer Unglückstag für den Storch. Er ist das Opfer einer unsachgemäßen Müllentsorgung. Seine Fußzehen sind so ungünstig in diesem kleinen Blumenkörbchen verkeilt, dass er den Fremdkörper kaum von selbst verlieren wird. Auch seine Artgenossen können ihm nicht helfen, obwohl sie mit ihrem kräftigen Schnabel ziehen könnten. Diese Annahme wird sich jedoch nicht erfüllen, da dieser Selbsthilfereflex den Störchen nicht vererbt wurde. Demnach quält sich der Storch weiterhin beim Laufen, wenn er auf Futtersuche im Grasland oder einem bearbeiteten Acker unterwegs ist. Deshalb steht er überwiegend auf einem Bein und hat das Töpfchen häufig fast völlig im Federkleid versteckt. Beim Abflug vom Boden ist dieser Fremdkörper eine echte Erschwernis, da der Storch beim Start erst Anlauf nimmt, um vom Boden abzuheben. Eine einfache Landung auf einem Baumast ist auch kaum mehr möglich.
Der Storch ist immer noch im Tal der Bickenalb anzutreffen. Er hatte sich ein geschütztes Plätzchen an einer Schleife des Bachlaufes gesucht. Dort hat er sich an einem Nachmittag Anfang April in der Sonne gewärmt, die überraschend noch kurz aus den Wolken blickte. Im gesamten Talbereich in Richtung Altheim war kein weiterer Storch zu sehen. Auch gab es keine fliegenden Störche über der Talaue. Ein Baumnest mit Störchen war auch nicht zu sehen, sodass sich unser Pechstorch ganz allein im Tal aufhält. Nirgendwo scheint es im Umfeld einen Artgenossen zu geben. Der Stelzenvogel hat sich abgesondert, wie es in der Natur ähnliche solcher Verhaltensarten gibt, wenn ein Tier verletzt, erkrankt oder sonderbar in seinem Verhalten wirkt. Für seine Artgenossen ist der Storch zum Sonderling geworden, glauben auch Vogelforscher.
Partnerin verstößt Unglücksstorch
Tage vor seinem Missgeschick hatte der auf dem Kirschbacherhof 2014 geborene Storch mit der Ringnummer AL737 eine feste Partnerschaft zur Familiengründung auf dem Nestmast in einer Pferdekoppel in Althornbach eingegangen. Das Nest ist nicht weit vom Schützenhaus und den Tennisplätzen entfernt. Kurz danach hat der Partner den Storch mit dem Handicap verstoßen. Es dauerte keine Woche, da war er eine neue Verbindung eingegangen, sodass im Nest schon mehrere Tage gebrütet wird.
Sicher scheint, dass der Storch in Not noch ausreichend Futter findet. Saarländische Vogelfreunde könnten sich den Einsatz eines Narkosegewehres vorstellen, das es beim Zoo in Neunkirchen gibt. Dies würde aber bedeuten, dass der Fachmann im Umgang mit dem Gewehr die nötige Zeit zum Aufspüren des Storches investieren könnte. Dem Storch müsste man sich zudem auf eine passende Entfernung nähern können. Der Vogel sollte im Wiesenbereich stehen, wo man ein sicheres Schussfeld hätte. Somit könnte er sich bei einem Treffer und der danach einsetzenden Wirkung der Narkose nicht verletzen. Eine solche Aktion bräuchte Geduld, was dem Storch aber wieder seine Lebensqualität zurückgeben würde.