Kreis Südwestpfalz Die Sehnsucht nach dem Landregen
Die Obstbaumblüte hat bis Anfang Mai ihren Höhepunkt bereits erreicht. Goldgelb blühen die Rapsfelder und die Wiesen sind saftig grün. Der Wald schillert in den verschiedensten Farbschattierungen. Der Flieder blüht bereits, Wiesen-, Waldschlüsselblumen und Löwenzahn lässt der Frühling in schönstem Gelbtönen erblühen. Für Wildbienen, Hummeln, Schmetterlinge und Honigbienen gibt es endlich genügend Pollen und Nektar zum Sammeln.
Diesen Frühlingszauber trübt nur die fehlende Feuchtigkeit, die das Wachstum auf den Feldern und in den Gärten bremst. Sorgenvoll blicken die Bauern und die Gartenfreunde zum Himmel und wünschen sich ergiebigen Regen. Denn die Pflanzenwelt beginnt bereits zu leiden. Hart ist die Oberfläche der Feldflur und die Grasnarbe der Wiesen bekommt schon einen leichten Braunschimmer. Der trockene Wind, der über die Höhe hinweg fegte, hat die letzte Feuchtigkeit aufgesaugt, die im Wurzelwerk der Pflanzen noch vorhanden war, berichtet Rita Clemens aus Käshofen. Sie hat mit ihrem Mann am Mittwoch Grumbeere gesetzt, da hätte das Erdreich gestaubt, obwohl sie dies als Gartenliebhaber in Handarbeit erledigt haben. Der angekündigte Regen wäre ein Segen, wenn er ohne Gewitterhagel kommt, meinten die Hobbygärtner aus Käshofen. Es müsse aber mehrere Stunden schön gleichmäßig regnen, wenn es der Natur nützen solle. Die vor Tagen noch kräftig blühenden Kirschbäume von Heinz Clemens und in seiner Nachbarschaft haben schon fast verblüht. Die Apfelbäume und einige Birnbäume stehen am Anfang der Blüte. Auf die Blüten der Mirabellen und Zwetschgen müsse er noch bis Anfang Mai warten. Für dieses Kernobst seien noch einige Sonnentage notwendig. Nach Ostern war er im Lothringer Mirabellen-Land, da habe auch noch kein Baum geblüht. Was bisher auf der Sickinger Höhe geblüht hat, wurde durch die leichten Nachfröste zum Glück nicht beeinträchtigt, berichtet Clemens, der im Obst- und Gartenbauverein des Dorfes aktiv ist. Er vermutet, dass der Rest der Obstbaumblüte ebenfalls vom Frost verschont bleibt. Darüber könne man sich freuen, denn schon oft hätten die Frostnächte bereits im Frühjahr alle Hoffnung auf eine gute Ernte zerstört. Den Freunden des Obstanbaues ist im Umfeld ihrer Obstwiesen aufgefallen, dass sich die Bienenzüchter in der Region auf die Frühjahrsentwicklung eingestellt haben. Die Imker im Zweibrücker Land hätten viele ihrer Bienenvölker draußen in der Landschaft verteilt, um den Bienen die Arbeit zur Bestäubung der Obstbäume zu erleichtern. Gleichzeitig ist dies auch ein großer Vorteil zum Eintrag der Ernteausbeute in den Bienenstock zur Honiggewinnung. Je kürzer die Flugwege sind, umso häufiger können die Bienen die Blüten besuchen. In diesen Frühjahrstagen sammeln die Bienen in der Feldflur für die Gewinnung von Raps-, Blüten- und Waldhonig. Nach den Aufzeichnungen des Imkerverbandes Rheinland-Pfalz werden 80 Prozent unserer heimischen Obstbäume durch Bienen bestäubt. Es vermittelt ein Urlaubsgefühl, wenn man in diesen Tagen über die Sickinger Höhe blickt und sieht Dörfer, die von blühenden Streuobstwiesen umgeben sind. Oder wenn es sogar noch innerhalb des Dorfes zahlreiche bunte Farbtupfer gibt, welche die Besonderheit des Frühlings ausmachen, erzählen Rita und Heinz Clemens. Die Rapsfelder seien natürlich im neuen Grün der Felder ein Farbklecks, der nur mit Naturidylle zu beschreiben sei.