Reifenberg
Die Reifenberger Kirche wird ein halbes Jahr lang herausgeputzt
Seit Mitte März laufen bereits die Innenrenovierungsarbeiten mit einem geschätzten Kostenaufwand von 228 000 Euro in der Reifenberger Kirche St. Wendelinus. Bis alle vorgesehenen Arbeiten abgeschlossen sind, gleicht das Gotteshaus einer Großbaustelle, und die Arbeiten werden sich wohl bis in den Herbst hineinziehen, bis das im Jahre 1848 gebaute Gebäude wieder für kirchliche Aufgaben genutzt werden kann, glaubt Pfarrer Bernhard Selinger aus Martinshöhe. Geplant und betreut wird das Projekt durch den Architekten Hermann Held aus Contwig, unterstützt durch Gebietsingenieur Reneo D’Onghia und Dom- und Diözesankonservator Wolfgang Franz des Bischöflichen Ordinariats in Speyer. Wegen der Coronakrise kann momentan das als Ausweichgebäude vorgesehene Pfarrheim für Gottesdienste nicht genutzt werden.
Bereits in den Monaten Oktober bis Januar ging das Freilegen der Ölbilder rechts und links an den beiden Seitenaltären durch die Restauratorin und Konservatorin Eva Lincul aus Neustadt an der Weinstraße und den beiden Restauratoren Heidi Kiesslinger und Bruno Helmstetter über die Bühne.
125 Jahre alte Malereien
Schon seit längerer Zeit wusste man von der Existenz der beiden im Jahre 1894 von Maler und Kirchendekorator Otto Fußhöller aus Landau angefertigten Malereien, jedoch nicht über eine detaillierte Darstellung. Die Malereien wurden im Jahre 1949 erstmals und danach noch zweimal übertüncht. Nunmehr kamen die Motive durch die Aufarbeitung ans Licht. Das Ölbild links des Chores zeigt „Maria als Rosenkönigin“, welche sich herabneigt und dem heiligen Dominikus und der Heiligen Katharina von Siena jeweils einen Rosenkranz überreicht. Darunter ein Bild des Petersdomes von Rom. Auf der rechten Seite flankiert von Papst Leo XIII mit seinem Papstwappen auf dem Betstuhl und Papst Innozenz mit einem Ablassband.
Das zweite freigelegte und restaurierte Ölbild über dem ehemaligen Wendelinusaltar zeigt die Grablegung des Heiligen Wendelinus in seiner ehemaligen Einsiedelei. Auf Höhe der Grabstätte wird mit roter Wallfahrtsfahne an den Stifter für eine eigene Pfarrei, Jakob Zimmer, erinnert, welcher als ausgewanderter Reifenberger maßgeblich mit einer Geldspende in Höhe von 25 000 Mark im Jahre 1893 zur Gründung einer eigenständigen Pfarrei in Reifenberg beitrug. Über der dargestellten Grabstelle des Heiligen Wendelinus ist der Kirchenbau der Wendelinusbasilika im saarländischen St. Wendel angedeutet. Dass die beiden darüber schwebenden Engel drei Kronen tragen, zeigt die königliche Abstammung des Kirchenheiligen.
Der Restaurator und Künstler Michael Walter aus Fremdingen-Schopflohe hat den zuständigen Gremien aus Speyer, dem Pfarrer, dem Verwaltungsrat und einigen Mitgliedern des Gemeindeausschusses Entwürfe seiner geplanten Innengestaltung vorgestellt. Diese Vorlage fand die Zustimmung. So sollen zum Beispiel der Himmel des Chorbereiches mit einem Blau, welches sich in den beiden Ölbildern wiederfindet, ausgemalt und die Längswände rechts und links im Chor leicht bläulich abgesetzt werden, damit die 14 Kreuzwegstationen sich besser von der Wand abheben.
Taufstein soll in die Mitte
Laut Diözesankonservator Wolfgang Franz sind die freigelegten Ölbilder nur Beiwerk, deshalb sollte der eigentliche Chorraum der Hauptmittelpunkt der Kirche sein und sich herausheben. Unter dem Wendelinusbild soll noch ein zweiter Altarsandsteintisch wie auf der Marienaltarseite vorhanden eingebaut werden, um das Gleichgewicht des Chorraumes zu erhalten, wie es bis in die 60er Jahre schon mal war. Für diese Arbeit liegt bereits ein Kostenangebot von 3500 Euro vor. Weiterhin soll der Taufstein in der Mitte der Kirche – in Höhe des Beichtstuhles – platziert und durch eine Kürzung von vier Bänken der notwendige Platz dafür geschaffen werden. Entlang der Langhauswände sollen die Kreuzwegstationen mit Abgrenzungsstrichen eingebunden und ebenfalls farblich leicht von der Grundfarbe abgesetzt werden.
Vor Beginn der eigentlichen Innenarbeiten haben Mitglieder des Gemeindeausschusses in Eigenleistung sämtliche Heiligenfiguren, Wandkreuz, Kreuzwegstationen abgehängt und die gesamte Sakristei ausgeräumt und fast verpackt und ausgelagert. Die Bänke wie auch die Orgel und die renovierten Ölbilder wurden eingehaust und so vor Staub geschützt. Das Einhausen der Orgel mit Teilausbau wurde durch die Orgelbaufirma Mayer aus Heusweiler vorgenommen, und sie wird sie auch nach Fertigstellung wieder aufbauen. Die dafür vorgesehenen Kosten belaufen sich auf 10 000 Euro.
Mit den Maler- und Verputzarbeiten wurde die Firma Schnöll aus Bexbach beauftragt. Veranschlagt waren 90 000 Euro, diese geplante Bausumme wird aber weit unterschritten, so dass Nachtragsaufträge in Angriff genommen werden konnten: 21 000 Euro, um Risse im Chorbereich abzudecken und lose Verputzstellen neu zu überziehen. Mit dem eigentlichen Ausmalen der gesamten Innenkirche wird nach der endgültigen Farbfestlegung mit dem Künstler und dem Bischöflichen Ordinariat bis Ende Juni begonnen werden.
Um Beschädigungen vorzubeugen, wurde auch der gesamte Bodenbelag abgesichert. Die Abdeckung der Bänke wurde in Eigenleistungen erbracht. Die Firma Frenzel aus Hornbach stellte im gesamten Innenbereich und auf der Empore das Gerüst. Die Gerüstbauarbeiten schlagen mit einem Kostenaufwand von 10 000 Euro zu Buche und liegen deutlich unter den Plankosten. Die Firma Bozek und Christmann aus Nünschweiler bekam den Auftrag für die Elektroinstallationsarbeiten, welche einer dringenden Überarbeitung nach dem neuesten Stand der Technik bedürfen. Dies schlägt mit rund 21 000 Euro zu Buche. Für 17 500 Euro sollen auch noch Schreinerarbeiten – insbesondere die Innentür im Haupteingangsbereich – durch die Firma Brandstetter aus Weselberg ausgeführt werden.
Der Einbau von zwei Lüftungsflügeln in die westlichen Kirchenfenster ist durch die Firma Glaskunst Krumholz aus Bad Bergzabern für 2200 Euro bereits erfolgt. Für die Restaurierung und Säuberung der 14 Kreuzwegstationen und diverser Holzstatuen und Gruppen, welche die Restauratorin Heidi Kiesslinger aus Lossburg, ausführt, kommen nochmals Kosten von 5000 Euro auf die Kirchenstiftung zu. Wenn alles fertig ist, soll die Endreinigung durch die Firma Celesta aus Homburg zu einem Angebotspreis von 2600 Euro erfolgen. Ferner soll im hinteren Sakristeibereich eine Besuchertoilette ihren Platz finden, die bisher nicht vorhanden war. An Honorarkosten für den Architekten rechnet man mit 25 000 Euro.
Speyer gibt 150 000 Euro
Mit einigen unvorhergesehen Ausgaben muss sicherlich noch gerechnet werden, so dass man die Kostenschätzung von 228 000 Euro höchstwahrscheinlich erreichen wird. Das Bistum Speyer bezuschusst die Baumaßnahme mit 149 000 Euro, den Rest muss die Kirchenstiftung übernehmen.