Kreis Südwestpfalz Die nordische Hungerluft

Jörg Klein aus Niederhausen bei der Aussaat des Maises am Lammsberg. Im Hintergrund ist Großbundenbach zu sehen.
Jörg Klein aus Niederhausen bei der Aussaat des Maises am Lammsberg. Im Hintergrund ist Großbundenbach zu sehen.

Die Regentage Ende April und Anfang Mai waren wie eine Vitaminspritze für die Natur. Nur der beißend kalte Nordostwind hat das schnelle Pflanzenwachstum gebremst und das Erdreich schon wieder zu stark ausgetrocknet.

Trotzdem war der Regen bereits eine Rettung für das schwächelnde Getreide, den Raps und das Grünland. Karl Ehresmann aus Winterbach kontrolliert regelmäßig den Regenmesser in seinem Garten. In der ersten Maihälfte seien 56 Liter Regen auf den Quadratmeter gefallen, was unbedingt notwendig gewesen sei. Im März und April hat Ehresmann jeweils 55 Liter Niederschlag gemessen. Damit sei der Mangel an Feuchtigkeit aber noch nicht ausgeglichen. Ehresmann kann die Sorgen der Landwirte gut verstehen, die sich vor einem erneuten Hitzesommer fürchten. Würde es erneut über Monate zu einem Wassermangel kommen wie 2018, dann würde dies zu scherwiegenden Ernteausfällen führen. Landwirt Jörg Klein aus Niederhausen hat am Hang zum Lammsberg Mais eingesät. Dabei sind bereits Staubwolken über den Acker gezogen. Die nordische Hungerluft sei völlig unpassend, da sie die notwendige Feuchtigkeit des Ackerbodens förmlich absauge, erläuterte Klein. Sollen die Maiskörner bald austreiben, dann ist ausreichende Bodenfeuchte dringend notwendig. Andreas Veit aus Battweiler hat am Faulacker den Ton-Sand-Boden für die Aussaat des Maises vorbereitet, wo er durchgehend eine Staubwolke hinter sich hergezogen hat, weil die Feuchte einfach zu schnell verfliegt. Zur Schmitshauser Gemarkung hin hat Klaus Schwuchow aus Niederhausen Gülle ausgebracht, um Mais einzusäen. Das Erdreich war noch viel kalt, sodass man nicht mit einer schnellen Keimung dieser Futterfrucht rechnen konnte. Bei vielen Gartenfreunden ist das zarte Blattwerk der schon stark ausgetriebenen Grumbeere erfroren. Nur wer seine Kartoffelreihen mit Vlies, Folie oder Teppichen abdeckte, blieb von den Auswirkungen der Nachtfröste verschont. Auch Mitte Mai musste man noch Scheiben freikratzen. Sogar die Blüten der Johannisbeeren sind im Garten von Lore Ehresmann in Winterbach erfroren. Die erfahrene Gärtnerin kann sich nicht erinnern, dass dies in den vergangenen zwei Jahrzehnten einmal der Fall war. Sie hatte bereits vorausgesagt, dass mit dem Ende des Vollmonds am vergangenen Wochenende auch Schluss mit den Frostnächten sei. Erst danach werde es im Garten richtig vorwärts gehen, etwa bei den Erdbeeren, die in voller Blüte stehen. „Das Wachstum braucht einfach Wärme und Feuchtigkeit“, sagt Ehresmann. Bisher habe es im Garten nur dort Fortschritte oder schon grünen Salat auf dem Küchentisch gegeben, wenn man ein Frühbeet hat, das am Abend zugedeckt wird, um die Tageswärme zu speichern, und erst gegen Mittag wieder geöffnet wird, wenn die Sonne wärmend am Himmel steht. Den ersten Grünschnitt haben die Bauern schon eingefahren, da sie nicht warten wollten, bis es wärmer wird. Manche hoffen, dass sich dies beim zweiten Schnitt an der Menge auszahlt. Sowohl bei der Qualität und der Menge sei das Grünfutter beim ersten Schnitt nicht einheitlich. An den Hangwiesen mit sandigem Boden fehle es an der Menge, erläutert Klein. Die Talwiesen würden deutlich besser aussehen, aber dort war es noch zu feucht, um mit den Maschinen die Mahd zu beginnen. Steffen und Wilfried Sewohl aus Battweiler haben bereits viele Wiesen gemäht, um das Futter vorm Einfahren in das Silo antrocknen zu lassen. Ertrag und Güte seien nicht zu bemängeln. Es gibt sehr viele Felder, wo der Raps richtig gut steht und kräftig blüht, meint Jörg Klein. Nur wo die Felder im Spätherbst zu nass waren, da seien die Probleme offensichtlich, berichtet der Landwirt aus Niederhausen. Nun könne man nur abwarten, ob der Reifeprozess vielleicht etwas günstiger abläuft. Mit der Entwicklung des Getreides sind die Landwirte aufgrund des Regens allgemein zufrieden. Beim Wintergetreide hätten die Ähren und die gesunde Farbe der Pflanzen einen großen Fortschritt gemacht.

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