Heltersberg RHEINPFALZ Plus Artikel Die Langendell soll einmal Urwald werden

Kümmern sich um den künftigen Urwald im Naturwaldreservat Langendell bei Heltersberg: Friedericke Weber, Patricia Balcar und Bur
Kümmern sich um den künftigen Urwald im Naturwaldreservat Langendell bei Heltersberg: Friedericke Weber, Patricia Balcar und Burkhard Steckel (von links).

In Heltersberg gibt es ein besonders Stück Wald: Das Naturwaldreservat Langendell in der Biosphärenreservat-Kernzone Hundsberg. Ein Gebiet, in dem gleich zwei Schutzziele, die teils deckungsgleich sind, verfolgt werden. Für beide Schutzstatute gilt, dass es sich um eine Waldfläche handelt, in der der Wald sich selbst überlassen bleibt.

Für Waldbesucher heißt das: Achtung, das Gebiet zu betreten ist maximal auf den vorgegebenen Wegen erlaubt. Auch das, was aktuell gerade viele Menschen in den Wald zieht, das Pilzesammeln, „ist in diesem Bereich strengstens verboten“, erläutert Burkhard Steckel, Leiter des zuständigen Forstamtes Johanniskreuz. Die Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft in Trippstadt betreut das Naturwaldreservat, das 1995 eingerichtet wurde – seit 1999 ist die Waldbewirtschaftung eingestellt – wissenschaftlich. Um die Belange des Biosphärenreservats, also die Anforderungen, die mit der Ausweisung als Kernzone in diesem Bereich verbunden sind, kümmert sich die Biosphärenenreservat-Geschäftsstelle in Lambrecht.

Schilder zeigen, was wo geht

Damit Waldbesucher den Schutzstatus erkennen, aber nicht zu sehr verwirrt werden, wurde ein gemeinsames Schild entworfen, das sowohl auf das Naturwaldreservat, wie auch auf seine Lage in der erweiterten Kernzone des Biosphärenreservats hinweist und am Beginn der Kernzone angebracht ist. Es enthält Informationen zu beiden Schutzstatuten, aber auch Handlungsanweisungen, wie sich Waldbesucher zu verhalten haben: auf Wegen bleiben, keine Pflanzen mitnehmen, auf Totholz achten.

Was beide Schutzstatute eint, ist, dass „sich die Kernzone und das Naturwaldreservat ergänzen“, sagt Steckel. Beide haben zum Ziel, dass der Wald sich selbst überlassen bleibt und dadurch der Urwald von morgen entsteht, wie Friedericke Weber, die Direktorin des Biosphärenreservats unterstreicht. Eingriffe des Menschen in diesen Bereichen sind nicht gestattet. Einzige Ausnahme: die Jagd auf Rehe, Hirsche und Wildschweine, da diese mangels natürlicher Feinde ohne Jagd Ruhezonen in den Naturwaldreservaten vorfinden, was die Population steigen und das Gleichgewicht von Flora und Fauna kippen lassen würde. Das hätte letztlich große Schäden am Wald zur Folge.

Die Umwandlung zum Urwald ist ein Prozess, der Jahrhunderte dauert, weshalb die Spanne, seit der im Naturwaldreservat Langendell geforscht wird, für die Waldentwicklung eine sehr kurze Zeit ist. „Für den Wald ein Atemzug“, sagt Patricia Balcar lachend. Balcar, jetzt im Ruhestand, war bei der Forschungsanstalt lange für das Projekt Naturwaldreservat Langendell zuständig. Die Erkenntnisse, „die wir in den Naturwaldreservaten gewinnen, sind wichtig, um Entscheidungshilfen für die naturnahe Waldbewirtschaftung zu erhalten“, sagt sie.

Diesen Erkenntnissen kommt in Zeiten des Klimawandels, der die Frage nach der Zukunft des Waldes beschleunigt hat, zunehmend Bedeutung zu. Beobachtet werden zum Beispiel Verjüngungsprozesse, Wachstums- oder Alterungsprozesse, die Konkurrenzsituation oder die Artenzusammensetzung.

Eiche auf dem Rückzug

Das Naturwaldreservat Langendell ist 58 Hektar groß. Buchen und Traubeneichen bestimmen die Baumzusammensetzung. Die Buchen sind im Schnitt 180 Jahre alt, die Eichen reichen an die 300 Jahre heran. Was ihn als Förster umtreibe, bekennt Steckel, sei die Zukunft der Eiche. Die 15 Prozent, die die Eiche als Baumart im Bereich des Forstamts Johanniskreuz ausmache, „ist ja ganz sicher von Menschen gemacht“, sagt Steckel. Erste Erkenntnisse aus der Naturwaldreservatarbeit – „die wir allerdings erst seit etwa 40, 45 Jahren betreiben“, so Balcar – sei, dass es die Eiche auf natürliche Weise nicht schaffe, sich zu verjüngen.

Im Moment seien die Eichen noch recht stabil. Die Entwicklung skizzierte sie anhand dessen, was sich zwischen 2002 und 2012 auf der Fläche tat. In einem umzäunten Bereich – um den Einfluss des Wilds auszuschließen – werden die Jungpflanzen erfasst. 2002 sei ein Eichenmastjahr gewesen. 21.607 junge Eichenpflanzen seien auf der Fläche gezählt worden, die sich im Laufe der nächsten fünf Jahre auf 2824 reduzierten. Da hielten sie sich mit den Buchenjungpflanzen, die 2002 deutlich unterrepräsentiert gewesen waren, schon die Waage und gerieten im Laufe der vier folgenden Jahre weiter ins Hintertreffen. Auf 1391 Eichennachwuchspflanzen hatte sich die Zahl reduziert. Die Buche dominierte mit 74 Prozent Anteil an der Verjüngung. Diese Dominanz der Buche stabilisierte sich. In der nicht umzäunten Fläche innerhalb des Naturwaldreservats war die Dominanz der Lichtbaumart Buche im gleichen Zeitraum von Beginn an schon deutlich größer.

Artenreiche Moosschicht

Dies sei eine für den Pfälzerwald typische Situation, so Balcar. 2020 lautete ein erstes Fazit, dass vieles „für eine langfristige Entmischung mit einem möglichen Verlust der Traubeneiche spricht, die auch in der Krone verstärkt durch die Buche bedrängt wird“. Was in den Jahren zunahm, in denen der Mensch aus diesem Waldbereich draußen gehalten wurde, war die Moosschicht, die sehr artenreich ist.

In der wissenschaftlich gleichfalls untersuchten Vergleichsfläche, die im Gegensatz zur Fläche im Naturwaldreservat forstwirtschaftlich bearbeitet wird, entwickelte sich hingegen eine deutlich höhere Krautschicht. Diese profitiert davon, dass dort, wo forstwirtschaftlich gearbeitet wird, mehr Licht zur Verfügung steht.

Arbeitseinsatz am Samstag

Der Wald liegt den Heltersbergern am Herzen. Sich aktiv für den Wald einzusetzen, ist das Ziel einer Gruppe um die Heltersberger Beigeordnete Gabi Hornung. Bedingt durch Corona startet das Projekt, das sich im Zuge von Waldbegehungen mit Revierleiter Stefan Bohrer entwickelte, erst jetzt. Eine erste Aktion findet am Samstag, 11. September, statt. Im Bereich Korbmacher sollen junge Pflanzen vor dem Verbiss durch Wild geschützt werden. Die Gruppe freut sich über weitere Unterstützung.

Wer sich beteiligen möchte, soll um 9.30 Uhr am Bauhof in Heltersberg (Scheideller Weg) sein. Von dort aus geht es gemeinsam zum Korbmacher, wo die Wuchshüllen angebracht werden. Entsprechende Kleidung und Schuhe sowie Handschuhe sind erforderlich. Hammer oder Axt, sind gefordert, um die Wuchshüllen anbringen zu können.

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