Kreis Südwestpfalz „Die Kinder kamen früher in Scharen“
Ähhh…. 42 Jahre. Am 1. August 1977 habe ich hier angefangen mit der Ausbildung. Dann habe ich 1979 den Gesellenbrief und 1983 schließlich den Meister gemacht. Damals hieß das staatlich geprüfter Schwimmmeister, heute nennt sich der Beruf Fachangestellte für Bäderbetriebe, Schrägstrich, Meister. Seit 1986 bin ich als Meister angestellt. Und Sie wollten nie weg? Jein. Ich habe den Absprung nicht geschafft. (lacht) Als ich 30 wurde, habe ich mir vorgenommen, etwas Anderes zu machen. Als ich 40 wurde, wieder. Da dachte ich mir, von Montag bis Sonntag immer arbeiten, im Sommer keinen Urlaub und überhaupt. Dann dachte ich mir, dass es ja doch schön ist. Ich wohne im Ort, habe drei Minuten auf die Arbeit, bin an der frischen Luft und nah bei den Leuten, kann erzählen, jeder kennt mich. Ich habe hier im Bad schwimmen gelernt mit elf Jahren, bin hier groß geworden und schließlich doch hiergeblieben. Ich werde auch bleiben bis ins Rentenalter, wenn ich gesund bleibe. Wie lange ist das noch? Ich müsste eigentlich bis 67 arbeiten, will aber ein wenig früher gehen, wenn möglich. Ich bin jetzt 57 geworden und muss wohl noch sechs, sieben Jahre herumkriegen. (lacht wieder) Morgen ist wieder Saisoneröffnung. Ist das nach all den Jahren überhaupt noch etwas Besonderes? Für die Badegäste sicher, die freuen sich, wenn wir wieder aufmachen. Und ich freue mich natürlich auch, dass ich die ganzen Leute wieder sehe, die ich über Winter nicht gesehen habe. Und auf die Sonne freue ich mich. Ich arbeite unheimlich gerne hier. Es ist jedes Jahr anders. Es kommen neue Gesichter hinzu, dafür kommen alte Stammgäste nicht mehr, weil es gesundheitlich nicht geht oder sie gestorben sind. 42 Jahre im Freibad. Was hat sich in dieser Zeit im Großen geändert? Die Besucher haben sich geändert. Im ersten Jahr waren 145 000 Besucher bei uns. Davon träumen wir heute. Wenn wir in der Saison 45 000 zählen, sind wir schon zufrieden. Die Kinder kamen früher in Scharen, die Leute sind mit ihren Taschen an der B 10 entlang gelaufen zu uns. Es gab ja sonst nicht viel, und nicht so viele Leute hatten Autos. Heute hat jeder Junge ein Auto und fährt auch mal an einen Baggersee. Die Besucher wurden immer weniger, und die Ansprüche steigen seit rund zehn Jahren. Die Leute werden ungehaltener und fordernder. Die Leute sollten zufrieden sein, dass wir überhaupt noch ein Becken mit Wasser drin haben. Andere Bäder werden geschlossen. Wir und Zweibrücken-Stadt haben das Glück und das Privileg, dass wir Bürgermeister haben, die noch hinter ihren Schwimmbädern stehen. Wir können Wünsche nach riesigen Rutschen und Ähnlichem nicht erfüllen. Dann müssten wir zwischen zehn und 15 Euro Eintritt verlangen. Ist der Eintritt gleich geblieben? Ja. Bis 16 Jahre zwei Euro für den ganzen Tag, auch mit Studentenausweis oder Ausbildungsausweis, dann bis zum 25. Lebensjahr. Die Erwachsenen zahlen drei Euro. Der Feierabendtarif ab 18 Uhr kostet jeweils einen Euro weniger. Bei den Öffnungszeiten mussten wir von 8 Uhr morgens auf 9 Uhr gehen. Abends ist jetzt auch um 19 Uhr statt um 19.30 Uhr Kassenschluss. Zweibrücken macht sogar erst um 10 Uhr morgens auf. Das ist kein böser Wille, aber wir haben Fachkräftemangel. Also müssen wir die Öffnungszeiten so anpassen, damit immer jemand da ist. Es gibt jetzt kostenlosen Wifi-Zugang. Wie geht das? Mit einem Passwort? Nein, das ist ein offenes Netz. Wir müssen mit der Zeit gehen. Wenn unsere jungen Besucher kein Internet haben, gehen sie woanders hin. Es gibt auch viele Erwachsene, die mehr aufs Handy schauen als nach ihren Kindern. Was gibt es noch Neues? Wir haben neuen Rollrasen bekommen, weil der letzte trockene Sommer den Rasen kaputt gemacht hat. Außerdem haben wir jetzt für jedes Becken eine automatische Chlor-Anlage, welche die Chlordosierung selbsttätig den Besucherzahlen anpasst durch ständige Messungen. Eine sogenannte Mess- und Regeltechnik, mit das Modernste auf dem Markt. Im Kiosk haben wir das Rote Kreuz als neuen Pächter. Das wird als integratives Projekt geführt, da sollen dann auch Menschen mit Handicap arbeiten. Preise und Speisekarte bleiben stabil. Vorher hat Immobilien Gessner den Kiosk betrieben, die haben aber keine Zeit mehr dafür. Und für Inhaber der Ehrenamtskarte ist der Eintritt jetzt frei. 42 Jahre im Freibad, gibt es etwas, was Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist? Zum Glück hatten wir in den 46 Jahren seit Bestehen des Freibades noch nie einen Todesfall. Reanimationen hatten wir schon öfter, die sind aber immer gut ausgegangen. Sehr nah ging mir vor rund 30 Jahren, als ich ein vierjähriges Mädchen wiederbeleben musste. Das ging mir brutal unter die Haut. Was macht eine Schwimmmeisterin im Winter? Urlaub und Überstunden abfeiern. Wir fangen am 1. März an vorzubereiten und arbeiten bis 31. Oktober. November und Dezember ist dann mein regulärer Urlaub, Januar und Februar feiere ich Überstunden ab. Wie sind die Temperaturen zum Saisonstart? Kalt! Wir können leider nicht heizen. Unsere Wärmepumpe zieht Wärme aus dem Schwarzbach, braucht aber dafür 13 Grad Wassertemperatur im Bach. Der hat aber nur 11,5 Grad. Die Leute sollen ihre gefütterten Winter-Badesachen anziehen. Info Das Contwiger Freibad eröffnet morgen, Samstag, um 9 Uhr zum ersten Mal in dieser Saison. Neuer Rasen, kostenfreies Wifi durch eine Förderung des Landes und das Rote Kreuz als neuer Kiosk-Pächter sind die sichtbaren Neuerungen, neue Mess- und Regeltechnik die unsichtbaren. Die Eintrittspreise sind gleich geblieben bei zwei Euro für Jugendliche bis 16 Jahre und drei Euro für eine Erwachsenen-Tageskarte. Die Öffnungszeiten mussten angepasst werden, das Bad öffnet täglich um 9 Uhr, und Kassenschluss ist um 19 Uhr statt um 19.30 Uhr. Badegäste können kostenlos den benachbarten Wasserspielplatz benutzen, der ansonsten einen Euro Eintritt kostet. Neu ist seit 2018 auch Horst Pirmann, der als fest angestellter Rettungsschwimmer das Treiben in den Becken im Auge hat. Zur Eröffnung morgen springt Verbandsbürgermeister Jürgen Gundacker um 10 Uhr ins 15 Grad kalte Wasser.