Kreis Südwestpfalz „Die Kündigung erst am Freitag erhalten“

Eltern, Vertreter von Schulen und betroffene Integrationshelfer vom DRK Homburg gehen gegen die Kündigung auf die Straße.
Eltern, Vertreter von Schulen und betroffene Integrationshelfer vom DRK Homburg gehen gegen die Kündigung auf die Straße.

Schul-Integrationshelfer vom Rotkreuz-Kreisverband Homburg hatten vor knapp drei Wochen die Nachricht erhalten, dass ihr Einsatzgebiet künftig auf den Saarpfalz-Kreis beschränkt werden soll (wir berichteten am 24. Mai). Aufgeben werde das DRK diese Dienstleistung in den Regionen Zweibrücken, Contwig, Neunkirchen und Saarbrücken, wo nun fast alle Kinder ihre bisherigen Helfer-Bezugspersonen verlieren. Am Dienstag protestierten Schulbegleiter und Eltern in Neunkirchen gegen die Politik des DRK.

Die zehnjährige Jarmaina weint bitterlich. Ihre Betreuerin kann die Tränen kaum zurückhalten. Das Jugendamt hatte dem Mädchen eigentlich die Finanzierung einer I-Helferin für zwei Schuljahre bewilligt. Die half Jarmaina, im Unterricht mitzukommen, sich sozial zu entwickeln und mit ihren Defiziten umzugehen. Nun will das DRK Homburg die Begleiterin vor Schuljahresende abziehen. Nach den Ferien soll sie woanders eingesetzt werden. „Ich habe die Kündigung erst am Freitag erhalten“, klagt Jarmainas Mutter. „Wir bekommen sowieso nur ein Mindestmaß an Informationen“, fügt Jarmainas Betreuerin Haas hinzu. Sie hat im Gegensatz zu den meisten Kollegen einen unbefristeten Vertrag. Während andere unbezahlt zu Hause bleiben müssen, wenn ihr Schützling krank ist, wird sie an eine andere Schule zu einem unbekannten Kind geschickt, erklärt sie. „Das ist natürlich auch nicht optimal. Es bekommt auch kaum noch jemand Fahrtkosten erstattet. Auch nicht wenn jeden Tag gependelt werden muss. Außerdem hieß es bei Vertragsabschluss, dass ich, wenn, nur ortsnah versetzt werde. Vor einiger Zeit bekam ich dann trotzdem ein Kind in Contwig zugeteilt“, so Haas. Der größte Unmut richtet sich gegen DRK-Kreisgeschäftsführer Hans-Christian Müller. Dieser war gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Die Mitarbeiter werfen ihm vor, es gebe kaum Transparenz und Solidarität gegenüber Angestellten. Die Beschäftigungsverhältnisse grenzten an „Sozialversicherungsbetrug“. Das DRK erhält pro I-Helfer rund 19 Euro vom Jugend-/Sozialamt. Seit die Gewerkschaft Verdi im Mai deren Aufnahme in die Entgeltgruppe (EG) 1 durchgesetzt hat, erhalten die Helfer 10,23 Euro vom DRK. „Was passiert mit dem Rest? Verwaltungskosten und Sozialpädagogen verschlingen solche Unsummen?“, fragt ein Schulbegleiter. Eine Mutter: „Die Frau, die mein Kind seit der zweiten Klasse betreut hat, sitzt jetzt an der Supermarktkasse. Was für eine Verschwendung. Warum setzt sich die Geschäftsführung nicht dafür ein, solche kompetenten Leute zu halten?“ Jan, ein anderer Schulbegleiter, erklärt, er sei zu einer Übungsleiterpauschale angestellt – eigentlich einer Steuervergünstigung. Wer noch einen Nebenberuf ausübt, kann bis zu 15 Stunden pro Woche zusätzlich arbeiten und muss dafür weder Steuern noch Sozialversicherungsabgaben abführen. „So wie das hier läuft, ist das für mich Betrug“, findet ein I-Helfer. Jan betont, er habe den Vertrag zudem nur unterschrieben, weil ihm eine Übernahme in Aussicht gestellt wurde. Barbara Spaniol, Landtagsabgeordnete der Linken aus Homburg, meinte gestern: „Wenn es stimmt, dass das DRK im Kreis Neunkirchen aus der Integrationshilfe aussteigt, weil die Beschäftigten eine tarifgerechte Bezahlung eingefordert haben, ist das nicht hinnehmbar.“

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