Kreis Südwestpfalz „Die haben nie gesessen, sich nie ausgeruht“

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CONTWIG. Heidrun Hiller, Vorsitzende der Contwiger Landfrauen, hat am Sonntag die erste Adventsausstellung der Landfrauen mit Basar und Adventscafé im Contwiger Rathaus organisiert. Dabei zeigten auch Nicht-Landfrauen unter dem Motto „Frauen halten Fäden in der Hand“ auf drei Etagen Handarbeit, Gebasteltes und Dekoration. Möglicherweise war das der erste und zugleich letzte Adventsbasar der Landfrauen. Mitarbeiter Mario Moschel sprach mit der Organisatorin über zu wenige Helfer, faule Männer, fleißige Frauen und Spinnstuben.

Frau Hiller, „Frauen halten Fäden in der Hand“ ist doppeldeutig. Zum einen geht es um die Handarbeit, und zum anderen ...?

In der Regel geht es um die Familie, wo Frauen auch Fäden in Händen halten. In der Öffentlichkeit sind Frauen immer noch unterrepräsentiert. Aber in der Familie haben viele Frauen Fäden in der Hand, weben und ziehen diese. Nur in der Familie? Sie haben in Contwig doch selbst etliche Fäden in der Hand. Sie sind Leiterin der Bücherei, stehen den Landfrauen vor, … Das betrachte ich gar nicht so. Das ist für mich ehrenamtliche Arbeit. Aber man kann Netzwerke spinnen im Lauf der Jahrzehnte. Da ist ein kleines Frauen-Netzwerk entstanden, das stimmt insofern schon. Die ehrenamtliche Arbeit, die ich noch mache, unter anderem auch das Frauenforum des Landkreises und seit einigen Jahren bei „Unser Dorf hat Zukunft“, verknüpft sich. Man erfährt irgendwo immer etwas, das man woanders noch anwenden kann. Das gefällt mir daran. Das ist eine ganze Menge Arbeit, für die Sie viel Zeit aufwenden. Haben Sie nichts Besseres zu tun? Doch, ich könnte ja wieder mal meinem Hobby nachgehen. Das einzige Hobby derzeit ist das Lesen, durch die Arbeit in der Gemeindebücherei. Aber ich würde gerne wieder mehr Handarbeit machen, Patchwork, Häkeln, Sticken. Das habe ich früher viel gemacht. Oder mich mal wieder in Ruhe an die Nähmaschine setzen, dazu komme ich leider nicht. Man traut sich gar nicht, etwas anzufangen, weil es eh liegenbleibt und nicht fertig wird. Vielleicht schaffe ich das noch, bevor ich zu alt bin. Im Moment machen auch meine Hände nicht so mit. Bei den Ausstellern heute funktionieren die Hände aber noch? Ja, offensichtlich. Die älteste Dame, die dabei ist, ist meine Mutter. Sie sitzt unten rechts vom Eingang und strickt Strümpfe mit 91 Jahren. Sie häkelt auch ganz diffizile Details. Und genau das war für mich auch das Thema der Ausstellung. Meine Mutter entstammt einer Frauengeneration, die haben nie irgendwo gesessen und sich ausgeruht. Die haben sich zwar auch mal hingesetzt, aber dabei wurde immer etwas gearbeitet. Das war ganz früher schon so, als die Frauen noch selbst ihre Fäden gesponnen haben. Das ist der Ursprung: Bevor ich einen Faden verwenden kann, muss ich ihn erst verspinnen. Jetzt wird es langsam philosophisch. Ja, aber genau das war mir ein Anliegen. Vielleicht merken es die Leute. Ich dachte nicht, dass so viele Ausstellerinnen kommen. Vergangene Woche hatte ich Angstzustände. Erst auf den letzten Drücker haben sich etliche gemeldet, obwohl ich ja schon lange Werbung gemacht hatte. Und das sind nicht nur Landfrauen und nicht nur Contwiger Frauen. Die beiden Damen nebenan sind zum Beispiel aus Bruchmühlbach. Da zeigt sich wieder das Netzwerk. Meine Mutter wohnt im Raum Gießen, aber meine Freundin hat sie mitgebracht. Die macht diese Occhi-Handarbeit. Bleibt die Ausstellung eine einmalige Geschichte? Ich glaube schon. Der Aufwand ist enorm. Die Beteiligung der Contwiger Landfrauen beim Helfen ist … also … (sucht nach Worten) ganz gering. Ich hätte mich gefreut, wenn sich mehr Mitglieder engagiert hätten. Wie viele sind es denn? Ich muss zählen … die Gerda, die Sieglinde, die Herlind … sieben … acht. Acht Helferinnen, die auch ausstellen. Von insgesamt über 50 Vereinsmitgliedern. Es sind viele Ältere dabei, aber ganz viele haben sich nicht einmal gemeldet auf den Aufruf. Mein Sohn und seine Freundin helfen bei der Bewirtung, die habe ich gebeten, zu helfen. Die Idee zur Ausstellung stammt aus einem Buch? Ja, es gibt ein Buch „Frauen, die den Faden in der Hand halten“. Da geht es um Frauen, die in der Malerei dargestellt werden von der Renaissance bis in die Neuzeit, die Handarbeit machen. Da sitzt ein Schäfermädchen, das hütet die Schafe und häkelt dabei. Frauen haben immer gearbeitet. Erkennen das die Männer auch? Nein, denke ich nicht. Das war für die Männer immer ganz normal. Wir hatten 150, 200 Jahre lang die Kultur der Spinnstuben in den Dörfern. Die Frauen haben sich im Winter einmal pro Woche getroffen, meist hatten sie ihr Spinnrad dabei. Zum Spinnen brauchen die Frauen nicht so viel Licht, im Gegensatz zum Stricken. Dann saßen sie zusammen und haben gesponnen, man hat erzählt und was dabei gearbeitet. Und die Männer haben dabei gesessen und haben „Peif“ geraucht. Sie haben also nichts gearbeitet. Das ging bis zum Zweiten Weltkrieg, danach ist das mit den Spinnstuben eingeschlafen. Dass die Frauen arbeiten und die Männer es nicht sehen, dabei ist es geblieben? Ja, ich denke schon. Das ist jetzt nicht männerfeindlich gemeint. |mml

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