Winterbach
Die Corona-Krise macht die Seelsorge auch für das Winterbacher Pfarrer-Ehepaar Brach schwieriger
Von Willi Hack
Nicht nur für die Gläubigen, auch für die Pfarrerinnen und Pfarrer ist es eine schwere Zeit. Die für das pastorale Wirken so wichtige Einfühlsamkeit, der Trost, das Verständnis und die Nächstenliebe seien nur noch unzureichend zu vermitteln, bedauert Gemeindepfarrer Tilo Brach aus Winterbach. „Doch gerade in solch schweren Zeiten seien Menschen auf ein gutes Wort und ein offenes Ohr angewiesen“, sagt er. Das Pfarrerehepaar Tilo und Elisabeth Brach betreut die protestantischen Kirchengemeinden Battweiler, Oberauerbach und Winterbach. Die Pfarrerin kümmert sich noch um die Krankenhausseelsorge in Zweibrücken.
Bei Begräbnissen, die in der ländlichen Region noch ein besonderes Bekenntnis zu einer funktionierenden Gemeinschaft sind, sei die Reduzierung auf den kleinen Familienkreis ein großer Verlust. „Nachbarn, Freunde, Verwandte, Arbeitskollegen wollen dem Verstorbenen ihre letzte Ehre erweisen, aber diesem inneren menschlichen Bedürfnis ist eine Schranke gesetzt, die man zum Schutz eines höheren Rechtsgutes in diesen Zeiten nicht überspringen darf“, sagt der tief betroffene Pfarrer. Auch das Trauergespräch mit den Angehörigen habe nicht mehr den gewünschten Rahmen: „Gute Seelsorge lebt vom Vieraugenkontakt und einer wohltuenden Nähe.“
Taufe und Hochzeit verschieben
Taufen und Eheschließungen in der Kirche seien bedeutende Abschnitte im Familienleben. Ihnen gebühre eine besondere Atmosphäre. Wie viele Personen dürfen an der Feier überhaupt teilnehmen? Wie darf man sich im Altarraum, dem Zentrum kirchlicher Handlungen, begegnen? Macht dann ein solch außergewöhnliches Familienfest noch Sinn? Fragen, die die Pfarrer beschäftigen. Sie schlagen vor, solche Feiern zu verschieben, um solch einschneidenden Ereignissen im Leben wieder ihren richtigen Stellenwert zu geben – zumal derzeit keine Gaststätten für die Familienfeier offen sind. Die Konfirmation für die Jugendlichen ist im Moment auf den September verschoben. Die silbernen und goldenen Konfirmationen hofft Brach im Oktober vielleicht durchführen zu können.
Zu runden Geburtstagen gratuliert der Pfarrer Gemeindemitgliedern mit einem Telefonanruf und einem Brief, aber das sei für einen Landpfarrer nicht angemessen. Hier kenne man sich und komme an solch einem Ehrentag persönlich vorbei, erzählt Brach. Im Jahr 2020 sei dies ein Problem, wo die Vernunft siegen müsse, um gerade die älteren Bewohner in der Gemeinde zu schützen.
Dass man im Dorf schnell einmal klingelt und ein erkranktes Gemeindemitglied besucht, sei derzeit auch nicht möglich. Auch das kurze Gespräch mit einem Presbyter an der Haustür müsse wohl überlegt sein. Letztlich greife man zum unpersönlicheren Telefon, bedauern die Brachs.
An Gottesdiensten übers Internet hat sich Brach auch schon beteiligt, aber der fehlende Augenkontakt zu den Zuhörern sei hier ein Manko. Außerdem fehle der gemeinsame Gesang, der mehr als nur Kirchentradition sei. Auch wenn nun wieder Gottesdienste erlaubt sind: Auf den Gesang sollen die Gläubigen vorerst verzichten, auch Chöre und Bläser sollen nicht auftreten.
Kirche sei immer noch im ehrwürdigen Gotteshaus wirklich zuhause, obwohl es auch andere angenehme Formen des Zusammenseins gäbe, erzählt Brach. Aber Treffpunkte mit der Jugend am Lagerfeuer, bei gemeinsamer Musik oder im Stuhlkreis auf einer Wiese sind jetzt auch ausgebremst, bedauern die Pfarrersleute. Bedrückend sei auch der Verzicht auf das Abendmahl gewesen. Auch die Frage, wie es in den beiden kirchlichen Kindergärten in Battweiler und Oberauerbach weitergeht, sorgt im Pfarrhaus für unruhige Nächte.
Glockengeläut als Anerkennung
Das Glockenläuten in den Abendstunden soll Dank und Anerkennung sein für Pflegedienste, Rettungskräfte, Krankenschwestern, Ärzte und Helfer in vielen Berufszweigen, die in diesen schweren Wochen Leben retten und Gefahren von Mitmenschen in außergewöhnlichen Lebensumständen abwenden, erläutert der Winterbacher Pfarrer. Die obersten Kirchenmänner in Speyer, Bischof Karl-Heinz Wiesemann und Kirchenpräsident Christian Schad hätten sich für dieses Zeichen der Anerkennung vom Kirchturm entschieden. Das Läuten der Glocken sei schon immer ein besonders Zeichen von Zusammengehörigkeit und Zuspruch gewesen, erinnert Brach.