Kreis Südwestpfalz Der Schönling

91-76713769.jpg

Vor 25 Jahren gab es noch doppelt so viele Distelfinke wie heute. Dieser alarmierende Schwund war für den Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und den Landesbund für Vogelschutz so bedeutsam, dass sie ihn zum Jahresvogel auserwählt haben.

Mit dieser Auszeichnung wollen die Naturschützer auf besonders gefährdete Arten aufmerksam machen und zeigen, was man zur Verbesserung tun kann. Der Verlust einer bunten Vielfalt an blühenden Kräutern, Gräsern, Blumen auf Äckern und Wiesen raubt dem Distelfink die Nahrung. Unkrautvernichtungsmitteln und zu häufiges Mähen von Wiesen zerstört (nicht nur) seinen Lebensraum. Eine so verarmte Landschaft ist entscheidend für den Artenrückgang, sagen die Naturkenner. Die Feldflur des Zweibrücker Landes, der nicht bewirtschaftete Kalkmagerrasen der Sickinger Höhe, der Pottschütthöhe, des Hausgiebels bei Maßweiler und der Schneckenhügel zwischen Contwig und Oberauerbach gehören zum beliebten Lebensraum des Vogels des Jahres 2016. Die Feldflur ist in den letzten 20 Jahren eintöniger geworden durch intensiveren Anbau und mehr Schädlingsbekämpfung. Hinzu kommen die Nesträuber Elstern, Sperber und Katzen, die nicht nur dem Vogel des Jahres das Leben in Obstanlagen, Gärten, auf Friedhöfen und in baumreicher Umgebung, wo er einen Ersatzlebensraum gefunden hat, schwer machen. Selbst wenn er sein Nest im Blätterdach der Bäume und Sträucher gut versteckt, wird seine Brut häufig Opfer dieser Eindringlinge. Eine Gefahr sind auch Rückstände von Spritzmittel. Ein Verzicht darauf würde nicht nur dem Distelfink helfen. Deshalb startet der Vogelschutzbund die Aktion „Bunte Meter für Deutschland“. Wildblumenwiesen sollen angelegt und Ackerrandstreifen geschützt werden, wo das vermeintliche Unkraut wachsen und gedeihen kann. Auch der Erhalt von Brachflächen gehört dazu, wo Pflanzen sprießen, die für Vögel und Insekten ein Paradiesgarten sind. Das gilt auch auch für Hangflächen mit lockerem Pflanzenbewuchs: Sie sind kostbarer Lebensraum für die bedrohte Kleintierwelt. Das mit Flechten, Moos, Halmen, Wolle und kleinen Wurzeln gebaute Nest des Distelfink ist kunstvoll ausgepolstert und fein verfilzt, damit der Nachwuchs sich wie in einem Himmelbett fühlt. Das Weibchen bebrütet alleine die vier bis sechs blau weißlichen Eier mit roten Flecken. In der Brutzeit wird es vom Männchen mit Nahrung versorgt. Nur zu einem notwendigen Bad für die Körperhygiene verlässt das Weibchen das Nest. In dieser Zeit hält das Männchen die Eier warm. Nach etwa 14 Tagen schlüpfen die Jungvögel. Ihre Nahrung besteht in der Anfangszeit aus Sämereien, Blattläusen und Knospen. Schon an der Nahrung für die Jungvögel erkennt man, dass der Stieglitz ein anderes Nahrungsangebot benötigt. Die Altvögel lieben den Samen der Ackerdistel, wo sie ihr akrobatisches Können bei der Samensuche zeigen. Einst gehörte die Distel zur Ackerflur und stand zahlreich in jedem Getreidefeld, sodass man die Distelfinken häufig zu sehen bekam. Ausgemerzt ist die Distel in den Feldern, sodass man Plätze suchen muss, wo der Distelfink sich noch wohlfühlen kann. Sollte es in diesem Winter noch mehrere Tage mit einer geschlossenen Schneedecke geben, dann könnte es sein, dass der Distelfink am Futterhäuschen der Winterfütterung auftaucht, wo er dank seiner freundlichen Farbabstimmung eine Augenweide ist. (hac)

x