Lemberg RHEINPFALZ Plus Artikel Der Lemberger Pfarrer Klaus Westenweller verabschiedet sich in den Ruhestand

Der Lemberger Pfarrer Klaus Westenweller ist seit dem 1. Juli im Ruhestand.
Der Lemberger Pfarrer Klaus Westenweller ist seit dem 1. Juli im Ruhestand.

In die Westpfalz hatte es den Neustädter Klaus Westenweller eigentlich nicht so gezogen. Seine Leidenschaft galt der Vorderpfalz. 1990 wurde ihm aber die Pfarrstelle in Lemberg angeboten und schnell wurde ihm die Gemeinde eine zweite Heimat, in der er nach seinem jetzigen Ruhestand bleiben wird.

„Es war ein Glücksfall für die Gemeinde und uns“, urteilt der frühere Pfarrer im Rückblick. In Neustadt-Mußbach geboren, war er Vikar in Edenkoben und hatte als Wunschpfarrei eine Gemeinde in der Vorderpfalz angegeben. Aber es kam anders und ihn verschlug es nach Lemberg. Anfangs habe er noch starke Sehnsucht nach der Rheinebene verspürt. 2002 wurde dann sogar in Edenkoben eine Pfarrstelle frei. Westenweller verzichtete auf eine Bewerbung. „Wir waren hier angekommen“, meint seine Frau Elisabeth heute.

2600 Mitglieder zählte die Gemeinde bei seiner Ankunft. Wie überall schwanden auch in Lemberg die Gemeindemitglieder. Heute seien es noch 1800, weshalb die Presbyterien von Lemberg und Ruppertsweiler über eine gemeinsame Gemeinde verhandeln. Die Gründe für die geschrumpfte Gemeinde seien vielfältig. Nach seiner Beobachtung seien viele Gemeindemitglieder weggezogen, weil es hier keinen Wohnraum gab. Das Verhältnis zwischen Taufen und Beerdigungen habe sich über die Jahre sehr ungünstig entwickelt.

Neue Gottesdienste eingeführt

Die Gottesdienste und Andachten waren Westenweller in seiner über 30-jährigen Amtszeit immer besonders wichtig gewesen. Musikalische Andachten führte das Ehepaar ein. Seine Frau Elisabeth sorgte für die Musik am Klavier, der Flöte oder Gitarre. Später kam noch die Orgel dazu. „Das war alles nur möglich, weil meine Frau mir den Rücken frei gehalten hat“, betont Westenweller mehrfach im Gespräch und meint damit nicht nur die Erziehung der vier Kinder.

Neue Gottesdienste habe er eingeführt. Beispielsweise an Heiligabend, der in Lemberg mit drei Gottesdiensten gefeiert werden konnte. Oder die Karwoche, die Westenweller am Gründonnerstag mit einem Gottesdienst beginnen ließ und am Karfreitag zur Sterbestunde Jesu um 14.30 Uhr eine besondere Andacht einführte. Besondere Momente für den Pfarrer waren immer die Gottesdienste in der Osternacht, wenn die Kirche kurz vor Mitternacht ganz dunkel war und sich erst langsam erhellte.

Sehr gut angenommen worden sei der Segnungsgottesdienst an Silvester. „Da gab es immer sehr berührende Momente und manchmal ging es nicht ohne Tränen, weil es so persönlich war“, erinnert sich Westenweller.

Wie er jetzt als Pfarrer im Ruhestand mit den Feiertagen zurechtkommen wird, darauf ist Westenweller schon gespannt. „Das war für mich immer Arbeitszeit.“ Jetzt könne er als Gläubiger am Gottesdienst einfach so teilnehmen und müsse nichts mehr vorbereiten.

Einigkeit in der Gemeinde

Eine weitere Neuerung, die er in Lemberg einführte, waren die Mai- und Herbstfahrten. Später kam noch eine Weihnachtsfahrt dazu. Das Gesellige war ihm immer wichtig. Wobei es nicht nur gesellig blieb. Eine Kirche sei am Zielort immer aufgesucht worden und dort eine Andacht mit Essen geboten worden. Richtige Widerstände habe er erlebt, als er das Gemeindefest wiederbeleben wollte. „Das ist eine sterbende Sache“, sei ihm gesagt worden. Es sei jedoch ein Bombenerfolg gewesen, aber nur weil die Gemeinde kräftig mitangepackt habe. „Das Miteinander war entscheidend“, verweist Westenweller auf die Einigkeit in der Gemeinde.

Die Familie will in Lemberg bleiben. Westenweller hat im Dorf ein Haus gekauft. „Weil wir uns hier wohlfühlen.“ Der Umzug vom Pfarrhaus in das neue Heim steht an. Was der 65-Jährige jetzt im Ruhestand machen will, weiß er noch gar nicht genau. Bevor er sich ein Ehrenamt überlegt, will er auf jeden Fall ein Jahr lang nichts tun. „Ich brauche ein Sabbatjahr. Dann kann man mal sehen.“ Arbeit habe er genug im neuen Haus und Garten. Die Gemeinde habe ihm eine Bank aus Kerneiche geschenkt, auf der er seine Pausen einlegen wird. Besonders gefreut habe ihn die Verabschiedung. „Da konnte ich richtig merken, dass da eine Wertschätzung war.“

Die Stelle wurde am 1. Juli ausgeschrieben. Wer sein Nachfolger wird, konnte Westenweller nicht sagen.

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