Kreis Südwestpfalz
Der goldene Liebesknoten
Das Contwiger Wappen zeigt in der Mitte ein zu einem Liebesknoten verschlungenes goldenes Seil. Das Seil wird oben und unten von jeweils einer silbernen Rose umrahmt. Die Hintergrundfarbe des Schildes ist Blau. So einfach gestrickt das Wappen ist, so komplex ist dagegen die Deutung dieser Symbole.
Viele Wappen zeigen links und rechts andere Symbole, sind also quasi geteilt. Das Wappen von Contwig ist oben und unten geteilt – und zwar von einem goldenen Seil, das zu einem Liebesknoten verschlungen die beiden identischen silbernen Rosen teilt. Dasselbe Wappen wird auch für den Contwiger Ortsteil Stambach geführt, der ab 7. Juni 1969 zur Gemeinde zählt.
„Im Jahre 1719 wurden diese Zeichen auf dem ’Cundwicher Gerichts Insiegel’ verwendet“, erklärt Arnold Schneider die Herkunft der Wappenzeichen in seinem Buch „Die Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land“. Dieser Siegelabdruck ist im Staatsarchiv Speyer verwahrt. Weiter schreibt er: „Im Gegensatz zur veröffentlichten Literatur, könnte das Gerichtssiegel einen persönlichen Bezug auf die Herkunft des damaligen Schultheißen und Gerichtsherrn haben. Dieser soll ein persönlicher Bediensteter des Herzogs gewesen sein und kam sicherlich nicht aus Contwig.“ Schultheißen waren zu dieser Zeit die Bürgermeister. Es ist vom althochdeutschen „sculdheizo“ abgeleitet, was „Leistung Befehlender“ bedeutet. Um die Zeit von 1719 herum hatten die Schultheißen gleichzeitig auch oft die Position des Gerichtsherrn. Der wurde 1719 vom regierenden Herzog zu Zweibrücken, Gustav Samuel Leopold, aus dem Kreis seiner Bediensteten für Contwig ausgewählt, das erstmals 1237 urkundlich erwähnt wurde. Durch den neuen Verwaltungsherrn der Schultheißerei wurde ein neues Schultheißensiegel in Auftrag gegeben. Eben dieser Siegelabdruck diente als Vorbild bei der Gestaltung des Contwiger Ortswappens im Jahre 1923. Dieser Teil der Zweibrücker Geschichte geht aus der Homepage der Stadt Zweibrücken (zweibruecken.de) hervor. Aber erst 1983 wurde der Gemeinde Contwig das Wappen durch die Bezirksregierung Rheinhessen-Pfalz verliehen. Genehmigt wurde es aber schon früher, wie aus den Unterlagen, die der Contwiger Bürgermeister Karl Heinz Bärmann der RHEINPFALZ zukommen ließ, hervorgeht. Die Genehmigungsurkunde zur Führung eines Wappens wurde demnach am 3. Mai 1924 von der Bayerischen Staatsregierung ausgestellt. Weiter besagen die Unterlagen, dass der Professor und Heraldiker Otto Hupp aus Schleißheim das Wappen ein Jahr zuvor entworfen hat. Hupp hat über 6000 Wappen geschaffen und galt als „bester Kenner der Pfälzer Ortswappen“, wie ihn die Unterlagen bezeichnen. „Vorlage für das Wappen war der Siegelabdruck eines Gerichtssiegels aus dem Jahre 1719, der im damals Humanistischen Gymnasium – heute Herzog-Wolfgang-Gymnasium – in Zweibrücken verwahrt war.“ Wie oft bei Wappen, gab es also auch für das Contwiger Wappen ein Vorbild in Form eines früher entworfenen Siegels.
Über die Bedeutung der Wappensymbole kann man sich streiten: In den Unterlagen, die Bärmann zur Verfügung gestellt hat, heißt es: „Studienprofessor Dr. Albert Becker in Zweibrücken meint, es handele sich um die Darstellung eines Strickes als strafrechtliches Symbol des Gerichts.“ Auch die Rosen seien nach seiner Auffassung Gerichtssymbole – sie würden die Heimlichkeit und Stille des Gerichts bezeichnen. Diese Deutung gab das Staatsarchiv Speyer kurz nach der Wappenerstellung durch Otto Hupp im Herbst 1923 heraus. Diese Auffassung lehnt Otto Hupp selbst aber ab: Es sei vielmehr anzunehmen, dass in Contwig zu Anfang des 18. Jahrhunderts der Hanf- oder Flachsanbau oder auch das Seilerhandwerk „in besonderer Blüte stand“. Dies wollte die Gemeinde Contwig schon im Siegelbild von 1719 durch den Liebesknoten zum Ausdruck bringen, der seit dem 16. Jahrhundert in der Heraldik beliebt sei.