Bechhofen „Der Glaube ist alles“: Eine Mutter trotzt dem Krebs mit Hoffnung

Sie kämpfen trotz schlimmer Krebserkrankung um Normalität: Krystian, Livia und ihre Mutter Agnieszka Conz (von links) auf dem he
Sie kämpfen trotz schlimmer Krebserkrankung um Normalität: Krystian, Livia und ihre Mutter Agnieszka Conz (von links) auf dem heimischen Sofa.

Eine Spendenaktion soll einer krebskranken, jungen Mutter Lebensqualität bringen. Doch Zweifel und Vorwürfe belasten die Familie zusätzlich.

Als sich Agnieszka und Krystian Conz vor acht Jahren in Bechhofen ein Haus kaufen, scheint sich nicht nur ein Traum zu erfüllen. Mit Sandra Müller, der damaligen Verkäuferin, entwickeln sie dazu eine innige Freundschaft. Zwei Kinder kommen zwischenzeitlich zur Welt. Doch die nun junge Mutter Agnieszka erkrankt vor vier Jahren zuerst an Brust- und später im Rahmen eines Rezidivs an Knochenkrebs. Seitdem steht Müller ihrer Freundin auch hier zur Seite. Mit einer Spendenaktion, die Medikamente und Behandlungen finanzieren sollen, die von der Krankenkasse nicht übernommen werden.

Es könnte eine Familientafel wie jede andere sein, an der die Drei der Rheinpfalz darüber berichten. Eben kommt Livia von der Schule nach Hause. Die Achtjährige hat das Down-Syndrom und spendet dem fremden Besuch eine innige Umarmung. Wie für einen Großvater. Die Eltern lachen fröhlich darüber. Sie wollen ihren beiden Kindern so viel Normalität wie möglich bieten. Ihr älterer Sohn bleibt außen vor. Er soll sich nicht um seine Mutter fürchten, weshalb er nicht viel über die Erkrankung seiner Mutter weiß.

Agnieszka will aus Angst nicht alles wissen

Sandra Müller hat für Agnieszka, den liebsten Menschen, den sie je kennengelernt habe, in medizinischen Dingen Verantwortung übernommen. Die Kirkelerin liest alle Befunde. Sie weiß im Gegensatz zu Agnieszka, wo der Knochenkrebs wütet. Aus emotionalem Selbstschutz und großer Angst möchte die Erkrankte ganz bewusst nicht wissen, wo genau sich Metastasen befinden. „Es macht mich eh nicht gesund, wenn ich weiß, wo die sind.“ Ihr Glaube hilft, die selbst gewählte Ungewissheit zu ertragen. „Der Glaube ist alles für mich. Eigentlich ist er die einzige Hoffnung. Ich bin überzeugt, dass Jesus alles machen kann.“ Obwohl sie als Palliativpatientin im Stadium 4 gelte. Weshalb ihre Heilung eher eine Ausnahme sei. „Aber Ärzte sind nur Menschen. Das letzte Wort hat Gott. Er gibt und er nimmt.“

Der Glaube der 36-Jährigen wird offensichtlich, sobald man ihr Haus betritt. Es gibt Marienbilder und sogar Statuen im Wohnzimmer. Auf dem Tisch stehen Flakons, gefüllt mit Wasser aus Lourdes. So oft Agnieszka kann, besucht die Katholikin Gottesdienste und Kirchen in der Umgebung. Das Wasser aus Lourdes hat sie selbst von einer Reise dorthin mitgebracht. Im Vorjahr hat sie einen Teil des Jakobswegs erwandert.

Ärzte: Chemotherapie hilft nicht mehr

Agnieszka Conz wirkt auf den ersten Blick auch sportlich, schlank und scheinbar kerngesund. Was für die von Sandra Müller ins Leben gerufene Spendenaktion ein Nachteil ist. „Es gibt Leute, die Agi vorwerfen, sie habe ihre Erkrankung nur erfunden, um sich zu bereichern.“ Aus diesem Grund hat Müller zur Vorbereitung auf das Treffen mit der RHEINPFALZ medizinische Befunde versandt. Unaufgefordert. Sprechen wir offen darüber. Woher kommt das Aussehen? „Ich habe früher 80 Kilo gewogen“, gesteht Agnieszka Conz ein wenig verschämt. „Als ich meine erste Chemo hatte, habe ich 20 Kilo verloren. Verliere ich die noch einmal, sterbe ich“, ist sie mit nun 60 Kilo Körpergewicht überzeugt.

Obwohl ihr nach der Brustoperation mitgeteilt wurde, dass eine weitere Chemotherapie nicht mehr helfen könne, nehme sie nun doch eine Chemo aus Tabletten in Anspruch. „Die macht mich kaputt. Ich kann nicht schlafen, bin müde und gereizt“, sagt die Frau, die in anderen Situationen wie ein Sonnenschein wirken kann.

Lügen-Vorwürfe bei Spendenaktion

Bei allem Leid sei es dem Ehepaar schwergefallen, der von Müller vorgeschlagenen Spendenaktion zuzustimmen. Müller erzählt: „Agi sagte oft, dass sie theoretisch auch ihr Haus und ein Auto verkaufen könnte. Das sind Dinge, die ohnehin noch nicht einmal vollständig abbezahlt sind. Vielleicht könnte sie sogar Schulden aufnehmen. Aber der Gedanke, dass ihre Geschichte vielleicht nicht gut ausgeht und sie ihrem Mann und den Kindern dann nicht nur ihren Verlust, sondern auch finanzielle Lasten hinterlassen würde, ist für sie unerträglich. Sie sagt, das einzige Schlimmere als krank zu sein, wäre, ihre Familie mit Sorgen und Schulden zurückzulassen. Für sie bedeutet Verantwortung nicht nur zu kämpfen, sondern auch zu schützen.“ Mit dem ersten Spendenaufruf gingen viele positive Reaktionen einher. Aus der Nachbarschaft. Von Freunden. Es gab aber auch Zweifel, böses Blut und sogar Fake-Vorwürfe.

Welche Therapien werden mit den Spenden finanziert? Unter anderem Hyperthermie. Dabei werden Körperbereiche für etwa eine Stunde auf eine Temperatur von bis zu 43 Grad Celsius gebracht. Als Behandlungsansatz gegen Tumorzellen. Allein diese Therapie koste wöchentlich 400 Euro. Dazu erhält Agnieszka Conz Infusionen, Sauerstofftherapie und Amygdalin, das das Milieu um Tumorzellen verändern könne. Von der Schulmedizin verschriebenes Methadon verringert Schmerzen. Dazu kommt naturheilkundliche Unterstützung, die ebenfalls von Schulmedizinern überwacht werde. Diese Therapien könnten Heilung bringen, versprechen sie aber nicht. Wichtiger sei aber: Sie brächten Lebensqualität, Linderung, Halt und Zeit. Als Mutter. Als Frau. Als Mensch.

Alles, was Agnieszka einnimmt, sei von Ärzten empfohlen und würde in Apotheken verkauft. „Ich hole mir nicht irgendetwas aus dem Internet“, schwört sie. „Und für alles sammele ich Belege“, sagt sie plötzlich. Jeder könne zu ihr nach Hause kommen und sich selbst davon überzeugen, dass das gespendete Geld einzig und allein für ihre Behandlung ausgegeben werde. Und nicht für Wohlstand.

Spendenkonto:

Hier kann man für Agnieszka Conz spenden: www.goodcrowd.org/ich-sammele-fuer-agi-eine-junge-mutter

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