Südwestpfalz
Der Besuch von Frank-Walter Steinmeier bleibt ein unvergessliches Erlebnis
Am 22. Oktober 2018 hatte er einen Tag lang die Zweibrücker Hochschule (Foto), Großsteinhausen, Bottenbach, die RHEINPFALZ-Lokalredaktion in Pirmasens und Rumbach besucht. Wir haben noch mal mit einigen Leuten gesprochen, die damals dabei waren: Mit Ellen Müller, die im Goldenen Buch von Großsteinhausen den Text zu Steinmeiers Besuch verfasst hat. Mit Bürgermeister Volker Schmitt, dessen ganzes Dorf an dem Morgen auf den Beinen war. Mit Micha Jochheim, dessen Mutter den Bundespräsidenten in ihrem Lädchen empfing und der im Konvoi des Staatsoberhauptes in die Schule gefahren wurde. Mit Bernd Sattler, der Steinmeier um ein Selfie bat. Mit Ingeborg Clemenz, die sich damals „wie im Film“ vorkam, als Steinmeier die kleine Dorfschule in Bottenbach besuchte. Mit Beate Schnur, die mit den Bottenbacher Landfrauen „Hoorische“ für den Präsidenten kochte. Mit Anna-Lucia Steigner, der Jugendfeuerwehrlerin aus Rumbach, die damals im Feuerwehrhaus wartete. Mit „Salztrippler“-Wirt Manfred Albrecht, der sich mit Steinmeier über die Gastronomie unterhielt. Und mit Melanie Cornet-Emmerich, die vom echten Interesse des Staatsoberhaupts beeindruckt war.
„Hatte Panik, mich zu verschreiben“
Ellen Müller, Lehrerin aus Großsteinhausen: „Ich durfte als Erste ins Goldene Buch von Großsteinhausen schreiben, das eigens angeschafft wurde. Ich wusste, was es gekostet hat und hatte Panik, mich zu verschreiben. Es hat Tage gedauert, bis ich genug Mut dazu hatte. Für mich war der Besuch etwas ganz Besonderes. Als unser Bürgermeister gesagt hat, dass der Bundespräsident kommt, habe ich gesagt: ,Ja, sicher, und der Papst und die Queen und der Kaiser von China auch.“ Ich habe das erst nicht geglaubt. Als bestätigt wurde, war ich permanent im ,Die-Queen-kommt-Modus“. Ich war sehr aufgeregt. Es ist ja schon selten, an einen Menschen so nah heranzukommen, der so viel Einfluss und Macht hat. Es war sehr schön, dass der Bundespräsident so nahbar und warmherzig war.“
„Sonjas Lädchen vergisst er nie“
Volker Schmitt, Bürgermeister von Großsteinhausen: „Zuerst habe ich durch die Buschtrommeln vom Besuch des Bundespräsidenten erfahren, dann durch die Staatskanzlei ganz offiziell. Das war für so einen kleinen Ort etwas ganz Besonderes. Erst standen wir Kopf, aber es hat richtig Spaß gemacht. Als Erstes war ich überrascht und konnte es gar nicht glauben. Wir hatten geschmückt und Deutschlandfahnen besorgt und die Bevölkerung informiert. Am meisten hat mich abends bei der Abschlussveranstaltung beeindruckt, als er ohne Vorlage alle Namen noch wusste und sagte, Sonjas Lädchen würde er nie vergessen. Dieser Tag und der Besuch in Berlin ein Jahr später, als wir im Schlossgarten von Bellevue eingeladen waren, sind die Höhepunkte meiner Amtszeit.“
„Das ganze Auto hat gewackelt“
Micha Jochheim, eskortierter Schüler: „Ich war morgens in der Schule, mittags dann hier im Lädchen, als der Bundespräsident da war. Das war eine Riesen-Aktion mit Sprengstoffhunden und so. Dann hieß es, die Straßen werden gesperrt, dann hätte ich es nicht rechtzeitig zur Vorführung in der Grundschule in Bottenbach geschafft. Daher hat mich dann die Polizei mitgenommen. Zwar nicht im selben Auto wie der Bundespräsident, aber auch mit Blaulicht. Das war cool. Die Türen waren sehr schwer, als die Tür zuging, hat das ganze Auto gewackelt. Das waren gepanzerte Limousinen. Außer vor einem Bombenanschlag war ich bis nach Bottenbach vor allem geschützt. Ich würde das auch ein zweites mal machen. Der Herr Steinmeier hat einen sympathischen Eindruck auf mich gemacht.“
„Ich hab’ den Film noch aufm Handy“
Bernd Sattler, Ex-Postbote: „Ich war damals noch als Postbote in Großsteinhausen und Bottenbach unterwegs. Das war ein ganz besonderes Ereignis. Ich habe in Bottenbach die großen Limousinen gesehen, da wusste ich, da läuft was. Dann hab“ ich den Bürgermeister gefragt, der bat mich, dichtzuhalten. Als der Bundespräsident dann da war, in Sonjas Lädchen, war ich auch dabei, das habe ich so eingerichtet bei meiner Tour. Das war montags, da hatte man nicht so viel Arbeit. Das bleibt in Erinnerung. Mein Chef hat einen Bericht über mich geschrieben damals für die Post-Zeitung, ab da konnte ich machen, was ich wollte. Und auch im Freundeskreis erinnert man sich gerne an den Tag. Ich habe den Film heute noch auf dem Handy und das gemeinsame Foto mit dem Bundespräsidenten.“
„Er saß wie ein Lausbub in der Halle“
Ingeborg Clemenz, Grundschullehrerin: „Ich erinnere mich an die Tage vorher, aber vor allem an diesen einmaligen, großartigen, unvergesslichen, besonderen Tag, der für mich ein Höhepunkt der beruflichen Tätigkeit war. Ich musste viele Dinge organisieren und habe auch die musikalische Feier in der Grundschule geleitet. Und danach den Ernährungsführerschein zusammen mit den Landfrauen geplant. Alle Lehrer haben einen außerordentlichen und nachhaltigen Eindruck der Wertschätzung mitgenommen von diesem Tag. Der Bundespräsident war sehr authentisch, als Mensch und Staatsmann hat er auf uns gewirkt und auch auf die Kinder. Er hat am Tisch Quark gereicht und sich amüsiert. Es hat ihn gefreut und gerührt. Er saß wie ein Lausbub in der Halle auf der Bühne und hat die Beine baumeln lassen, das war einfach wunderbar.“
„Zunächst war ich sprachlos“
Beate Schnur, Landfrauenvorsitzende: „Das war ein ganz tolles Erlebnis, den Bundespräsidenten als Gast in Bottenbach zu haben. Ich fand auch die Entstehungsgeschichte spannend. Im Juni kam von der Staatskanzlei ein Anruf, da hieß es, der Bundespräsident möchte die Arbeit der Landfrauen kennenlernen und kommt zu uns. Zunächst war ich sprachlos und verblüfft, aber das hat sich dann entwickelt. Die Planung war nicht einfach, wir haben uns entschieden, den Ernährungsführerschein vorzustellen und mussten auch das enge Zeitkorsett berücksichtigen. Ich hatte von Herrn Steinmeier persönlich den Eindruck, dass er sehr freundlich ist und ein Mensch wie du und ich ist. Das Amt wird drumherum gemacht. Sein Besuch war ein tolles Ereignis. Er darf jederzeit gerne wieder kommen.“
„Vor Freude ein paar Tränen vergossen“
Anna-Lucia Steigner, Jugendfeuerwehrfrau aus Rumbach: „Ich durfte sogar von der Schule zu Hause bleiben. Wir hatten bei der Feuerwehr einiges zu richten und hatten alle unsere Feuerwehrklamotten an. Wir haben eine Präsentation vorbereitet über den Feuerwehreinsatz beim Unwetter in Rumbach. Beim Dorfspaziergang war ich auch mit dabei. Ich weiß noch, dass ich, als der Bundespräsident zu uns ins Feuerwehrhaus kam, sehr nervös war. Ich erinnere mich, dass er einen festen Händedruck hatte und auf mich einen sehr bodenständigen Eindruck gemacht hat. Nachdem alle weg waren hab ich mich kurz verdrückt und vor Erleichterung und Freude ein paar Tränen vergossen. Das Foto mit dem Bundespräsidenten hängt in unserem Wohnzimmer. Es war schon ein besonderer Moment für mich.“
„Er hat gefragt, wer der Chef ist“
Manfred Albrecht, Wirt des Rumbacher Restaurants „Zum Salztrippler“: „Der Bundespräsident kam mit dem ganzen Tross die Straße rauf spaziert und sollte eigentlich gegenüber zur Feuerwehr, so war der Plan. Wir standen mit dem Personal und einigen Gästen auf der Terrasse des Lokals und haben, als er in Sichtweite kam, spontan angefangen zu klatschen. Da wurde er auf uns aufmerksam und steuerte direkt auf uns zu. Er wollte wissen, wer der Chef ist und dann haben wir uns bestimmt eine Viertelstunde unterhalten, über das Lokal, über regionales Essen und über die Gegebenheiten in der Gastronomie allgemein. Er ist mir als angenehmer und interessierter Mensch in Erinnerung. Sehr schön fand ich, dass einige Tage später ein Foto vom offiziellen Fotografen hier ankam, das mich mit dem Bundespräsidenten zeigt.“
„Man spürte echtes Interesse“
Melanie Cornet-Emmerich, Fair-Trade-Gemeinde Rumbach: „Wir haben mit dem Spaziergang durch den Ort im Park angefangen, ich war die ganze Zeit mit dabei. Beeindruckend fand ich die Präsenz, die der Bundespräsident hatte. Er hat schon ein starkes Auftreten, man fühlt sich ihm irgendwie einfach nahe. Ich denke das kommt daher, dass er wirklich freundlich zugewandt auf die Menschen zugeht. Ich habe zwar nur kurz mit ihm gesprochen, aber es auch bei vielen erlebt, dass er beim Gespräch mitdenkt, Rückfragen stellt und auf das Gesagte eingeht. Man spürt echtes Interesse. Er hört tatsächlich zu und dadurch kann er schnell Nähe zu den Menschen herstellen. Ich war beeindruckt, dass er sich die Zeit nimmt in so ein kleines Dorf zu kommen, das gibt auf jeden Fall Pluspunkte.“